Dülmener Heimatblätter

Herausgeber: Heimatverein Dülmen e. V.

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<< Heft 1, 2006

Erik Potthoff

Rathaus und Kriegerdenkmal

Historische Ansicht

Der Heimatverein Dülmen möchte im Hinblick auf das Stadtjubiläum im Jahr 2011 durch Gegenüberstellung von historischem Fotomaterial und heute aufgenommenen Bildern in jeder Ausgabe der Dülmener Heimatblätter an die wechselvolle Baugeschichte unserer Stadt erinnern. Wurde in der letzten Ausgabe an die Geschichte der Mariensäule erinnert, fällt der Blick heute auf das Dülmener Rathaus und das Denkmal zur Erinnerung an den Ersten Weltkrieg.

In der historischen Ansichtskarte wurde ein Augenblick zwischen der Einweihung, Enthüllung und Übergabe des Kriegerdenkmals am 10. Mai 1925 und der grundlegenden Renovierung des Rathauses 1934 festgehalten. Die Grundsteinlegung für das Kriegerdenkmal erfolgte nach zähem Ringen um Aussehen und Standort am 31. August 1924. Der Gesamtentwurf der Denkmalanlage stammt aus der Feder des Architekten Gustav Wolf aus Münster. Das Dülmener Kriegerdenkmal hebt sich ab von den vielen Ehrenmalen seiner Zeit. Es wurde weder ein Lorbeerkranz, Stahlhelm oder Eisernes Kreuz noch ein ausdrucksstark sterbender Soldat für das Denkmal gewählt. In Dülmen ruht ein Löwe auf einem Sarkophag ähnlichen Sockel mit gesenktem Kopf.

Die Festschrift von 1925 erläutert die künstlerische Absicht und fasst den in der Bevölkerung vorhandenen Eindruck nach dem verlorenen Krieg zusammen. „Der Löwe liegt trauernd und nur die Spannung in dem muskulösen Leibe verrät, dass er sich nicht für die Dauer gebeugt niedergelassen hat.“ Sockel und Löwe sind aus Anröchter Sandstein gefertigt. Für den Entwurf und die Ausführung des Löwens trug der Bildhauer Albert Mazotti aus Münster Verantwortung.

In 14 Namenstafeln wurden von Schülern der Kunstgewerbeschule in Dortmund die Namen der 367 Gefallenen und Vermissten aus dem Stadtbezirk Dülmen eingehauen. Den Tafeln wurden nach Ende des Zweiten Weltkrieges keine weiteren Opferlisten hinzugefügt. Zur Erinnerung an die Zerstörung der Stadt Dülmen wurde ein Bronzerelief am 27. August 1995 in der Nähe des Ehrenmals angebracht.

Im Hintergrund der Aufnahme steht das Rathaus, welches in seiner historischen Bauentwicklung zunächst ein Gebäude am Marktplatz ist. Die Verleihung der Stadtrechte am 22. April 1311 beinhaltete zugleich das Recht, Märkte abzuhalten. Auf dem befestigten Schultenplatz in Dülmen errichteten die Händler ihre Verkaufsstände. Zunächst provisorisch – später dann als feste Gebäude aus Stein. Auch das Dülmener Rathaus hatte im Erdgeschoss eine zur Marktseite offene Säulenhalle. Darin boten die Fleischhauer ihre Waren an. Darüber lag der Ratssaal.

Rathaus und Kriegerdenkmal (2006)
Rathaus und Kriegerdenkmal (2006)

Für den 5. Juni 1404 ist der Erwerb des Grundstücks für den Bau eines Rathauses durch Bürgermeister und Rat der Stadt Dülmen überliefert. 1408 wird das Rathaus erstmals urkundlich erwähnt. Es folgen mehrfache Erweiterungen und Renovierungen des Gebäudes. Eine dieser Ergänzungen war der östliche Teil des Rathauses mit dem Durchgang zum Kirchplatz „Scharre“. 1786 erfolgte eine gründliche Überarbeitung. In der Zeit von 1814 – 1836, als das Rathaus zusätzlich von den Gemeinderäten benutzt wurde, konnte durch das Zumauern der Halle weiterer Platz gewonnen werden. Zu dieser Zeit wurde auch die äußere Backsteinfassade durch Zementputz überdeckt. Erst 1934 wurde der Putz entfernt und ein Teil der Baugeschichte konnte überraschend wieder entdeckt werden.

Nach der Bombardierung der Dülmener Innenstadt am 21. und 22. März 1945 stand nur noch die Südseite des Rathauses, welche 1949 wegen Einsturzgefahr gesprengt werden musste. 1954 begannen die Arbeiten zum Wiederaufbau des Rathauses. Nach 193 Tagen Bauzeit erfolgten am 8. Dezember 1954 das Richtfest und die Grundsteinlegung des Neubaus. Im Oktober 1956 konnte das neue Rathaus seiner Bestimmung übergeben werden. Seit dieser Zeit erfuhr das Rathaus vorwiegend im Inneren kleinere Veränderungen. Das transparente und Service orientierte Bürgerbüro entstand in der Eingangshalle. In das Kellergeschoss zur Marktstraße gelegen zog Dülmen Marketing und ein Ladengeschäft der Werkstätten Karthaus ein. Zwischen den beiden Aufnahmen liegen ca. 80 Jahre. Das wieder aufgebaute Rathaus fügt sich gleichermaßen markant wie sein Vorgängerbau als Riegel zwischen Markt- und Kirchplatz in die heutige Szenerie ein.

Literatur

Heimatverein Dülmen, Festschrift zur Enthüllung des Kriegerdenkmals für Stadt und Amt Dülmen, Dortmund 1925.

Heinz Brathe, Dülmen in alten Ansichten, Zaltbommel 1984 (Europäische Bibliothek).

Annette Menke, Dülmen in Westfalen, Dülmen 1991.

Nina Vollenbröker, Christoph Hüsing, Matthias Zölle, Dülmen. Bis hierher und weiter, Dülmen 1998 (Edition Stadtanzeiger)

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