Dülmener Heimatblätter

Herausgeber: Heimatverein Dülmen e. V.

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<< Heft 1, 2000

Karl Hullermann

Dülmens Grenzen im Wandel der Zeit

Am 1. Januar 2000 sind es 25 Jahre her, dass es durch den Zusammenschluss der Stadt Dülmen und der Gemeinden Kirchspiel Dülmen, Merfeld, Rorup und Buldern zu der neuen Gemeinde Stadt Dülmen kam. Eingemeindet wurden dabei auch Flurstücke aus den Gemeinden Darup, Limbergen und Kirchspiel Haltern. Das neue Gemeinwesen hat seither eine Fläche von 184 qkm.

Vorausgegangen waren dieser Gebietsreform jahrelang eine Bürgerbeteiligung und kommunalpolitische Abstimmung. Die vom Land Nordrhein-Westfalen für das Münsterland eingesetzte Kommission unter Leitung von Ltd. Ministerialrat Köstering nahm nach intensiven Ortsbesichtigungen in Anhörungen die Argumente für und gegen mögliche Änderungen entgegen. Aus der überörtlichen Sicht war insbesondere die Zuordnung der Gemeinden des aufzulösenden Altkreises Münster zu einem zu bildenden Kragenkreis um die Stadt Münster herum oder zu verschiedenen Sektoralkreisen strittig.

Für den Dülmener Raum war aber zu erkennen, dass bis dahin gültige Verwaltungsstrukturen nicht wieder aufleben konnten. So war Hausdülmen vom 14. bis zum 17. Jahrhundert Sitz der fürstbischöflichen Verwaltung des Amtes Dülmen. Hierzu gehörten die Kirchspiele Dülmen, Haltern, Buldern Hiddingsel und Hullern. Dagegen waren die Städte Dülmen und Haltern außerhalb dieses Amtsverbandes selbständig.

1803 wurde das Amt Dülmen aufgeteilt. Ein Teil der Fläche ging an das Erbfürstentum Münster. Der größere Restteil und die Stadt Dülmen wurden eine Grafschaft unter dem Herzog von Croy. Nur drei Jahre konnte sich Dülmen als eine reichsunmittelbare Residenz fühlen. Danach wurde es dem Herzogtum angegliedert.

In den Jahren 1806 bis 1815 war Dülmen unter französischer Herrschaft. Jetzt wurde es ein Kanton und umfasste neben der Stadt und dem Kirchspiel Dülmen auch die Gemeinden Buldern Hiddingsel, Merfeld und Lette.

Nach der Niederlage Napoleons, also 1813, wurde ein Landwehrkreis Dülmen gebildet. Dieser bestand zum Teil aus dem späteren Landkreis Münster sowie aus den aufgelösten Kantonen Dülmen, Haltern und Nottuln.

1816 ging Preußen schon wieder an eine Neuorganisation heran. Jetzt umfasste das Amt Dülmen neben der Stadt Dülmen auch Kirchspiel Dülmen, Merfeld und Hausdülmen. Rorup (mit Limbergen) und Buldern (mit Hiddingsel) wurden selbständige Amtsorte. 1837 wurde die Stadt Dülmen aus dem Amtsverband herausgelöst und erlangte Selbständigkeit. Diese Organisation hatte über 100 Jahre Bestand. 1929 verlor die Gemeinde Hausdülmen ihre Gebietshoheit. Auch für das benachbarte Haltern gab es eine Änderung. Stadt und Amt Haltern — bisher zum Kreis Coesfeld gehörend — wurden dem Landkreis Recklinghausen zugeordnet.

Das Amt Dülmen in fürstbischöflich-münsterischer Zeit bis 1803 mit den Städten Dülmen und Haltern sowie den Kirchspielen Dülmen mit Merfeld, Buldern mit Hiddingsel und Haltern mit Hullern auf einer Karte des Fürstbistums Münster aus dem 18. Jahrhundert.

Der Auflösung Hausdülmens waren sehr konträre Meinungsäußerungen vorausgegangen. Zur Frage der Zuordnung zur Stadt oder Landgemeinde Dülmen oder dem Kirchspiel Haltern wurde lebhaft debattiert. Der preußische Landtag entschied sich für eine Zuordnung zum Kirchspiel Dülmen.

Gegen Ende der 60er Jahre stand in Nordrhein-Westfalen wieder eine Gebietsreform zur Debatte. Die Landesplanung hatte im Entwicklungsprogramm den Anstoß zu dieser Entwicklung gegeben, die eine vielseitige Verbesserung der Infrastruktur anstrebte. Damit wurde auch die Forderung nach einer Beseitigung von Zwerggemeinden laut. Diesen kleinen Kommunen wurde eine ausreichende Verwaltungskraft abgesprochen. Mindestens 5.000 Einwohner sollten in den Körperschaften organisiert sein. - Nur schafften es später Gemeinderäte, -verwaltungen und rührige Landespolitiker in einigen Fällen, dass dieser Schwellenwert für sie nicht maßgebend war.

Freiwillige Gebietsänderungen vom Land angestrebt

Die ersten Neuordnungen im Kreis Coesfeld auf freiwilliger Basis sind 1969 zu verzeichnen. In der Nachbarschaft Dülmens löste sich das Amt Buldern, bis dahin aus den Gemeinden Buldern und Hiddingsel bestehend, auf. Ab 1. Juli existierte die neugebildete Gemeinde Buldern mit einer Fläche von 33,54 qkm. Neben Buldern und Hiddingsel, waren auch Flurstücke aus der noch weiter existierenden Gemeinde Limbergen eingemeindet worden. Das Melderegister erfasste 4.185 Einwohner.

Wenn es nicht weiter geht, muss es gesetzlich geregelt werden

Das Land drängte auf eine Fortführung der kommunalen Gebietsreform. — Nach einer Besprechung auf Regierungsbezirksebene legte der Oberkreisdirektor in Coesfeld am 20. November 1971 in seiner Eigenschaft als untere staatliche Verwaltungsbehörde einen Vorschlag zur Neugliederung der Gemeinden des Kreises Coesfeld vor.

Vorschlag für den Raum Buldern/Appelhülsen

Interessant ist jetzt auch nach 25 Jahren noch eine Durchsicht des OKD-Berichtes an den Innenminister. Trotzdem der oben erwähnte Schwellenwert von 5.000 Einwohnern noch nicht erreicht war, sprach sich der OKD-Vorschlag dennoch dafür aus, dass die 1969 geschaffene neue Gemeinde Buldern selbständig bleiben sollte. Er sah eine Chance darin, die Einwohnerzahl nach Eingemeindung von Gebieten aus Nachbarkommunen auf 6.938 Personen zu erhöhen. Hiervon betroffen war auch das Kirchspiel Dülmen, das in unmittelbarer Nähe der Dorfgrenzen zu Buldern und Hiddingsel zahlreiche Einwohner hatte. Die Kommunalvertretungen von Kirchspiel Dülmen und Stadt Dülmen stimmten dieser Zuordnung nach Buldern zu. Betroffen auf Dülmener Gebiet waren hiervon 337 Bürger.

Vorschlag für Rorup

Das Amt Rorup bestand damals noch aus den Gemeinden Darup, Lette, Limbergen und Rorup. — Der Rat der Gemeinde Rorup sprach sich am 29. April 1971 für einen Zusammenschluss mit Lette aus. Darüber hinaus wünschte er weitere Eingemeindungen von Nachbargebieten, die zur Gemeinde Rorup ausgerichtet waren. — Auch der Oberkreisdirektor in Coesfeld stand diesem Ansinnen nicht ablehnend gegenüber. — Als Alternative im Falle der Ablehnung der Roruper Ansicht hielt er eine Zuordnung der rund 1.200 Roruper zur Stadt Dülmen für zweckmäßig.

Vorschläge für Dülmen

Kernpunkt des Beschlusses der Dülmener Stadtverordnetenversammlung nach Absprache mit den Gemeinderäten Kirchspiel Dülmen und Merfeld war die Auffassung, dass es zu einem Zusammenschluss dieser Gemeinden kommen sollte. Der Oberkreisdirektor unterstützte in seiner Vorlage diesen Willen uneingeschränkt.

Die drei Gemeindevertretungen stellten danach sofort eine Weiche für die Zukunft. Sie bildeten einen Arbeitsausschuss, in dem die Richtung des zukünftigen Handelns festgelegt und unvertretbare Entscheidungen vor Inkrafttreten der Neugliederung vermieden wurden.

Zwischenstand nach der Erklärung des Innenministers

Der Neugliederungsvorschlag des Ministers, der für die Beratung im Landtag am 29. März 1973 erging, übernahm für die Stadt und das Amt Dülmen den Vorschlag des Oberkreisdirektors. Für Rorup akzeptierte er den Alternativvorschlag mit der Zuordnung nach Dülmen. Völlig überraschend für die Einwohner, Kommunalpolitiker und -verwaltungen war aber die von ihm angeregte Zuordnung von Buldern zur neuen Stadt Dülmen.

Eintritt in der Endphase

Bereits am 30. Mai 1973 kam es zwischen den durch den ministeriellen Vorschlag betroffenen Gemeinden, Ämtern und Schulverbänden im Dülmener Raum zu einem Gebietsänderungsvertrag. Dieser legte sowohl die Grenze der neuen Stadt Dülmen als auch wichtige Folgewirkungen nach Inkrafttreten des Neugliederungsgesetzes fest.

Unbefriedigend war zu diesem Zeitpunkt noch die starre Haltung des Ministers zum sogenannten „Sythener End“. Am 24. Januar 1974 wandten sich die Vertretungen des Amtes Dülmen und der Gemeinden Kirchspiel Dülmen und Merfeld an den Landtagsausschuss für Verwaltungsreform in Düsseldorf. Sie opponierten damit gegen eine von den Zeitläuften überholte aber vom Landeskabinett noch aufrecht erhaltene Grenzziehung bei Hausdülmen. Hierbei handelte es sich um die Bebauung und die Grundstücke zwischen dem unmittelbaren Dorfkern und dem Strandbadweg. Die hier ansässigen Einwohner gehörten seit 1816 der Gemeinde Kirchspiel Haltern an. Kommunalabgaben waren dorthin zu entrichten. Zur Besprechung von Verwaltungsangelegenheiten musste die Amtsverwaltung in Haltern aufgesucht werden. — Der Minister konnte aber keine Rechtfertigung für eine Änderung erkennen. In der Eingabe aus dem Dülmener Raum wurde die wirtschaftliche Verflechtung zu Dülmener Arbeits- und Einkaufsstätten aufgezeichnet. Die Mitgliedschaft der Einwohner des „Sythener Endes“ zu Hausdülmener Vereinen forderten zu einem Umdenken heraus. Die Schule Hausdülmen, bisher vom Schulverband in der Trägerschaft der Kirchspiele Dülmen und Haltern geführt, nahm seit vielen Jahrzehnten auch Schüler aus dem „Sythener End“ auf.

Die Kirchengemeinde St. Mauritius Hausdülmen, die auch Trägerin des Friedhofes war, kannte keine unterschiedlichen Bewohner. Auch die Hausdülmener Feuerwehr sicherte den Brandschutz in diesem Bereich.

In Gesprächen mit dem Amtsdirektor aus Haltern widersetzte sich dieser der vorgeschlagenen Gebietsänderung nicht. Er war sogar bereit, das Strandbad an die neue Stadt Dülmen abzugeben. Wegen der fehlenden Infrastruktur wurde dieses Angebot aber nicht weiter verfolgt.

Der Landtagsausschuss ließ durch den hiesigen Abgeordneten wissen, dass die Eingabe an Ort und Stelle geprüft würde. — Eine kleine Kommission rückte an. Nach wenigen Augenblicken sprachen sich die Politiker für eine Verwirklichung der Dülmener Wünsche aus. Am 9. September 1974 verabschiedete der Landtag das Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden und Kreise des Neugliederungsraumes Münster/Hamm.

Nun darf man gespannt sein, wie lange die damit gezogene Stadtgrenze bestehen bleibt.

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