Dülmener Heimatblätter

Herausgeber: Heimatverein Dülmen e. V.

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<< Heft 1, 2001

Aolt-Dülmen düör de Gieggenwartsbrille!

Nach Texten von Dorothea Goihl, Wanne-Eickel, der Tante von Thea Klostermann, überarbeitet von Günter W. Peters

De aollen Römer sind so stolt up iähre Geschichten,
Auk Dülmen häff Tradition un watt to berichten.
Beide Völker sind met eenanner verwandt,
Wat de miährsten is wull unbekannt.
Rom ligg an de Tiber, un Dülmen up de Tiber.
So äs Rom was auk Dülmen eene Festung,
Müern, Müern, ringsüm den Nunnenwall,

Geografische Ringe, Nord-Südring un üöwerall
Daotüsken Täön un Paorten,
De Orientierung göng nich nao Straoten.
Et hädden schlichtwegg, Schmitz an de Täön.
Un Donnerkott an de Mönsterpaort.
Ganz affgeliäggen von Üel un Smüel
Den Prumenkotten, Seufzerallee un Piäppermüehl.

So äs vandage, so wast auk all vüör Jaohren,
Dat Stadtbeld prägden de Honoratioren.
Dao was dat Raothuus, eendäörig un gediegen,
Füör jeddermann, füör jeddet Anliegen.
Dao was de Apthek, füör de Mensken un Vieh
Füör Liäben un stiärwen de Diäkenie.
De Uutstüer offereerde H.J. Wiese,

Spezialität, Bettfiärm, met witte un griese.
Den Prinzipal, een vüörsichtigen Mann, met hellen Kopp
Den Knieper an de Lien, un bunnen an n Westenknopp.
Un Wand an Wand in bester Harmonie,
Liäwde de Jude Falk niäben de Christenlüe.
Denn Rassenhaß un Faschismus
Staonn daomols nich in den Katechismus.
Dicht bieneen was een Geschäft un Handwiärk
Füör Siägen un biäden de aolle Viktorkiärk.

Up den Marktplask laipen alle Züge bieneen,
Man un Roß un Kinnerwagen, aower met Blagen
Noch nix Mercedes, alles perpedes.
Un so äs dat Koppsteenplaoster, solide
Was auk dat Footgeraih von all de Lüede.
Holsken klipp - klapp
Rindsliärne Schoh, noch nich so schick

Dat kaim von de Piärdewater-Kosmetik.
Geschmeert met Traon,
Putzt met Studentenwichse (Spucke) un Pottlaoh,
Dao wuort so schön swatt noa,
Doch bi all dat planen un vermiätten,
Hadden se den stillen Ort met Hiärtkesdüör vergiätten.
Guede Raot was düer. Garnich,

Dao unnen in´t Raothuus is sovull Platz
Sag Ringelnatz. Richtig, guede Idee.
Den iärsten Siägen daovan kreeg Hellmann,
He sparde dat Mottenpulver füör sienen Laden,
Up Bumskattun un Baumwullwaren.
Kinne Spur miähr von Kampfer un Naphtalin,
Reinet menskliket Uri-no-lin.

Daomols riäknete man noch nich met Meter,
Nee, dat kaim iärst läter.
Säßunsäßtig Zentimeter was eene Iärll,
Dat was Hellmann´s Maot un daomet praot.

In dat Raothuus gongen vull Lü in un uut,
Auk Terro Drees met Stina, siene Bruut.
Se strebten nao de Standesamtsdüör,
Dao stonn von Amtswiägen de höltene
Büörgermester vüör. (Mensmann)
De hadde all bie een Waortgefecht vüör Jaohren,
Den eenen Flittken verloren.

Nu mook he nich miähr so vull Wäör,
Leit Dinte un Siegel arbeiden daofüör.
He löschkede met wainig Sand dat Papier,
Siene Kundschopp saog he selten een tweddetmaol wier.
Up Trüe un Glauben gaff he de Paare bieneen,
Aowwer äs Mann un Frau dat bestimmde he nich alleen,
Daomet wiesede he nao de Diäkenie niäbbenan.
De Diäken, dat was een gnadderiggen Mann.

Ähr äs he sagg Ja un Amen,
Kaim noch dat leidige Bruutexamen.
Nieschierig was he jä nich,
He bohrden aower met Tantdoktors Geschick,
In de Bruutlüe iähre Verlobungstiedpolitik.
Dann knisterde dat Gebälk, et wiährlöchtede,
Potz, Blitz un Dunnerwiär,
So upgebracht was de geistlike Hiär.

Kin Wunner, den Rest gonk met Grummeln unner.
Un har dat Paar nich faorts dat naidige Geld,
Ik glaiw jä nich dat dat waohr is,
Aower et wuor so vertellt,
Dann moß de Kandidate, fröh orre late,
Den Aalkump uutföhrn an de Diäkenie,
Äs Stolagebühr un Buße für de Vüörarbeiterie.

Un sließlick wüören de beiden froh,
Dat se de Düör hadden ächter sik to.
Twee Hüüser wieder, met Schirm, Charme un Melone,
Een Zylinner gehöerden tom Hochtiedstone.
Jüst so äs een Braodenrock met Fläppsen,
Met Upgesett´ten un allerlei Schnäpsen.
De Angströhren hadden auk iähre Tücken,
Man konn de upklappen un wier daaldrücken.

Terro (Jürgensmeier) har dat flott in´n Griff,
Bie sien Bruutstaot was dat in allerbesten Schliff,
He drückden dat Undier sacht tieggen siene Weste,
Äs een Anisplätzken platt, dat genügt füört iärste,
Dann bockde dat Patent,
Terro kreegt nich wier up n End.
Egaol, doch midden in de hillige Zeremonie,
Sprung et von alleen up, dat swatte Rabenvieh.

Un rullde den amteerenden Diäken füör de Fööt,
De glumkede üöwer siene Brill, un gloww,
De Düwel har de Hand in t´Spiell.
De Bruutjungfern glapkeden all in de Kiärk,
Un auk de Mannslü lachden üöwer dat Wiärk.
Un Terro, in siene Wut un den Iärger,
Brochen em nao de Schuotsteenfiäger.
De häff em vandage noch.

Nich to vergiätten in düt Kapitel,
Is den Aptheker un siene Mittel. (Bresky)
Een Gruowen Kiärl von Snuut un Muul,
Aohne Konkurrenz, dat wuß he wull.
Faken vergatt he den akademischken Ton,
De höert aower daobie, bie de Konzession.
Nich selten kaim de Madam uut de Küerk niäbenan,
Aber Max - Met den wippenden Knieper up
De Niäse un een fröndlik Gesicht,
Schaffde se dat Apothekarischke Gliekgewicht.
Dat Private, dat weet ik nich.
Ümmerhen was dat aower auk guett to liärn,
Üm recht selten krank to wärden.

Met de Tied was de Büörgers den Marktplask to kahl,
Daorüm bewilligt den Stadtraot een Denkmal.
So´n Künstler, de liärwt von de Fantasie,
Un düssen, de har wull friee Hand daobie
He Meißelde met viell off wainig Geschick,
Aohne Fotomodell sien Mesterstück.
Un stellt et dann up dat Brunnenpostament.

Man keek sik an, man reef sik de Händ,
Een nüdlik Kiärlken,
Buoben un unnen appelbackig,
Aower, na ja, iäben nackig.

Der Marktplatz mit dem Brunnen und der bekrönenden Putte

Der Marktplatz mit dem Brunnen und der bekrönenden Putte

De Front was fröndlik, aower de Kehrsiet von de
Medaille, dao wast ne Kanaille.
He wuß nicks von Hiemden in siene Götterruh
Drüm wiest he alle Früemden, den nackden Podex zu.
Dat Piß-Männeken konn jä nicks daofüör,
Aower ständig so een Nackedei vüör de Düör.

Sogar de Honoraschens-Damen,
Gaffen em een recht profanen Namen,
Dat moß anners wärden.
Eenes gueden Dages kaimen vull Lüe tohaup
Bie Althoff-Fuisting was Reste-Uutverkaup.
We har den Infall, den Humor, een Kiärl off Wief
Dat Pißmänneken kreeg een Schüöttken üm t´Lief.
Un miähr, et har de Lacher up siene Siet.
Vergiätten was den Moralistenstriet.
Vergiätten, dat glöffs du.
Dao an de Eck, den Karl Trippelvöter
De har so´n naodriägsken Köter,
Alle Muorns, jüst up de Stund,
Dai he dat Pißmänneken siene Verachtung kund.
Gekonnt off nich, he büörde dat Ächterbeen,
Dann kaim de Sündfloot, he daiht nich alleeen
Water, Water.

Nu häff ik beschriewen de Marktplask-Runde
Un de guede aolle Tiet, de ächter us ligg, wiet, wiet.
Geschlechter sind kuemen un auk vergaohn,
De Erinnerunk aower, de bliff bestaohn.
Den Marktplask, de is noch dao,
De Hüüser sind nie,
Andere Sitten, andere Lüe.

Dat P.-Männeken is lange gesellschaftsfähig erklärt,
Een Teeken, dat Dülmen auk den Fortschritt iährt.
Bestännig is bliewwen de Nachtwächter,
Den gueden aollen Maon,
De lött sik nich kummedeeren - up- un unnergaohn.
He schinnt up Rom, de Stadt von Welt,
Aower iäben so fröndlik up Dülmen,
Dat Hiärtken von de Welt.

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