Dülmener Heimatblätter

Herausgeber: Heimatverein Dülmen e. V.

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<< Heft 1, 2005

Wolfgang Werp

Neuerscheinungen

1905-2005 Katholische Arbeitnehmerbewegung. 100 Jahre KAB Dülmen - St. Viktor/Hl. Kreuz. Jubiläumsfestschrift, hg. vom Redaktionsteam der KAB Dülmen, Dülmen 2005.

Die kleine aufschlussreiche Broschüre erinnert an die Gründung der katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) im Jahre 1905 und deren wechselvolle Geschichte bis in die heutigen Tage. Die heutige KAB geht aus dem Zusammenschluss der katholischen Arbeiter- und Knappenvereine hervor. Gerade in Dülmen bot sich damals die Gründung einer solchen Initiative an, weil sich aufgrund der guten Bahnverbindungen in das nahe Ruhrgebiet viele Bergleute hier angesiedelt hatten, die im benachbarten Bergbau eine Existenzgrundlage für ihre Familien gefunden hatten. Im Knappenverein fanden sie einen solidarischen Zusammenschluss, der ihnen mit christlicher Zielsetzung in solidarischer Gemeinschaft eine gemeinsame Prägung gab. Die wechselvolle Geschichte über die Selbstauflösung des Verbandes zur Zeit des Nationalsozialismus bis zur aktuellen Tätigkeit im Bereich von Gesundheit und Politik zeigt die bedeutende Wirkung aller Aktivitäten nach innen und außen und gibt Anlass, den Anteil der KAB an der sozialen Gestaltung unseres Gemeinwesens dankbar zu überdenken. War und ist es doch das vorrangige Ziel dieser Arbeit, die Mitglieder zu befähigen, Aufgaben und Verantwortung in Politik, Gesellschaft und Wirtschaft zu übernehmen, um die Gesellschaft nach christlichen Grundsätzen mitzugestalten.

Das Redaktionsteam hat eine interessante Mischung solcher Fakten und Daten zusammengetragen, um die Entwicklung katholischer Verbandsarbeit am geistigen Auge des Lesers vorbeiziehen zu lassen. Bis heute bemühen sich die engagierten Arbeitnehmer, die komplexen Verhältnisse in Gesellschaft, Kirche und Arbeitswelt zu erkennen und an deren Verbesserung tatkräftig zu arbeiten. Insbesondere der Rückblick auf die Entstehung und Konkurrenz der sozialistischen und christlichen Arbeitervereine und Gewerkschaften in den ersten bewegten 50 Jahren der Verbandsgeschichte macht diese Bemühungen besonders nachvollziehbar und zeugt von deren Auswirkungen bis in die heutige Arbeitswelt. Auch die Entwicklung der Dülmener KAB wird in dieses Umfeld eingestreut, wobei die Anliegen und Aktivitäten von der Neugründung im Jahre 1946 bis heute in Einzelbeiträgen episodenhaft vorgestellt werden.

Marion Kortsteger, "Unheimliche Sagen aus dem Münsterland", Hamm 2004.

Für ihr neues Werk mit 13 Gruselgeschichten aus dem Westfälischen ist die Autorin gleich dreimal im Kreis Coesfeld fündig geworden, wie sie es ähnlich in ihrem ersten Band „Die schönsten Sagen aus dem Münsterland“ geschafft hatte. Diesmal spielt die auf den „tollen Merode“ zurückgehende Geschichte „Der Schlosshund von Merfeld“ in Dülmen, während „Die kopflosen Kälber von Kakesbeck“ natürlich in der Lüdinghausener Bauerschaft Elvert rund um die alte Burg Kakesbeck ihr Unwesen treiben und schließlich „Der letzte Erbe von Gut Homoet“ rund um Billerbeck die Fantasie ihrer Leser mit schaurigen Figuren anreichert. Marion Kortsteger wurde für solche Erzählungen 2002 zur „Münsteraner Literaturmeisterin“ gekürt. Sie versteht es, ihren Lesern schaurige Sagen mit viel Spannung schmackhaft zu machen. Gesteigert wird dieses Gänsehauterlebnis durch die treffend positionierten Scherenschnitte von Albert Völkl: Sie erläutern nicht nur, sondern steigern die Spannung und regen die Neugierde auf die rätselhaften Texte noch an. Für Alt und Jung ein herrliches Lesevergnügen.

"… so frei, so stark …" - Westfalens wilde Pferde, hg. von Cordula Marx und Agnes Sternschulte, Essen 2002 (Schriften des Westfälischen Freilichtmuseums Detmold, Bd. 21).

Wieder ein lehrreiches Werk über die besondere Beziehung zwischen Mensch und Pferd. Nach der grundlegenden Arbeit von Hans Peter Lampe „Wildpferde in Westfalen“ aus dem Jahre 1977 ein weiterer fachkundiger Lesespaß nicht nur für die vielen heimischen Pferdefreunde oder die regelmäßigen Besucher der Dülmener Wildpferde des Herzogs von Croÿ in der Merfelder Wildbahn. Dieses bestens ausgestattete Buch führt auf eine Entdeckungsreise zu den beliebten Begleitern des Menschen über viele, viele Jahrhunderte. Ohne die hoch gezüchteten Artgenossen und ihre wilden Verwandten wäre die westfälische Geschichte fast nicht denkbar: Vorgestellt werden diese „wilden Pferde“ von renommierten Pferdekennern wie -freunden.

Der Ritt durch die Pferde-Geschichte beginnt mit der Vergangenheit, Entwicklung und Verdrängung der Wildbahngestüte im Emscherbruch, im Fürstentum Lippe und natürlich ihrer Erhaltung im Merfelder Bruch. Es folgen Betrachtungen zum Wiederaufbau der Sennerzucht, zu ihrer Erhaltung im Freilichtmuseum Detmold und zur Dülmener Wildbahn als verhaltensbiologisches Forschungsfeld wie auch zur Rettung der gefährdeten Haustierrasse der Arenberg-Nordkirchener. Dabei bedienen sich die Verfasser zur Illustration einer Vielzahl von vortrefflichen Fotos, Zeichnungen, Skizzen, Tabellen und Literaturangaben, um uns die Welt der Pferde näher zu bringen. Ähnlich wie Michael Stoffregen-Büller in seinem Werk über „Westfalen — Land der Pferde — Ein Streifzug durch die Jahrhunderte“ von 1995 die Entdeckungsreise zu allen Pferden eröffnet hatte, fesselt die hier besprochene Arbeit natürlich die Freunde der kleineren Wildlinge ganz besonders.

Wegen des nahen Bezuges zu uns Dülmenern soll ausdrücklich auf die Untersuchungen von Klaus Zeeb über die Wildbahn als verhaltensbiologisches Feld eingegangen werden. Nach einem Überblick über den Lebensraum der Dülmener Wildpferde befasst sich der Verfasser mit der Zuchtauswahl, den Familienverbänden, den Trampelpfaden, dem Erkunden und Meiden, dem Weiden, der Wasseraufnahme und auch den Gesichtern der Tiere. Zusammenfassend hält Zeeb fest, dass das Dülmener Wildpferd zwar kein Wildpferd im zoologischen Sinne sei, der besondere genetische Wert aber darin liege, dass schon immer die natürliche Auslese im Zentrum der züchterischen Überlegungen gestanden habe. Aus den Dülmener Pferdeverbänden werde aber deutlich erkennbar, dass den Individuen der einzelnen Gruppen Beeinträchtigungen durch andere Gruppen erspart würden, sie aber trotzdem als Herde eine soziale Einheit bilden.

Dies ist dem Rezensenten beim Besuch des diesjährigen Wildpferdefanges in der Wildbahn selbst aufgefallen: Die angespannte Ausnahmesituation in der sonnendurchstrahlten begeisterten Arena veranlasst die Wildpferde zu totalem sozialen Zusammenhalt, wie es bei der geglückten Flucht „fast“ gefangener einjähriger Hengste zur Herde und dem engen Kreiseln der Tiere im Stutenstall gegen den Uhrzeigersinn deutlich wird. Schön, dass alle Jahre wieder nach zwei Stunden im Kessel die vertrauten ungestörten Ruheplätze angaloppiert werden können. Wie der Leser merkt, wird hier eine unterhaltsame und anregende Lektüre nicht nur für Pferdekenner angeboten.

Cornelia Kneppe, Die Stadtlandwehren des östlichen Münsterlandes, Münster 2004 (Veröffentlichungen der Altertumskommission für Westfalen, Bd. XIV).

Wie Stadtwälle und -befestigungen oder Burgen gehören Landwehren zu den Wehrbefestigungen mittelalterlicher Siedlungsanlagen. Ihre Spuren findet man bis heute im Landschaftsbild, in historischen Urkunden, in Flur- und Straßennamen oder auch in erzählten Überlieferungen, wie der Herausgeber im Vorwort der Arbeit berichtet. Die Einführung des nordrhein-westfälischen Denkmalschutzgesetzes (1980) hat auch auf die Erforschung der Landwehren Auswirkungen gehabt. In einer zweijährigen Arbeit wurden 1985 – 87 unter der Federführung von Cornelia Kneppe alle Urkatasterbücher und -karten aus Westfalen-Lippe durchgesehen. Die gewonnenen Erkenntnisse hat man auf den Urkarten nachvollzogen und anschließend auf Messtischblätter übertragen. Die Autorin ist danach weiter dem Thema auch über den westfälischen Rahmen hinaus treu geblieben. Es zeigte sich, dass insbesondere im Münsterland einige Landwehren eine dichte Staffelung aufweisen.

Der besondere Wert der Arbeit besteht nach den Forschungsergebnissen u.a. in der Erkenntnis, dass aus dem Landwehrverlauf geschichtliche Abläufe und Entwicklungen abgeleitet werden können. In vielen ausführlichen Kapiteln erörtert die Autorin mit ihrem Team am Beispiel der Städte Beckum, Ahlen, Warendorf und Telgte die Bedeutung der Landwehren als Rechtsgrenze und Wehranlage. In Anhängen werden ähnlich die Landwehren der übrigen landtagsfähigen Städte des Oberstiftes Münster untersucht: Dies sind Bocholt, Borken, Coesfeld, Dülmen, Haltern, Münster, Rheine, Vreden und schließlich Werne. Auch hier soll der dank der Mitarbeit von Stadtarchivar Dr. Friedrich-Wilhelm Hemann gelungene Teilbereich der Stadtlandwehr von Dülmen angesprochen und dem interessierten Dülmener Heimatfreund erläutert werden.

Vorab sei erwähnt, dass die Bearbeiter versucht haben, von Dülmens Katasterübersicht (1827) ausgehend, eine Rekonstruktion der Stadtlandwehr zu versuchen. Diese Befestigung war für Dülmen von großer Bedeutung, weil die Stadt am Schnittpunkt wichtiger Verkehrsverbindungen von Übergriffen der Grafen von der Mark bedroht war. Die Rekonstruktion beruht auf Nachweisen in den Urkatasterfluren VIII, IX, und XIII. Nach den Vermutungen der Untersuchung lassen sich wenige Teilstücke im Süd- und Nordwesten, Westen und Osten in einem einheitlichen Abstand zur Stadt verfolgen. Im Südosten hat der Haselbach die Landwehr mutmaßlich auf einer längeren Strecke ersetzt. Ein Teil der Rekonstruktion orientiert sich nach Ansicht der Autoren an den Stadtgrenzen nach der Markenteilung 1827 – 1844, ergänzt durch wertvolle Angaben nach einer 1809 durchgeführten Trennung des Stadtbezirkes von der übrigen Mitwicker Mark auf der Basis des Landwehrverlaufes.

Nach den Recherchen von Dr. Friedrich-Wilhelm Hemann stammt der bislang älteste Beleg für die Dülmener Stadtlandwehr aus dem Jahr 1408, der ein Teilstück bei Gut Engsterstein betrifft. Nach dem weiteren Ergebnis der Forschung zur Dülmener Landwehr lagen in der Neuzeit innerhalb der Feldmark keine Höfe, sondern nur das Leprosenhaus, dessen Kapelle dem Neubau der Kreuzkapelle diente und die Einsiedelei beim Hof Wewerink. Die relativ späte Entstehung der Dülmener Stadtlandwehr wird nach den Ergebnissen der Untersuchung sowohl mit der späten Stadterhebung im Jahre 1311 als auch mit dem guten nachbarlichen Verhältnis zwischen Stadt und Bauerschaften begründet. Schließlich werden auch die Angaben von Archivar August Hölscher, zwischen Stadtmauer und Landwehr habe ursprünglich ein Hagen das Gartenland der Bürger geschützt, für eine Vorstufe einer Dülmener Landwehr angeführt.

Zusammenfassend kommen die Bearbeiter als vorläufiges Ergebnis ihrer Untersuchungen auf etwa 50 nachgewiesene Landwehren im östlichen Münsterland und bei den zusätzlich genannten Städten des Oberstiftes. Es handelt sich alles in allem um eine für den Heimatfreund gut lesbare, vorzüglich illustrierte und wichtige Teilerkenntnisse zur weiteren Beurteilung und Erforschung mittelalterlicher städtischer Befestigungsanlagen im Münsterland vermittelnde Studie.

Anna Katharina Emmerick - Spuren, hg. von Friedrich-Wilhelm Hemann, Ludger Hillermann und Peter Nienhaus, Dülmen 2004 (Gemeinsame Sonderausgabe der "Dülmener Heimatblätter" und der "Emmerickblätter", Mitteilungen des Emmerick-Bundes e. V.).

Clemens Engling, Unbequem und ungewöhnlich. Anna Katharina Emmerick - historisch und theologisch neu entdeckt, Würzburg 2005.

Am 3. Oktober 2004 wurde Anna Katharina Emmerick durch Papst Johannes Paul II. in Rom selig gesprochen. Viele Dülmener gehörten zur großen Schar der Pilger, die sich auf dem Petersplatz im Rom zur feierlichen Seligsprechungsfeier versammelt hatten. Beeindruckende Erzählungen und Bilder bleiben den Teilnehmern in Erinnerung. Vielfache Deutungen und Wertungen des Lebens der Emmerick sind uns vor Augen geführt worden. Zum nachdenklichen Betrachten und Verinnerlichen der Seligsprechungstage können beide sich ergänzenden Bücher sinnvoll beitragen.

Das Buch „Spuren“ ist ein Gemeinschaftswerk des Heimatvereins Dülmen, des Emmerick-Bundes und des Stadtarchivs Dülmen. Es bündelt die Eindrücke der Seligsprechungsfeierlichkeiten in Wort und Bild. Es begibt sich zudem auf Spurensuche, um aktuelle Informationen und Deutungen des Lebens und Leidens der Emmerick zu finden. Hierzu haben Bischof Reinhard Lettmann, Günter Scholz und Ulrich Lüke anregende Beiträge geleistet, in denen die Person der Emmerick in den Vordergrund gestellt wird und ein Zugang zu der neuen Seligen eröffnet werden soll. Außerdem berichten Dorothea Hainke, Ludger Hillermann, Maria Lewe, Silke Osterkamp und Marita Worstbrock jeweils aus ihrer Sicht als Pilgerinnen und Pilger von den beeindruckenden römischen Feierlichkeiten. Alle Berichte werden durch eine bewegende Serie von 32 außergewöhnlichen Farbfotos von der Vigilfeier in Santa Maria Maggiore über die Begrüßung der Messdienerin Silke Osterkamp durch Papst Johannes Paul II. bis zum Dankgottesdienst mit Bischof Lettmann und Weihbischof Voß in der Dülmener Heilig-Kreuz-Kirche begleitet. Im zweiten Teil des Buches stellt Dr. Friedrich-Wilhelm Hemann den Katalog der Ausstellung „Spuren“ vor, die seinerzeit von ihm in den Räumen der Alten Sparkasse mit großem Echo gestaltet worden war. Hier sind Schriften und Bilder über Anna Katharina Emmerick erkundet und im historischen Rahmen ihrer Zeit ausgewertet worden.

Im Buch „Unbequem und ungewöhnlich. Anna Katharina Emmerick — historisch und theologisch neu entdeckt“ befasst sich der frühere Pfarrer Dr. Clemens Engling von Heilig-Kreuz in Dülmen, wo sich demnächst nach der umfassenden Erneuerung der Kirche wieder das Grab der Emmerick in der Krypta befinden wird, in drei Teilen mit der Biografie der Seligen, dem Versuch einer umfassenden geistlichen und theologischen Deutung ihrer Person und schließlich der Frage, was die Selige den Menschen von heute zu sagen haben könnte. Es gelingt dem Verfasser nach einem ausgedehnten und intensiven Studium aller älteren und neueren Quellen, viele bisher anders bewertete Seiten der Emmerick zu entdecken und dem Leser nahe zu bringen.

Beide Werke runden, sich ergänzend, die Thematik um die Seligsprechung von Anna Katharina Emmerick ab. Sie werden den Emmerick-Verehrern wie kritischen Betrachtern erbauliche Stunden bereiten.

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