Dülmener Heimatblätter

Herausgeber: Heimatverein Dülmen e. V.

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<< Heft 1, 2004

Günter W. Peters

De Namen von usse Vüegel in Plattdüütsk

De aollen Lü kannden fröeher nich de enzelnen Gattungen von usse Vuegelwelt, so äs de Ornithologen, nee, se kannden män höchstens veer bäs fief Sorten, wo se auk guet met uut kairnen. So wüören alle grauten Vüegel Adler. De anneren Raubvüegel äs Bussard un Höehnerhabicht nömden se „grauten Hawk“ un de klenneren äs Sperber und Turmfalke wüören „Stauthawk“ off män „kleinen Hawk“. Wald- und Schleiereule un Steinkauz wassen allbieneen „Uhlen“. De annere Vuegelschar, nämlik de kleinen Singvüegel, äs Amsel, Drossel, Fink un Star hädden alle män „Vüegelkes“. Ennige von de Singvüegel hadden aower auk noc’n Eegennamen, so de Schwarzdrossel, de man „Geitling“ nömden, un de Graudrossel wuor „Sippe“ nannt, de man wull wiägen den herrliken Gesang, auwer auk wiägen dat leckere Fleeschk lieden mogg, denn in’n Hiärfst is se äs „Kramtsvuegel“ fangen wuorden. Dao kann ik mi aower nich miär up besinnen, miene Oma hät dao aower faken von vertellt. De Haus- un den Gartenrotschwanz wuorden, wildat se met den Stiärt „wippten“, „Wippstiärt“ un „Rautstiärt“ nömd. Eenen ähnliken Namen häff de Bachstelzen, de alle män „Quickstiärt“ hädden. Den Zaunkönig, den kleinen Kiärl häölt sik jä faken in Gestrüpp un Brennesselstauden up, un daorüm nömd man ein wull „Niettelküöning“.

De ganze Meisen-Sippe, de Blau-, Hauben-, Kohl- un Schwanzmeisen nömd man allbieneen män „Meesen“. Blos de Kohlmeise hät wiägen iöhren Lockruf noch „Ninive“. Den „Lewink“ is de wull alle Landmänner bekannte Feldlerche un nich met de Haubenlerche to verwesseln. Den Gimpel häff miährere Namen, so wett he „Goldfink“, „Blotfink“ un auk „Dompap“ (Dompfaff) nörnd. Nu kuemt de Haus- un Feldspatzen, de „Spatzen“ un auk „Lüninge“, de jä in’n Froehjaohr de Säömerien mopst und in’n Summer rieklik de Kiärsen probeert. Daovon mott et aower fröeher wull miähr giebben häbben, sodat de to Plaoge wuorden. So konn man liäsen:

20. Januar 1816

Die erste Nummer des Regierungs-Amtsblattes wurde ausgegeben. Bis zum 1. April muß laut Verordnung des Oberpräsidenten von Vincke, jeder Bewohner eines Hauses in der Stadt 2, auf dem Lande 4 Sperlinge der Polizei einliefern bei Vermeidung einer Strafe von 2 Groschen für jedes bis dahin nicht gelieferte Stück. Die Spatzen wurden den Polizeidienern übergeben, diese rissen ihnen die Köpfe ab und lieferten solche an den Bürgermeister.1

Jau, de Spatzen müett daomols wull eene echte Plaoge west sien, dat man söecke Middel insetten moß. To miene Kinnertied wöeren auk noch genoog Spatzen dao, ik kann mie aower nich besinnen, dat de auk all eene Plaoge wöeren.

Jau, fröeher wuorden doch alle Waren met Piärd un Wagen döer de Stadt foehrt. Egaol, off dat den Bäcker, de Miälkbuer off den Pluddenkliärl was, alle kaimen met Piärd un Wagen, un wuo de auk döer de Straoten föehrden, dao laiten de Piärde auk wat fallen un dat was wull nich gra’ wennig, denn eenen aollen Dülmsken liärwden von de Piärdeäppell. Jau, de föehrden met’n Köerken döer de Straoten un sochden de Piärdeäppel up, de he dann an de Iisenhütte verkoffden. Min Vader häff aff 1907 an de Iisenhütte liährt un de häff mi faken vertellt, wann se den aollen Mann saogen, de dann to de Jungs sagg: „Ji sind män blos Arbeiters, aower ik, ik bin Prinzipal“. Sowat wöer jä vandage nich miähr müerglick, denn de Menge Spatzen faihlt jä wull. Wann fröeher mankst eenen vüör lutter Staolt nich äs gradeuutkieken konn, dann sagg man wull: „De schmitt sick in de Buorst, äs so’n Spatz in de Piärdeküettel.“

Den Disselfink, Flaßfink un den Bokfink sin an iähre Naomen to erkennen. De Goldammer nömd sik „Giälgäusken“ un den Pirol, de jä gewüenlik iärst nao Pingsten bie us is, nömd sik „Wiegelwagel“ off auk „Pingstvuegel“. Den „Fleigen“- off auk „Müggensnäpper“ fängt siene Beute in de Luft. De Mehl-, Rauch- un de Nachtschwalbe hait’t allbieneen, män „Swalwe“, wobie män blos de „Nachtswalwe“ auk wull „Siägenmelker“ nömd wätt. De Saat- un Rabenkrähen hait’t män „Kraihen“, blos de „Niäwelkraihe“ häff’n eegenen Namen. To de Rabenvüegel tellt auk de „Jängster“ un de „Markohre“, dat sin Elster un Eichelhäher, wobie de Leste auk wull de Waldpolßei nömd wätt, wildat de faorts Signal giff, wann sik in den Buschk wat beweggt. Alle Spechte wätt män „Grön“- off „Lachespechte“ nannt, egaol off dat nu wüerklik den Grönspecht, den Bunt- off auk den Schwattspecht sind. Unner den Naomen „Holtduwe“ sin so auk de drei hiesigen, de Holz-, Hohl- un Turteltaube bekannt. An de Dieke un Tümpel is dat Teichhuhn un dat Bläßhuhn to saihen, de dann aower „Waterhöhnken“ un „Swattet Waterhohn“ hait’t. Kraniche sin „Krunekrane“, „Kiwitte“ sin Kiebitze, „Aanten“ sin Enten un „Wilde Gaise“ sin Gänse, de sin iä auk noch an dat Water to finden.

Nun hier eine Reihe mir bekannter Vogelnamen in hoch- und plattdeutscher Form:

Eisvogel Iisvuegel
Rauchschwalbe Diälschwalf
Fliegenschnäpper Immenfresser
Misteldrossel Graute Kramtsvuegcl
Uferschwalbe Waterschwalwe
Wasseramsel Watergeitling
Singdrossel Märtengeitling
Hausrotschwanz Rotbücksken
Rohrammer Schilflüning
Distelfink Stiglitzken
Kirschkernbeißer Kiässenvuegel
Star Spraor
Truthahn Schrute

Sprichwörter aus der Vogelwelt

Et is biätter eenen Vuegel in de Hand, äs twee up’t Dack.

Usse Hiärguott weet alles, män nich min Vuegelnest

Dat is en äüsigen Vuegel, de sien eegen Nest beschitt.

De Vuegel de fröh singt, de frätt de Katte.

En’n aollen Lüning fängt man nich met Kaff.

En Paar Uhlen häwwt sik gra’so laiw, äs’n Paar Nachtigallen.

Bie Guott is alles müeglick, sagg de Buer, dao saog he’n Hahn up’t Nest sitten.

Et gaiht ein äs de Uhle. He kann dat Lecht nich verdriägen.

Well sien Geld will saihen stuwen, de legg et an in Immen un Duwen.

Juffern üöwer vättig un aolle Gaise sin schlecht to verknuwen.

1. Ludwig Bielefeld, Spatzenplage, 1698 und 1816, in: Heimatblätter 4, 1928, S. 9f.

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