Dülmener Heimatblätter

Herausgeber: Heimatverein Dülmen e. V.

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<< Heft 1, 2001

Michael Hoffmann

Garnisonstadt Dülmen

Verbände und Einheiten in der St.-Barbara-Kaserne

In den Dülmener Heimatblättern 1968 wurde Dülmen aus drei Perspektiven der Neubürger geschildert, die in und um die St.-Barbara-Kaserne eine neue Heimat gefunden hatten. Der Kommandeur des Artillerieregiments 7, Oberst Bahr beschrieb die neue Garnisonstadt aus der Sicht des Standortältesten, seine Frau gab ihre Eindrücke stellvertretend für die Soldatenfrauen wider, während der Gefreite Schneider Dülmen aus dem Blickwinkel der Truppe darstellte.

Als das Artilleregiment 7 im vergangenen Jahr sein 40-jähriges und Panzerartilleriebataillon 205 sein 25-jähriges Bestehen feierte, war noch nicht bekannt, dass im Jahr 2001 das 35-jährige Standortjubiläums eher das traurige Ende der Garnison Dülmen markieren wird, denn bis zum Jahre 2006 soll der Standort aufgrund der Strukturreform geschlossen werden. Als der Beitrag im letzten Jahr als Fortschreibung der Artikel von 1968 geplant wurde, war es nicht abzusehen, dass die folgenden Ausführungen keinen Zwischenbericht, sondern quasi ein Resümee bilden würden.

Vorbemerkung der Redaktion

In Dülmen — seit 1966 Garnisonstadt — sind in der St.-Barbara-Kaserne Verbände und Einheiten der 7. Panzerdivision sowie die Standortverwaltung Dülmen stationiert.

Dies sind:

Zur medizinischen Versorgung der Soldaten befindet sich die Außenstelle Dülmen des Standortsanitätszentrums Münster in der Kaserne.

Zur Zeit sind ca. 1.740 Soldaten und ca. 150 Zivilbeschäftigte in der St.-Barbara-Kaserne untergebracht.

Stab und Stabsbatterie des Artillerieregiments 7

Der Stab und die Stabsbatterie des Regiments wurden am 1. Juli 1960 in Ahlen aufgestellt. Am 20. August 1966 wurden der Stab und die Stabsbatterie des Artillerieregiments 7 in die neu errichtete St.-Barbara-Kaserne in Dülmen als ihrem Endstandort verlegt. Das Artillerieregiment 7 gehört — wie die Panzerbrigade 21 in Augustdorf und die Panzergrenadierbrigade 19 in Ahlen — zur 7. Panzerdivision in Düsseldorf.

Blick in den Stabsgefechtstand

Blick in den Stabsgefechtstand

Der Stab ist das Führungsmittel des Regimentskommandeurs. Er sammelt Informationen und wertet sie aus, setzt Entscheidungen in Befehle um und unterstützt den Kommandeur bei der Ausbildung der Verbände und deren Führung im Gefecht.

Die Stabsbatterie unterstützt den Regimentskommandeur und den Stab in der Führung des Regiments, gewährleistet die Versorgung und stellt die technischen und materiellen Voraussetzungen zur Führung sicher.

Neben dem in der St.-Barbara-Kaserne stationierten Regimentsstab, der Stabsbatterie und dem Beobachtungspanzerartilleriebataillon 71 gehören zum Artillerieregiment 7 das in Wesel stationierte Raketenartilleriebataillon 150 und die in Coesfeld stationierte Drohnenbatterie 100.

Als Divisionsartillerieführer ist der Kommandeur des Artillerieregiments 7 auch für die artilleristische Führung der Artilleriebataillone der Brigaden zuständig. Dazu gehören das in Dülmen stationierte Panzerartilleriebataillon 205 und das in Augustdorf stationierte Panzerartilleriebataillon 215.

Die Stabsbatterie unterhält seit dem 25. Juni 1967 eine patenschaftliche Verbindung mit der Stadt Olfen. Die Patenschaft wird durch regelmäßige gemeinsame Veranstaltungen in Dülmen und Olfen sorgfältig gepflegt und mit Leben erfüllt.

Anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Patenschaft fand am 27. September 1992 in Olfen eine Jubiläumsveranstaltung statt.

Beobachtungspanzerartilleriebataillon 71

Das Beobachtungspanzerartilleriebataillon 71 ist das Rohrartilleriebataillon des Artillerieregiments 7. Seine Geschichte beginnt mit der Aufstellung der damaligen 4. Batterie am 1. Juli 1959 in Münster-Handorf. In Lippstadt (1962) wuchs das Bataillon durch Aufstellung weiterer Batterien auf und wurde am 22. August 1966 nach Dülmen in die St.-Barbara-Kaserne verlegt.

Das Bataillon besteht derzeit aus:

Die Stabs- und Versorgungsbatterie (1./-) stellt die Führung und Versorgung des Bataillons sicher. Sie richtet den Bataillonsgefechtsstand ein und stellt die notwendigen Fernmeldeverbindungen her. Sie versorgt das Bataillon mit Munition, Betriebsstoff und Verpflegung und nimmt die Aufgaben des Truppensanitätsdienstes sowie der Instandsetzung wahr.

Die Beobachtungsbatterie (2./-) verfügt als einzige Batterie mit dem Schallmesszug und den Artillerieradargruppen „GREEN ARCHER“ über Mittel zur Zielortung mit Schwerpunkt der Feindartillerie. Der Wetterzug verfügt über zwei Wettergruppen, die für die Artillerie der Division sowie weitere Nutzer die meteorologischen Daten bestimmen.

Die schießenden Batterien (3./- und 4./-) wie auch die 5./- verfügen nach Umrüstung im Jahr 2000 von der Panzerhaubitze M 109 A3 GE A1 auf die Panzerhaubitzen 2000, über je 6 Panzerhaubitzen, gegliedert in jeweils zwei Zügen.

Panzerhaubitze 2000

Panzerhaubitze 2000

Die 5. Batterie ist die Einsatz- und Ausbildungsbatterie des Bataillons. Diese Batterie ist in Gliederung und Materialausstattung identisch mit der 3. und 4. Batterie und führt seit dem 2. Januar 1997 die Grundausbildung für den Ausbildungsverbund Krisen-Reaktions-Kräfte des Artillerieregiments 7 durch. Diese umfasst auch die Sicherungs- und Wachausbildung sowie die grundlegende Ausbildung für UN-Einsätze. Die Gesamtdauer der Ausbildungsabschnitte für die Grundausbildung umfasst drei Monate.

Seit dem 2. Januar 2001 werden Frauen in der 5. Kompanie an der Waffe ausgebildet.

Seit dem 2. Januar 2001 werden Frauen in der 5. Kompanie an der Waffe ausgebildet.

In der nunmehr 35-jährigen Geschichte des Bataillons hat sich dieser im Münsterland fest verwurzelte Artillerieverband in Übungen, bei Katastropheneinsätzen, zuletzt beim Hochwassereinsatz in Frühjahr 1995 am Rhein sowie 1997 in Brandenburg an der Oder im Partnerbundesland des Landes Nordrhein-Westfalen mit insgesamt 100 Angehörigen des Bataillons und Beteiligungen an internationalen Einsätzen im Rahmen von UNOSOM (Somalia) sowie IFOR/SFOR/KFOR mit der Sicherungskompanie COMMZ WEST und mit der Artilleriebatterie-KFOR auf dem Balkan bewährt. Die Einbindung in die Krisen-Reaktions-Kräfte verleiht dem Dienst in diesem Verband besondere Akzente und bietet jungen leistungswilligen Männern und Frauen während ihrer Dienstzeit die Chance der Aus- und Weiterbildung, die den Start in eine zivilberufliche Zukunft erleichtert. Die Integration des Bataillons ins zivile Umfeld wird durch die langjährigen und gut gepflegten engen Patenschaften oder Partnerschaften zu Nachbarstädten und -gemeinden dokumentiert. Diese unterhält die 1. Batterie mit dem Dülmener Ortsteil Hausdülmen, die 2. Batterie mit der Gemeinde Senden, die 3. Batterie mit der Bürgerschützengilde in Westerholt und die 4. Batterie mit Haltern/Sythen.

Das Beobachtungspanzerartilleriebataillon 71 hat darüber hinaus als Verband seit dem 19. Januar 1993 eine Patenschaft mit dem 40e Regiment d’Artillerie in Suippes, einem seit über 100 Jahren bestehenden Verband der französischen Armee.

Panzerartilleriebataillon 205

Der 1. Oktober 1975 war der Geburtstag des Panzerartilleriebataillons 205. Es wurde im Zuge der Umgliederung des Heeres in die damalige Struktur 4 in der Dülmener St.-Barbara-Kaserne aufgestellt.

Das Panzerartilleriebataillon 205 war ein Verband der neu aufgestellten Panzerbrigade 20, die der 7. Panzerdivision unterstellt wurde. Heute ist das Bataillon der Panzergrenadierbrigade 19 in Ahlen unterstellt.

Das Bataillon besteht aus

Panzerhaubitze M 109

Panzerhaubitze M 109

In der Stabs- und Versorgungsbatterie sind alle Teileinheiten zusammengefasst, welche die Führung und die Versorgung des Verbandes sicherstellen. Dazu gehören die Zufuhr von Munition und Betriebsstoff, die sanitätsdienstliche Versorgung, die Zubereitung der Verpflegung sowie die Instandsetzung und Instandhaltung sämtlichen Gerätes. Teile der Stabs- und Versorgungsbatterie richten den Bataillonsgefechtsstand ein und sorgen für die notwendigen Fernmeldeverbindungen.

Die 24 Panzerhaubitzen M109 A3G Kaliber 155 mm sind auf drei gleich gegliederte Batterien aufgeteilt.

Das Panzerartilleriebataillon 205 mit seinen Batterien unterhält folgende langjährige und intensive Patenschaften: Das Panzerartilleriebataillon mit der 3. Batterie zum 1er Regiment d’Artillerie de Marine, das Unteroffizierskorps der 2. Batterie mit der Grubenwehr der Zeche Auguste Victoria und die 4. Batterie mit der Gemeinde Everswinkel.

2. Kompanie des Instandsetzungsbataillons 71

Die Geschichte der 2. Kompanie begann am 1. Juli 1960 mit der damaligen Aufstellung der Instandsetzungskompanie 7 in Hemer/Westfalen.

Reparatur eines Motors

Reparatur eines Motors

Am 1. Januar 1967 verlegte die Kompanie nach Dülmen. Es folgten Jahre mit Unterstellungswechsel und Umbenennung. Heute untersteht die Kompanie dem Instandsetzungsbataillon 71 in Augustdorf.

Die Kompanie hat den Auftrag, die Feldinstandsetzung an Wehrmaterial bis zur Materialerhaltungsstufe 3 durchzuführen. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf der Unterstützung der Artillerieverbände der 7. Panzerdivision durch Instandsetzung von Artilleriewaffensystemen sowie der zugehörigen Rad- und Kettenfahrzeuge. Zusätzlich werden im Rahmen des regionalen Unterstützungskonzeptes Einheiten und Verbände von Augustdorf bis Dülmen, Essen, Düsseldorf, Hilden und Köln durch Instandsetzung von Fahrzeugen, Waffen und ABC-Gerät unterstützt.

6. Kompanie des Instandsetzungsbataillons 7

Aufgestellt wurde die Kompanie im Jahre 1962 in Hemer als Instandsetzungsausbildungskompanie 13/7 für die Ausbildung von Soldaten der Instandsetzungstruppe in verschiedenen Spezialverwendungen. Ende 1966 verlegte sie nach Dülmen. Seit dem 1. April 2000 untersteht die Kompanie dem Instandsetzungsbataillon 7 in Unna.

Derzeit führt die Kompanie die allgemeine Grundausbildung mit zwei Ausbildungszügen mit bis zu 100 Rekruten innerhalb von zwei Monaten durch. Des weiteren bildet die Kompanie zwölfmal im Jahr bis zu 50 Soldaten in der Dienstpostenausbildung am Lkw 2 t Unimog, an der Panzerhaubitze M 109, an Stromerzeugeraggregaten und an hydraulischen Systemen aus.

5. Kompanie des gemischten Lazarettregiments 11

Die 5. Kompanie des gemischten Lazarettregiments 11 wurde als Sanitätskompanie 101 am 1. April 1959 in Bad Zwischenahn aufgestellt. Über Quakenbrück (ab 1969) wurde die Kompanie am 25. August 1993 nach Dülmen verlegt.

Unter Führung des neu aufgestellten gemischten Lazarettregiments 11 hat die Kompanie, gegliedert in 36 Teileinheiten, folgende Aufträge zu erfüllen:

Als Spezialkompanie des Heeressanitätsdienstes ist die 5. Kompanie des gemischten Lazarettregiments 11 mit ihrer geplanten Friedensstärke von 135 Soldaten für zukünftige Einsatzoptionen im erweitertem Aufgabenspektrum der Bundeswehr als Logistikkomponente vorgesehen.

Standortverwaltung Dülmen

Die Standortverwaltung Dülmen wurde als Ortsbehörde der zivilen territorialen Wehrverwaltung im Jahr 1966 für den Kreis Coesfeld eingerichtet. Sie ist als Dienstleistungszentrum für die Betreuung und Versorgung von zur Zeit ca. 4.500 Soldaten und teilweise auch deren Angehörigen zuständig. Dabei umfasst die Betreuung und Versorgung die Bereitstellung von privatem Wohnraum, Kasernenunterkünften, Sportstätten, Verpflegung, Bekleidung bis hin zur Beratung in sozialen Angelegenheiten. Zur Erfüllung dieser vielfältigen Aufgaben schließt die Standortverwaltung mit den ortsansässigen Firmen und Unternehmen Verträge, verhandelt mit den zuständigen Kommunen, Behörden und Institutionen der Region.

Der Zuständigkeitsbereich der Standortverwaltung Dülmen umfasst die Kreise Borken, Recklinghausen, Coesfeld und die kreisfreien Städte Bottrop und Gelsenkirchen.

Als personalbearbeitende Dienststelle betreut die Standortverwaltung ca. 983 zivile Mitarbeiter, die sowohl bei militärischen als auch zivilen Dienststellen eingesetzt werden. Es werden zur Zeit 4 Kasernen, 6 Depots sowie ein Kreiswehrersatzamt als Großliegenschaften neben weiteren kleineren Liegenschaften mit einer Gesamtfläche von ca. 1.100 ha unterhalten. Im Rahmen der Aufgabenstellung werden — zusätzlich zu den Lohnkosten für ca. 5.400 Bundeswehrangehörige — Finanzmittel in Höhe von ca. 35 Millionen DM jährlich für bauliche Maßnahmen, Beschaffungswesen und im Rahmen von Verträgen ausgegeben. Für den Wirtschaftskreislauf des westlichen Münsterlandes stellt die Standortverwaltung Dülmen somit einen verlässlichen Partner dar, der neben den unbestreitbaren finanziellen Aspekten durch die Bereitstellung von Arbeits- und Ausbildungsplätzen seinen festen und unverzichtbaren Platz in der sozialen Gemeinschaft der Bürger und deren Gemeinden einnimmt.

Seit dem 01. Oktober 1997 ist die Standortverwaltung in ihr neues Verwaltungsgebäude in der St.-Barbara-Kaserne umgezogen.

Militärseelsorge

Ob in der Kaserne, auf dem Truppenübungsplatz, bei Hilfseinsätzen oder auch bei UN-Einsätzen — wie in Somalia, Kambodscha oder im ehemaligen Jugoslawien — die Militärseelsorger sind dabei. Die Bundeswehr hat der Seelsorge das Kasernentor geöffnet. Die Militärseelsorger betreuen Soldaten an ihrem Arbeitsplatz. Sie stehen den Soldaten zum seelsorgerlichen Gespräch zur Verfügung, erteilen lebenskundlichen Unterricht, halten Arbeitsgemeinschaften für Offiziere und Unteroffiziere und feiern Gottesdienste.

Alle Christen sind gehalten, am Frieden zwischen den Völkern und Staaten mitzuwirken. Die Kirchen sehen im Dienst des Soldaten einen Beitrag zum Frieden, wenn es durch ihn gelingt, Krieg zu verhindern oder schnell zu beenden. So soll der politische Prozess auf einen weltumfassenden Frieden vor Rückschlägen abgesichert werden.

Mehr als militärisches Können und fachliches Wissen bestimmen den Wert des Soldaten, sein Gewissen, sein Charakter, seine Verantwortung für sein Leben in Beruf und Gesellschaft, in Familie und Freizeit, vor Gott und den Menschen.

Die rechtliche Basis der Militärseelsorge ist das grundsätzlich verankerte Recht jedes Menschen auf ungestörte Religionsausübung. Auch der Soldat hat einen Anspruch auf freie Ausübung seiner Religion. Sein Dienst lässt die Beteiligung am religiösen Leben der Ortsgemeinden nicht immer zu. Daher bietet der Staat den Kirchen die Möglichkeit, Pfarrer zu den Soldaten in die Kaserne zu schicken.

Militärpfarrer stehen in keinem militärischen Vorgesetzten- oder Untergebenenverhältnis. Sie haben keinen militärischen Rang und tragen keine Uniform. In ihrem geistlichen Auftrag sind sie von staatlichen Weisungen unabhängig. Sie sind an die kirchlichen Weisungen ihres Militärbischofs gebunden.

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