Dülmener Heimatblätter

Herausgeber: Heimatverein Dülmen e. V.

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<< Heft 1, 2004

Ludger Hillermann

Baar half Dülmen

Das Kirchenfenster im Turm der St.-Viktor-Kirche in Dülmen erzählt ein Stück Nachkriegsgeschichte. Im unteren Teil links sieht man das Dülmener Wappen und rechts das Schweizer Wappen. Über dem Dülmener Wappen ist die brennende St.-Viktor-Kirche zu erkennen, in der Mitte der Heilige Martin und rechts die Martin-Kirche in Baar.

Im Oktober 2003 besuchte ich während einer Schweizreise die Pfarrgemeinde St. Martin in Baar. Der Pfarrsekretär erklärte fast verlegen, dass er schon zehn Jahre in der Pfarre arbeite, aber von Dülmen habe er noch nie etwas gehört. Er gab mir die Anschrift vom ehemaligen Gemeindeschreiber Josef Wyss-Zehnder. Wieder in Dülmen angelangt, schrieb ich an den ehemaligen Gemeindeschreiber.

Seine Antwort kann umgehend:

Wie unser Pfarrsekretär Karl Christen konnte auch ich bisher nichts mit der Aktion Dülmen anfangen. Ich bin eben „erst“ seit 1960 in Baar, wo ich bis 1990 als Gemeindeschreiber (= Chef der Verwaltung) wirkte. Auch Pfarrer Fridolin Roos ist mir noch in bester Erinnerung. Er ist vor ca. 20 Jahren gestorben.

Mein grosses Hobby ist die Baarer Lokalgeschichte. So habe ich alles gesammelt und in der ortskundlichen Sammlung abgelegt, was in den letzten Jahrzehnten erschienen ist. Von der Aktion Dülmen habe ich nichts gewusst. Darüber ist auch in den vielen gedruckten Werken nichts geschrieben. Das Baarer Heimatbuch erscheint erst seit 1952. So habe ich länger in der Sammlung der Baarer Lokalzeitung „Zugerbieter“ geblättert und dabei den beiliegenden Artikel gefunden.

Der Inhalt dieses Artikels im „Zugerbieter“ vom 9. März 1948 ist ein Dankesbrief von Irmgard Fischer geborene Kalwey für die vielen Liebesgaben aus Baar. Ausgangspunkt dieser Hilfsaktion waren einige Klassen der Overbergschule. Der Religionslehrer Kaplan Heinrich Klopries erinnerte sich an seinen Studienfreund Pfarrhelfer Boob aus der Schweiz, zu dem er brieflichen Kontakt aufnahm. Lehrerin Bröser und Lehrer Winkler unterstützten mit ihren Klassen sein Anliegen. Auch nachdem Kaplan Heinrich Klopries nach Appelhülsen versetzt worden war, riss das einmal geknüpfte Band nicht mehr ab. Aus zaghaften ersten Briefwechseln wurde eine Brücke praktischer Nächstenliebe, bei der viele persönliche Freundschaften entstanden.

Als Pfarrer Fridolin Roos aus Baar über 20 Jahre später Dülmen besuchte, berichtete die „Dülmener Zeitung“ am 9. Mai 1970 darüber:

Unter der Devise „Baar hilft Dülmen“ sammelten die Baarer mehrere Waggons Lebensmittel und Kleidungsstücke für Dülmen. In 2 Jahren nacheinander luden sie je 30 Kinder für 3 Monate zur Erholung ein. Beim Wiederaufbau der Viktorkirche stiftete die Pfarre St. Martin das Fenster im Turm unserer Kirche. Anläßlich einer Deutschlandreise besuchte jetzt der frühere Pfarrer von Baar für einen Tag Dülmen, um unsere Stadt und vor allen Dingen St. Viktor kennenzulernen."

Die lange vergessene Hilfsaktion aus Baar wurde durch die „Dülmener Zeitung“ in der Weihnachtsausgabe 2003 und in der Osterausgabe 2004 wieder in Erinnerung gebracht. „Der Zugerbieter“ in Baar widmete der Hilfsaktion am 19. Februar 2004 eine ganze Seite.

Kollegium der Overbergschule (1950).

Kollegium der Overbergschule (1950):

Anna Nettelbusch, Hildegard Jungblut, Katharina Lenfers, Maria Bröser, Frl. Floreck (vorne, von links), Frl. Niehus, Herr Käsler, Frl. Tangermann, Kaplan Cohaus, Dechant Dümpelmann, Heinz Winkler, Rektor Wilhelm Telohe, Kaplan Bügelmann, Adalbert Förster, Johannes Winkelkotte, Paul Wewer, Herr Thomas (hinten, von links).

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