Dülmener Heimatblätter

Herausgeber: Heimatverein Dülmen e. V.

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<< Heft 1, 2002

Ortwin Bickhove-Swiderski

Münzmeister Elias Kemnitz und seine Beziehungen zu Dülmen

Im Münsterland wurden in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts bedingt durch die wirtschaftlichen Notwendigkeiten kleine Münzsorten geprägt. So in Münster nach 1560, Warendorf 1574, Coesfeld 1578, Ahlen 1548, Dülmen 1590, Haltern 1593, Beckum 1595, Rheine und Werne je 1602 und Bocholt 1616. Zwar hatten die Landesherren die Hoheitsrechte und damit auch die Rechte der Münzprägung, ausgeübt wurden sie aber von Münzmeistern, die die technischen Leiter einer Münzstätte waren.

Namen von Münzmeistern bzw. Münzbeamten kommen bereits auf griechischen Münzen des 6. Jahrhunderts vor unserer Zeitrechnung vor. Im alten Rom war für die Münzprägungen ein Kollegium von drei Beamten verantwortlich, die jährlich ernannt wurden.

Die Münzmeister wurden entweder von den Münzherren besoldet oder unterhielten allein und auf eigene Rechnung einen Münzbetrieb. In Dülmen lebte und arbeitete der Münzmeister Elias Kemnitz.

Kemnitz, aus Annaberg in Sachsen gebürtig und 1608 in Osnabrück tätig, bewarb sich 1608 beim Domkapitel in Münster um die Stelle des Münzmeisters. Entsprechend der Zeitgewohnheit wird der Name nach dem Gehör unterschiedlich geschrieben. Es gibt ihn in den Schreibweisen „Kemnitz“, „Kemfzer“, „Kemmer“ und „Kemser“.

Die Stadt Osnabrück setzte sich mit dem Münzmeister Elias Kemfzer aus Annaberg in Sachsen in Verbindung. Kemfzer wurde beauftragt in Nürnberg für 100 Gulden ein Schraub- und Zugwerk anfertigen zu lassen, um die zeitraubende und teure Hammerprägung durch Maschinenarbeit ersetzen zu lassen.

Kemfzer reiste persönlich nach Nürnberg. Er hoffte, damit schon in zwei Monaten über die Prägemaschine verfügen zu können. Erst Anfang 1607 wurde Kemfzer in Osnabrück als Münzmeister vereidigt. Die von ihm erstellten Münzen tragen aber einen Stempel mit der Jahreszahl 1606, weshalb die Stempel schon 1606 angefertigt worden sein müssen. Im Dezember 1607 hatte Elias Kemfzer die Prägung der Osnabrücker Münzen abgeschlossen und wurde mit seinen Gesellen entlassen. Auf den Osnabrücker domkapitularischen Kupfermünzen des Jahres 1606 ist eine Ligatur von zwei Buchstaben E K erwähnt.

Es sind die zusammengezogenen Buchstaben des Vor- und Zunamens unseres Münzmeisters Elias Kemfzer. Damit hat sich der Münzmeister erstmals auf seinen Produkten zu erkennen gegeben. 1608 wurde Kemnitz beim Domkapitel in Münster tätig. Das Domkapitel ließ die Münzen 1608 in der domkapitularischen Burg in Schöneflieth bei Greven nicht weit von Münster prägen. Er musste auch gleich in Lüdinghausen eine Münzprägung des bisherigen und inzwischen verstorbenen Münzmeisters Hans van Beveren beenden.

Darstellung einer Münzwerkstatt aus dem 16. Jahrhundert.
Darstellung einer Münzwerkstatt aus dem 16. Jahrhundert. Der Münzmeister im Vordergrund prägt die vor ihm liegenden Schrötlinge (Münzrohlinge), während im Hintergrund die Gesellen das Metall, das sie zuvor in der Esse u.a. aus Altmünzen eingeschmolzen haben, zu dünnen Blechen treiben. Bis in das 16. Jahrhundert war die abgebildete Hammerprägung die übliche Technik, bei der der Unterstempel in einem Amboß versenkt ist. Auf den Unterstempel legt der Münzer den Schrötling und setzt den beweglichen Oberstempel an. Mittels eines Hammerschlags erfolgt die gleichzeitige Prägung der Vorder- und Rückseite.

Der Richter Johann Hülshorst zu Lüdinghausen wird am 20. Februar 1608 vom Domdechanten angewiesen, ein Gemach einzuräumen und für Beköstigung zu sorgen. Laut einem Vermerk in der Dombursarenrechnung hat Kemfzer am 25. April 1608 die Kupfermünzen in Münster abgeliefert. In der Kapitelsitzung am 21. April 1608 wurde ein umfangreicher Vertrag mit Kemfzer genehmigt und geschlossen. In dem Vertrag wurde geregelt, dass Kemfzer die Münzen vor der Prägung vorzulegen hatte. Die Stempel sollten klar und deutlich sein. Kemfzer ging jetzt nach Schöneflieth unweit von Greven. Er nahm hier auch seinen Wohnsitz. 1609 finden wir ihn unter den Dienern der Burg Schöneflieth in einem Jagdstreit mit Bürgern der Stadt Münster.

Anfang des 17. Jahrhunderts in der Kipper und Wipperzeit, als die Münzherren gute, dem Nennwert entsprechende Münzen einschmelzen ließen und durch minderwertige Prägungen des gleichen Nennwerts ersetzten, gelangten technische Innovationen zum Durchbruch.
Anfang des 17. Jahrhunderts in der Kipper und Wipperzeit, als die Münzherren gute, dem Nennwert entsprechende Münzen einschmelzen ließen und durch minderwertige Prägungen des gleichen Nennwerts ersetzten, gelangten technische Innovationen zum Durchbruch.
Unter den Bestandteilen des von Kemnitz aus Osnabrück geholten Münzwerks befand sich ein "Druckwerk" mit dessen Hilfe das Kupfer in eine gleichmäßigere Stärke gebracht werden konnte, als dies durch das Austreiben mit dem Hammer möglich war.
Die Stempel befestigte man in einer ähnlichen, walzenförmigen Apparatur, in der die Prägung statt Hammerschlag durch eine rationellere Prägung aufgrund von mechanisch erzeugtem Druck erfolgte, wodurch der Ausstoß erheblich höher war.

Kemnitz hat am 22. November 1611 mit seiner Frau Katharina Stegemanns aus Holthausen bei Laer im Kreis Steinfurt und einem Kind namens Lucas Kemnitzer die Bürgerschaft der Stadt Dülmen erworben. Er wohnte in Dülmen und prägte Münzen für das Domkapitel zu Münster und für die Stadt Coesfeld Kupfermünzen.

Der Münzmeister Elias Kemnitz wird am 10. Februar 1614 nach Osnabrück geschickt, um sein Schraubwerk/Münzwerk abzuholen. Am 20. Februar 1614 kommt er wieder in Dülmen an. Am 24. Februar begibt er sich erneut auf eine Reise nach Limburg, um für die Umschmelzung Kupfer zu besorgen. Das alte ungültige Kupfergeld muss eine gewaltige Menge gewesen sein: Der Kupferschmied Dirk Kaper in Lethmathe bescheinigt am 11. März 1614 für 12 Zentner und 37 Pfund umgeschmolzenes Kupfer erhalten zu haben. Die Reise dauerte 21 Tage und endete am 15. März. Am 11. März musste er sich schon wieder in Münster melden und reiste von dort nach Schöneflieth weiter. In den Jahren 1614 bis 1619 prägte Kemnitzer Münzen, wodurch häufigere Reisen nach Münster bedingt waren. Am 19. November 1619 lieferte er das Münzwerk in Osnabrück wieder ab. Der Münzmeister Elias Kemnitz, so nannte sich Kemfzer jetzt, wohnte immer noch in Dülmen, und auf Veranlassung des Domkapitels zu Münster reiste er vom 22. bis 24. März 1633 gemeinsam mit dem münsterischen Goldschmied Hermann Potthoff nach Warendorf.

Die Warendorfer gaben ihr Schraubwerk/Münzwerk aber nicht her. Vermutlich hat Kemnitz in Erwartung eines großen Auftrages sich nunmehr selbst ein eigenes Münzwerk beschafft. In den folgenden Monaten wird dieses Münzwerk unter dem Schutz von 60 Soldaten von Dülmen nach Münster verlegt. Kemnitz wird wohl bei dieser Gelegenheit seinen Wohnsitz von Dülmen nach Münster verlegt haben, wir hören nichts mehr von Reisen nach Dülmen oder umgekehrt.

Oberstempel der Dülmener Kupfermünzemission des Jahres 1625 mit dem Kleeblattkreuz als Stadtwappen und der Umschrift: STADT DVLMAN 1625
Oberstempel der Dülmener Kupfermünzemission des Jahres 1625 mit dem Kleeblattkreuz als Stadtwappen und der Umschrift: STADT DVLMAN 1625

Unterstempel der Dülmener Kupfermünzemission des Jahres 1625 mit dem Nennwert von einem Pfennig
Unterstempel der Dülmener Kupfermünzemission des Jahres 1625 mit dem Nennwert von einem Pfennig

Die Stadt Dülmen hatte schon 1590, ohne dazu besonders befugt zu sein, das Recht für sich in Anspruch genommen, ebenfalls Kupfergeld prägen zu lassen. Der Goldschmiedemeister Johannes Brauns und der Zinngießer Matthiessen zum Broiche waren von ihr beauftragt worden, die Herstellung und Prägung im Haus des Ratsschöffen Niclaess Bernhweldt zu betreiben. Die unter Aufsicht erstellten Münzen tragen sämtlich die Jahreszahl 1590. Im einzelnen wurde wie folgt geprägt: Im Jahre 1590 Münzen zu I, II, III, IV und VI Pfennig — 1609 Münzen zu I, II, III und VI Pfennig — 1622 Münzen zu VI Pfennig — 1625 Münzen zu I und III Pfennig. Die Ein-Pfennig-Münzen gibt es auch ohne Jahreszahl. Alle Dülmener Kupfermünzen tragen auf der Vorderseite außer der Umschrift „Stadt Dulman“ und der Jahreszahl das Kleeblattkreuz im Wappenschild. Auf dem Revers (Rückseite) ist der Nennwert in römischen Zahlen angegeben.

Ebenso sind einseitig geprägte Kupfermarken bekannt, die in der Fläche ein Kreuz in einer karauschenartigen Verzierung, über demselben ein großes Loch und unter diesem XX III und I. I: I: I: Die Bedeutung ist bis heute nicht ermittelt.

1695 wurde der Stadt Dülmen die Münzprägung durch ein bischöfliches Edikt untersagt.

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