Dülmener Heimatblätter

Herausgeber: Heimatverein Dülmen e. V.

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<< Heft 1, 2003

Günter W. Peters

Üöwer de Kodden un dat Slachden

In de aolle Stadt Dülmen wassen up de Ringe un auk in de kleinen Sträötkes in fast alle Hüüser ächten off in den Hoffruum noch een Koddenstall. De miärsten Familligen fohrden üöwer dat Jaohr wainigstens een, jä, manksten auk wull twee off sogar drai Kodden fett, de jä dann in de Wintertied — wenn et richtig kaolt was — up de Straot off auk in den Hoffruum slachted wüören. Dat was dann jüst de Tied, wao man von’t „Pänneken fett“ küerden, denn üöwer dat ganze Jaohr kaim fröeher jä män blos an de haugen Fierdage Fleeschk up den Disk, offschonst et daomols all ennige Metzgerien in de Stadt gaff, un wenn dao äs an’n Sunndagg eene kräftige Rindfleschksupp up den Disk kuemen söll, dann wuor daotto von de Metzger’n Stück hauge Rippe un’n paar Markbutten kofft. Denn fienen Upschnitt äs Vandage, de gaff et aower noch nich, un den Metzgerupschnitt de wuor jä höchst selten kofft.

Up den Overbergplask, wuor fröher den Veehmarkt affhaollen, un dao wuorden dann de kleinen Kodden äs Säßwiärkenferkel kofft un met den Bollerwagen nao Huus föehrt. Manksten sind de kleinen Kodden aower auk von’n bekannten Buer liewwert wuorden, de dann faken auk dat naidige Strauh metbroch. Jau, un wenn dann de Kodden in den Stall wüören, dann fong de rechte Arbeid an. Dat Foer moß heranschafft werden. In de Gäörden wuorden daoto Runkel un Konfrei anbaut, ut de Bullenwiesken sind Disteln socht wuorden un alls wat in de Küeke üöwerbleef, so äs de Katuffelschellen un anneren Affgefall von dat Gemöse. Alles dat is dann in den „Koddenpott“ stuorkt wuorden un is dann in eene Müehl, de met de Hand draiht werden moß, richtig düörquett’t wuorden. Jau, un dat kreegen de Kodden dann in iähren Trog kippt. Manksten wuor dao denn auk noch Kliee un Brockmanns-Futter-Kalk düörmischket, wenn de Kodden nich recht friätten wullen. Un Friätten mossen de jä ümmer, daomet auk genoog Speck dran kaim, denn dat Fett, was dao jä dat wichtigste un nich so äs vandage dat Fleeschk. Bie de hatte, körperlicke schwaore Arbeit, de jä fröeher in fast alle Berufe wüör, is dat Fett ja auk verbrannt wuorden. Dat fong jä me’t Fröehstück all an, dao gaff dat für den Papa een ördentlicken Pott met Pruuks, wao aower auk noch een Liäppel vull Schmaolt inkaim. Auk up dat Braut wuor düftig Schmaolt schmeert. Denn Magarine off sogar guedde Buotter, de satt jä garnich dran. Jau, un äs Belag kaim dann noch düörwassenen — off auk geraikerten fetten Spack drup. Daorüm wassen de Kodden jä auk de Besten, de den dicksten Speck hadden, un de wuor dann düör Raikern haltbar maakt, un kamm dann, jüst äs den Schinken an den Wiem to hangen. Üm Ostern herüm is dann den iärsten Schinken anschniedden wuorden un dat was dann ümmer auk een richtigen Fierdagg.

Wenn de Kodden dann richtig Fett wassen, un dat wüör dann in de kaolle Jaohrestied, dann is den Huusslachter bestellt wuorden. Dat wassn tomiärst kinne gelernten Metzgers, nee, faken wüören dat de Müerlüde, de in de Wintertied kinne Arbeid hadden. „Stempelgeld“ un „Schlechtwettergeld“ gaff et daomols noch nich.

Bevüör dat aower so wiet was, is von de Fraulü dat ganze Wiärks wat bruukt wuor, rein maakt wuorden. Alle de Pötte, Schütteln, Emmers un auk de Ledder, sind dann richtig schruppt wuorden. Wichtig was aower auk dat genoog heet Water dao was. Daofüör wuor dann denn Waschkpott anstuorkt, de vüörher bäs buoben met Water füllt was. Jau, wenn dann alles sowiet in Order was, dann konn den Schlachter kuemmen. Dat was gewüenlick so üm 5 Uhr, in de fröehen Muornstunden, dao kaim de met’n Fahrrad un Anhänger an, wao he den Koddentrogg drup transporteerden.

Buten wassen de Lampen anstuorken wuorden, wildat et jä noch düster was. De Papa, den grauten Broer un auk de Naobers stonnen praot. Dann gonk man in den Koddenstall, dao is dat Swien dann an’n Ächterbeen anbunden un ut den Stall bracht wuorden. Dann wuor dat Dier düör eenen Schlagg füör den Kopp betäubt, sodat et ümfoll. Dann wuor’t met’n Stich in den Hals affstuorken. Fröher sind de Kodden aower wull faken von de Metzger eenfach aohne Betäubung affstuorken wuorden. In de Dülmske Tiedung von 6. November 1928 stonn daoto denn folgenden Bericht, de ick so affschriewwen haff:

Bekanntmachung!

Bei der nun wiedereinsetzenden Schlachtzeit läßt sich das oft weithin hörbare, markerschütternde Schreien der Schweine erkennen, daß beim Schlachten die vorgeschriebene Betäubung der Tiere mittels des Stimschlages garnicht oder nicht Ordnungsgemäß ausgeführt wird, daß sie vielmehr in empörender, quälerischer Weise einfach abgestochen werden. Allen Viehbesitzern und Schlächtern, wird deshab die gesetzliche Vorschrift, die zur Betäubung der Schlachttiere erneut mit dem Bemerken in Erinnerung gebracht, daß beide Teile bei Zuwiderhandlungen mit Geld oder Haft bestraft werden. Die Polizeibeamten werden entsprechende Kontrollen ausüben. Sie sind gehalten jede Zuwiderhandlung zur Anzeige zu bringen.

Dülmen, den 2. November 1928

Die Polizeiverwaltung der Stadt Dülmen
Dr. Sicking

Ennige Jaohre daonoh brukden de Metzger auk den Koppschlagg nich miähr maken, denn dao kaimen de Boltenschußgeräte up, de jä met eene Patrone laden wuorden.

Dat Affstiärken met een scharpet Messer bleew aower, un daoto is dann’in eene Schüettel dat Bloot upfangen wuorden, wat dann in eenen Emmer kippt un dann rüöhrt werden moß, daomet et nich gerinnen konn. Dat Bloot moß jä bie de Wuorsterie auk bruukt werden, un dat nich blos füör de Blootwuorst.

Wenn de Kodde dann uutblott was, konn man sick een schönet kaollet Schnäpsken genehmigen. Dann wuor dat Swien in den Trog leggt un met heetet Water beguotten, dat droff aower kin kuorkend Water sien. Dann konn de Metzger met dat „Schrapphäömken“ de Borsten affschrappen. Wat dann noch sitten bleefm is met’n Strauhwisk affflämmt wuorden, un wenn et dann ganz blank wüör, dann fong de schwaore Arbeid an: Dat Dier moß up de Ledder leggt un met een Krummholt an de Ächterbeene an de Ledder fastmakt un dann an de Müer anliennt werden. Wenn dat Dier dann an de Ledder hong, konn de Metzger ’et met dat scharpe Messer losschnieden un dat Gedärme met den Magen un de annern Innerien harutniemmen, de dann in Emmers un Beckens lagert wuorden. Met’n Biel wuor dann de Kodde düörschlaohn un uuteenen klappt, daornet se in de kaolle Winterluft affköehlen konn. De Därme sind dann sauber rnakt, wendet un richtig schrappt wuorden, wildat de ja läter met Mett füllt werden söllen. Dat was dann de Mettwuorst in’n Naturdarm.

Hausschlachtung
Hausschlachtung
Das ausgeblutete Schwein wird mit heißem Wasser übergossen, danach schabt der Schlachter die weichen Borsten ab.

Nao dat affköehlen sneet den Metzger dann dat Fleschk in Potzjoonen torecht. So wuor den Schinken, de Sieten Speck, de Rippkes un anneret torecht schnieden un kaim dann füör 14 Dage off drai Wiärk in dat Piekelfatt to liggen un wuor daono to’t raikern feddig makt. De Kottelettstücke un dat Fleschk wat inkuorkt off verwuorstet werden söll, wuor dann uteneenleggt. De gueden Stücke kaimen in de Weckgliäser un wuorden dann läter inkuorkt, de bie Bedarf dann füör den Gebruk losmakt wuorden. Dat was jä daomols auk de enzigste Müeglichkett, üm Fleschk un Gemöse haltbar to maken, denn Köehlschränke un -truhen de gaff et dao jä noch nich. Dao bleew män blos dat Raikern un Inkuorken üöwer.

Dann fong aower de Wuorsterie an, wao auk ennige Naobers un manksten auk wull eene Wuorstfrau methaolpen. Dat Fleschk wett kleinschnieden un kaim dann in de Wuorstmaschin, de jä auk von Hand draiht werden moß. Dat Gehackte wuor dann in graute Schüetteln daohn, wao dann de verscheidenen Gewürze inrüehrt un dann affschmeckt wuorden. An Gewürze sind mi noch bekannt: Majoran, Thymian, Piment, Muskatblüte, Muskat, Lorbeerblätter un Solt un Pepper. Wann dann den richtigen Geschmack dran was, wuor de Mischung in de Wuorstmaschin giewen, de dann vüörne eene Tülle har, wao de gereinigden Därme upkaimen. Düör dat draihen wuor dann de Wuorstmasse in de Därme herinpreßt. Füör de Wuorst mossen aower auk noch ennige Papierdärme kofft werden, denn et gaff jä nich blos Mettwuorst, de ja in den Naturdarm kaim. De anneren Sorten wassen jüst so guett äs Blootwuorst, Liäwer- un Tungenwuorst, Schwartemagen, Sülze, Wuorstebraut un de bekannte Büelwuorst. Daoto sind jä Büels ut Linnen bieneennaiht un utkuorkt wuorden, wuo dann de Wuorstmasse inkaim. Düsse un auk de anneren Wüörste sind dann met Wuorstdörn tomakt un dann allbieneen in’n grauten Kieddel kuorkt wuorden. Mankst gonk daobie auk wull ’ne Wuorst kapott un dat was dann guett füör dat Wuorstdünn, wat jä de Grundlage füör den Panhas wüör.

Auk den Swienekopp wuor jä noch verwertet. Besonners guet smok den halwen Kopp, dat wassen de Swienebacken, de met Siepeln beleggt un dann richtig düörtrecken moß. In de Sülze kammen de Klöenkes, de Ohren un den Koddenstiärt.

Wichtig was jä den ganzen Speck un de Flomen, de ja alle to Schmaolt verarbeit’t wuorden. Nao dat utlaoten von den fetten Speck bleewen dann de Schriewen üöwer, de auk up ’ne Schniedde Braut guett schmoken. An den Slachddaggaoben gaff et dann dat bekannte „Pännekenfett“. De gueden Naobers kaimen un haollen sick’n Potthast aff, an den annern Muorn kaimen dann de Naoberskinner, de dann alle een „Pummelwüörstken“ kreegen, dat was’en kleinet Liäwerwüörstken, de jüst äs den Potthast to Tradition gehöerden.

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