Dülmener Heimatblätter

Herausgeber: Heimatverein Dülmen e. V.

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<< Heft 1, 2001

Erik Potthoff

Kantinengeld oder Wertmarke für Betriebsfeste?

Die Redaktion der Dülmener Heimatblätter wurde kürzlich auf eine Aluminiummarke (Münze) aufmerksam, deren Existenz bisher nicht bekannt war. Mit einem Gewicht von 2 Gramm, einem Durchmesser von 25,5 Millimetern einer Stärke von 1,5 Millimetern und der Prägeoptik gleicht die Marke dem Dülmener Kriegsgefangenenlagergeld aus den Jahren 1914 bis 1918. Auf der Vorderseite trägt die Münzen innerhalb eines gepunkteten Kreises den Firmennamen PHOENIX und den Ortsnamen DÜLMEN. Die Rückseite ist mit der Wertangabe 10 geprägt.

Viel findet man in den zur Verfügung stehenden Dülmener Quellen nicht über die Firma, die die Prägung der Marke oder Münze in Auftrag gegeben hat. Die Phoenix Handelsgesellschaft m. b. H. Dülmen wurde in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts gegründet und war später eine hundertprozentige Tochter der Grubenholzhandlung Friedrich Anton Schlieker, die 1862 in das neu geschaffene Gewerberegister eingetragen wurde. Das Sägewerk der Firma Schlieker befand sich an der Halterner Strasse zwischen „Hüttenweg“ und der Strasse „An der Eisenhütte“. Die Phoenix Handelsgesellschaft handelte mit Grubenschnittholz und belieferte die Zechen im nahgelegenen Ruhrgebiet. Aus den verschiedensten deutschen Waldgebieten wurden die Bäume ausgesucht und bereits fertig zugeschnitten an die Bergwerke geliefert. Das Verwaltungsgebäude beider Firmen stand bis 1984 an der Strasse „Alter Gartenweg“. Die Standortverwaltung konnte zu Beginn der Garnisonszeit in Dülmen am 2. Mai 1966 in diesem Gebäude die Arbeit aufnehmen. Auch das Arbeitsamt hatte zeitweilig sein Domizil in dem Bürohaus gefunden. Geht man der Frage nach, warum die Marke ausgegeben wurde bleiben nur wenige Möglichkeiten. Zum einen könnte es sich bei diesem Fundstück um eine Geldmünze aus einer firmeneigenen Kantine handeln. Dies traf jedoch nur für größere Unternehmen und Fabriken zu. Eine weitere Möglichkeit könnte die Verwendung als Wertmarke bei Betriebsfesten darstellen. Dieses müsste allerdings zu eine Zeit gewesen sein, als der Wertstoff Aluminium gebräuchlicher war als der heutige Kunststoff oder eine Getränkemarke aus Papier. Auf der Pfingstwoche in Coesfeld gibt es heute noch Plastikchips als Bargeldersatz. Auch die Währung des Dülmener Fohmarkts bestand zumindest früher aus gelben und blauen Kunststoffmarken. Als reines Erinnerungsstück wäre die optische Aufmachung zu schlicht und müsste somit als weitere Verwendungsmöglichkeit ausscheiden. Bliebe noch der letzte Prägegrund — die Münze sollte als Kleingeldersatz der Inflationsjahre dienen, als Kupferersatz sozusagen. Auch dieses ist nicht sehr wahrscheinlich, denn dann müsste in den Chroniken etwas darüber zu finden sein. Zumindest ist die Existenz dieser bisher unbekannten Marke, selbst wenn es nur eine Wertmarke war, vor dem Hintergrund, dass sie überhaupt erhalten blieb, bemerkenswert.

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