Dülmener Heimatblätter

Herausgeber: Heimatverein Dülmen e. V.

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<< Heft 1, 2000

Günter W. Peters

Geschichten ut de aolle Stadt Dülmen

Von de Schützenvereine un dat Schützenwesen

De Summertiet is wull üöwerall de hauge Tiet füör alle de viellen Schützenvereine, well in Stadt un Land dann iähre Feste fiert. Sölwst in de klenste Buerschopp is jä vandage auk’ne Schützenkumpenie to finnen, wildat de jä auk äs’n paar Dage ut de Holsken kuemen willt. Üörwerall draiht et sik jä män vandage faken blos üm de schöne Fier, de gewüenlik drai Dage duert. In dat Suerland is sölwst in dat klenste Duorp een Schützenhuus met Schaitstand und de Vuegelstange to finnen, wo sik üörwer de Dage dat heele Festken afspierlt. Hier, in usse Mönsterland wätt daoto graute Sunnenhüüser (Zelte) upstellt, wao dann dat Damenkränzken, den Festball un auk den Fröhschoppen aflöpp. In de Tiet „tüsken saien un maihen“ is dann in de Düörp un auk in de Buerschopp all’s up de Beene, denn nicheen will sik dat graute Fest entgaohen laoten.

In fast alle Vereine fängt dat Fest gewüenlik an’n Saoterdagg met’n Guottsdenst an, un de auk faken in dat Sunnenhuus afhaollen wätt. Ächternao is dann den eersten Festball. Sunndaggsmuorns wätt dann de Langschlaipers weckt, daomet se auk allbieneen pünktlik antriäden könnt, üm de Majestäten aftohalen. Daonoh treckt dann de Schützen met een Kranz nao dat Ehrenmaol üm de Dauden to gedenken un von dao uut gaiht et dann wieders nao de Festwieske, wao up den Vuegel schuotten wätt. Nao den Küeninksschuß is dann de Proklamation un Aobends den grauten Festball. Maondaggs is dann den Fröhschoppen füör all de Schützen, un daobie giff et dann dat Beer, wat noch nich düerer wuorden is - un dat is dat Friebeer. Daoran anschlutend is dann den Kaffeeklatsch füör de Damen.

So — off so änlik — wätt de mährsten Schützenfeste bie us afhaollen, un gröttstendeels wätt daobie auk en Vuegel afschuotten. Vull seltener is dat schaiten up ne Schiewe, wat jä tomiärst blos de Sportschützen maakt. In usse Dülmen is aower auk een Verein, de alle drai Jaohre een Swieneschinkenschützenfest fiert, un dat is de Chorgemeinschaft Dülmen, wat fröher de aollen „Germanen“ wöeren. Daobie wätt dann een Schinken afschuotten, de an Bindfiärm uphangen is. Well daobie nu den richtigen Faam trefft un den Schinken dann harunner föellt, de is dann füör drai Jaohr den „Swieneschinkenschützenküenink“.

Et giff aower auk iättlike Vereine, de alle Jaohr unner sik een Schützenfest maakt, aower aohne een kumpletten Schützenverein to sien. De aower nu allbieneen nich mettellt, giff dat in usse Dülmen achtain Schützenvereine, de ik hier nu de Riege nao uptell:

Schützenverein Börnste e. V. von 1751

Bürgerschützenverein 1551 e. V. Dülmen

St. Johanni-Schützenbruderschaft Buldern von 1670

Schützenverein Daldrup von 1706

Dernekämper Schützenverein von 1701 e. V.

Schützenverein „Burgwache“ Hausdülmen von 1837

Allgemeiner Schützenverein Hiddingsel e. V. von 1695

Schützenverein Kohvedel von 1928

Schützenverein Kolpingfamilie von 1860

Schützenverein Leuste von 1955

Schützenverein Merfeld von 1748

„St. Jakobus“ Mitwick-Weddern von 1734

Schützenverein Nieströter von 1930

Schützenverein Pluggendorf von 1890

Schützenbruderschaft „St. Michael Rödder“ von 1746

Schützenverein Rorup

Schützenverein Welte von 1700

Kriegerverein Karthaus

(Auflistung aus den Unterlagen von Ferdi Hülck)

Ennige von düsse Vereine wiett’t nich äs wann dat iärste Schützenfest fiert wuorden is, dat het, in de Chroniken un Annalen is daovan niks to finnen. Den äölsten Verein is aower wull den Bürgerschützenverein von Füftainhunnerteenunfüftig. Daomals häfft sik viellicht all ennige Straoten bieneene daohn, üm iähr Stücksken von de Stadtmüer un de Paorten to verteidigen. Denn dao trocken Räubers met iähre Banden düör dat Land un brandschatzden de kleinen Städte un Düörpkes, sodat sik dat ganze Volk to Währ setten moß, wann se nich alles verlaisen wullen. So is Dülmen all in dat Jaohr Twiälfhunnertniegaenennieggenzig von den Graofen Eberhard von der Mark brandschatzt wuorden. Iärst iälke Jaohr daonoh hätt dat Duorp Dülmen hauge Wälle un daipe Griäbens anleggen laoten. De Stadtrechte kreeg Dülmen iärst Diärtainhunnertiälm düör den Bischopp Ludwig II.

De Büörgerschützen wüören all gründet, äs üm Füftainhunnertdraiunachtig de Dülmske Büörgerwiähr nie organiseert wuorden is. Gliekertiet is auk wiäggen de Angriffe von buten de Befestigunk an de Müern un Stadtpaorten verstiärkt wuorden. Düt Daohen mott wull wahne haolpen häbben, denn füftainhunnerteenunnieggenßig sind de Spanier un Niederländer nich bes in de Stadt kuemen, se sind män plündernd düör dat Ümland trocken. Jau, wann so eene Stadt angrieppen wuor, dann sochten de Fraulü un de Blagen Schutz ächter de haugen Müer’n, de Mannslü aower, de mossen Hab un Gut verteidigen. Daomet dat aower recht in de Gänge kaim, wuorden de Schützengesellschaften gründet, de dann alle Mannslü an de verschaidenen Waffen uutbildeten.

Äs Festung har usse Stadt fief Paorten, de Dagg un Nacht von de Büörgerwiähr bewacht werden mossen. Män blos eene von de Paorten is bes nuhen staohen bliewwen un dat is de Lünkhuser-Paort. Von de annern Veer, nämlik de Mönster-, de Burg-, de Nie- of Merfelder- un de Coesfelderpaort is nicks miähr to bekieken. Tüsken düsse fief Paorten wassen aower noch säß Täön, waovon vandage auk män blos noch twee, den Nunnen- of Pulvertaon an den Ostring un den Lorenkentaon an’n Nordring staohen bliewwen sind. An de hauge Müer lagg de Binnen- un Butengräfte. Daotüsken lagg de Wallanlage, wat jä nu noch usse Promenode is. Dat was aower längs nich alles an Befestigunk. Daovüör lagg dann dat Gaordenland met een Wall ut dichte Hieggen. Wiet daovon aff, was dann noch den Pallisadenwall ut dicke Päöhle. Alle de Buerenhüöwe de daovuör laggen, nömden sick dann de „Paohlbüörger“. Dann gaff dat aower noch de Landwehr, de ut twee hauge Wälle bestonn un met wahne dichtet Gestrüpp un Slehnendäörn bewassen wüör, waomet dann dao wisse kin düörkuemen was. De Landwehr was an de fief Hauptstraoten unnerbruorken un an de Stiären noch met Schlaggbaim un Zuggbrüggen schützt. Daomet aower noch nich genoog: Jedde Stiär was met eene Wache besett’t, well Dag un Nacht up Posten wüörn, jüst so, äs an de fief Paorten in de Stadtmüer. De von de Stadt angestellten Pförtner mossen dann bie Naut und Gefaohr de Schützengesellschopp alarmeeren, de dann faorts met alle Mann uutrückden, üm de belagerte Stadtpaort to verteidigen.

Alle Mannslü in de Stadt, well in dat rechte Aoller wüörn, mossen in de Büörgerwiähr, dat het in de Schützengesellschopp metmaaken. Daobie gaff dat kin Unnerschaid, den Holskenmaaker, Snieder, Bäcker, Kaupmann un auk de Büörgermester mooken met. An jeden Sundaggnaommedagg mossen allbieneene met iähre Waffen to de angesett’ten Übungen antriäden. Well dann bie düsse Übungen faihlde, de moß an de Büörgerwiähr eene saftige Straofe betahlen. In geföehrlike Tieten moß auk jeddereen, nao Dageslast un Arbeit, up Wache trecken, üm de Inwuehners to schützen. Well sik daogieggen vergaonk, un ’et an de naidige Disziplin faihlen lait, de konn von den Stadtraot met Haft- un Geldstraofe beleggt wären. In de aollen Satzungen was auk fastgeleggt, dat alle Schützen iähre Waffen ümmer to Huuse praotstaohn hadden. Dat konn nu’ne Hellebarde, ne Flint, een Säöbel off auk ne Lanze sien. Wann he sien Wiärks nich an Huuse har, moß he auk met’ne Straofe riäknen.

Wann nu eene von de Stadtpaorten angrieppen wuor, dann was toalleriärst de Straotengemeinschopp tostännig, de an düsse Paort wuenden. Män blos in Tieten von ganz graute Naud, dao drüönden de Sturmglocken von den St. Viktortaon un raip alle Büörgers up de Muer, üm met tohelpen. Jau, un in söcke Nautfäll’dao haolpen sagar de Fraulü un de Wichter met.

De Tieten sin nu längs vüörbie. Äs de Füerwaffen un de schwaoren Kanuonen upkaimen, dao was met de Festung Dülmen auk kin Staot miähr to maken. De Büörgerwiähr konn dao auk nicks miähr retten. Somet sin daovon män blos de schönen Schützenfeste üörwer bliewwen. Dao sind sick aower wull de Schützenbrüörs in alle Vereine un Gilden ennig, dat de Schützenfeste jüst so wiederfiert wätt, äs se dat vüör iättlike hunnert Jaohren auk all maakt häfft.

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