Dülmener Heimatblätter

Herausgeber: Heimatverein Dülmen e. V.

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<< Heft 2, 2000

Wolfgang Werp

Neuerscheinungen

Emmanuel de Croy, Erinnerungen meines Lebens. Eine Reise durch den Westen des Heiligen Römischen Reiches. Erstausgabe des Tagebuchs 1741/42 nach der französischen Handschrift übersetzt und mit Anmerkungen versehen von Elisabeth Hergeth, agenda-Verlag Münster 1999.

Das Tagebuch beruht auf einer Reise von Prinz Emmanuel de Croy (1718 – 1784), des Großvaters des Herzogs Auguste de Croy, der im Jahre 1803 im Rahmen des Reichsdeputationshauptschlusses als Entschädigung für seine linksrheinischen Besitzungen das münsterische Amt Dülmen zugesprochen bekam, durch Nordwestdeutschland, die Rheinlande, Westfalen und damit auch das Münsterland einschließlich Dülmens im Jahre 1741. Der Prinz von Croy machte sich auf den Weg, um im Auftrage des französischen Königs Ludwig XV. militärische Operationsmöglichkeiten zu erkunden. Im hier vorliegenden Auszug aus seinen mehrbändigen „Mémoires de ma vie“ - „Erinnerungen meines Lebens“ -, deren Original im Herzoglich Croyschen Archiv gepflegt wird, schildert von Croy ein zeitgenössisches Bild der erkundeten Landstriche und ihrer Bewohner aus der Sicht und für Zwecke des Militärs. Der Reisebericht bringt eine Fülle von Eindrücken von zivilen und militärischen Anlagen, von höfischen Beschreibungen mit Beobachtungen bei Festen, Empfängen und Bällen bis zu Porträts wichtiger Personen des damaligen Zeitgeschehens.

In der erstmaligen deutschen Übersetzung von Elisabeth Hergeth vermittelt dieser bildhafte Reisebericht dem an historischen Details Interessierten ein weites Panorama jener Zeit, wenn auch Dülmen selbst neben Städten wie Burgsteinfurt, Münster oder Paderborn nur am Rande gestreift wird.

Wilhelm Majert, Wat Natz von Dülmen segg …, herausgegeben von Dr. A. Prenger-Berninghoff, Selbstverlag Dülmen 2000.

Wie der Herausgeber in seinem Vorwort ausführt, hat er diese Sammlung von zumeist plattdeutschen Gedichten, Vertellsels und Sprüchen zu Dülmen und seiner Umgebung von Wilhelm Majert, der von 1877 bis 1934 hauptsächlich in Dülmen und Ondrup lebte, in die Nähe unseres „Natz von Dülmen“ gerückt. Denn Majert hatte schon in seinem Gedicht „De aolle Bruk“ festgestellt, dass jeder Dülmener ein „Natz von Dülmen“ sei.

Wenn auch die meisten Beiträge bereits in den „Dülmener Heimatblättern“ zwischen 1925 und 1931 veröffentlicht worden sind, so ist es doch das anerkennenswerte Verdienst des Herausgebers, durch die vorliegende Broschüre wesentliche Teile des facettenreichen Werkes von Wilhelm Majert zusammengestellt und teilweise ins Hochdeutsche übertragen zu haben, so dass es auch einem insbesondere jüngeren Leserkreis zugänglich wird. Leider ist das optische Nebeneinander der hoch- bzw. plattdeutschen Fassung der Gedichte auf gegenüberliegenden Seiten nicht immer gelungen, wodurch eine bessere Lesbarkeit zu erreichen gewesen wäre. Auch sind die Thesen des ausführlichen Nachwortes mit den Anliegen der ausgewählten Kostproben aus Majerts Schaffen nur schwerlich in Verbindung zu bringen.

Alles in allem eine erfreuliche Bereicherung unserer plattdeutschen Heimatliteratur rund um den „Natz von Dülmen“.

Anna Katharina Emmerick. Passio, Compassio, Mystik, herausgegeben von Michael Bangert, Clemens Engling und Hermann Flothkötter, Dialogverlag Münster 2000.

Michael Bangert, Reinhard Lettmann, Lydia Strzebniok und Pia Luislampe, Anna Katharina Emmerick - Ein neues Porträt, herausgegeben vom Emmerick-Bund e. V. Dülmen, Laumann-Verlag Dülmen 2000.

Der Emmerick-Bund hat zwei lesenswerte und hilfreiche Bücher zusammengestellt, die den Fortgang der Diskussion und der wissenschaftlichen Begleitung zur Seligsprechung der Mystikerin verdeutlichen.

Der erste Band ist als eine hilfreiche Dokumentation mit den Grundzügen der Aussprachen des im Jahre 1999 an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom durchgeführten dritten Symposiums (nach 1982 und 1990) über A.K. Emmerick zusammengestellt worden. Unter dem Titel „Passio — Compassio — Mystik“ wurde „das Zeugnis von Anna Katharina Emmerick von unterschiedlichen Seiten beleuchtet und der weltkirchlichen Ebene eröffnet“, wie es im Vorwort heißt. Das Werk will mit seinen vielfältigen Beiträgen zu einem neuen und besseren Verständnis der Seherin von Dülmen beitragen.

In dem zweiten Gedächtnisband geht es um die Hinwendung zu neuen Deutungen des Lebens und insbesondere der Leiden der A.K. Emmerick. Hier ist vor allem auf die Predigt des Bischofs von Münster, Dr. Reinhard Lettmann, und die im Herbst 1999 vom Deutschlandfunk übertragenen viel beachteten Morgenandachten von Dr. Michael Bangert hinzuweisen.

Beiden Büchern sind viele aufgeschlossene und aufmerksame Leser zu wünschen.

Jens Murken und Heike van Hoorn, Erzählte Geschichte. Dülmen - Lebensgeschichte und Alltag 1930 bis 1960, Sutton-Verlag Erfurt 2000.

Im Rahmen eines geschichtswissenschaftlichen Seminars an der Universität Münster wurden die Erlebnisse von 22 Dülmener Zeitzeugen der Jahrgänge 1914 bis 1946 über sie prägende Ereignisse ihrer Kindheit und Jugend in den dreißiger bis fünfziger Jahren erfragt und in dem Buch in ausgewählten Interviewpassagen nach Schwerpunktthemen geordnet vorgestellt. In die erkundete Zeit fielen die große wirtschaftliche Depression, die nationalsozialistische Diktatur, die fast vollständige Zerstörung der Stadt Dülmen, der gesellschaftliche und staatliche Zusammenbruch am Ende des Zweiten Weltkrieges und schließlich der Beginn eines rasanten Wiederaufbaus.

Die Autoren und ihre Interviewpartner lassen den Leser selbst bei einer nur auszugsweisen kollagenhaften Zusammenstellung ihrer Erinnerungen, die mit vielen Fotos und Anzeigen aus der jeweiligen Dülmener Epoche unterlegt sind, die wichtigsten Stationen des persönlichen Alltags miterleben. Viele Dülmener werden in den vorgestellten Erlebnissen ihre eigene Jugend und Familie, ihr privates und berufliches Umfeld, ja selbst die gesamte Stadtgeschichte wie im Spiegel vor sich ausgebreitet finden und mit Neugierde nachvollziehen.

Ulrich Artmann, Hans Egemann, Bernhard Krümpel und Harald Schmied, 950 Jahre Rorup - Ein Buch durch die Geschichte, herausgegeben vom Arbeitskreis 950 Jahre Rorup, LV-Druck Münster 2000.

Nach mehreren anderen Dülmener Ortsteilen haben sich auch die Roruper anläßlich der 950-Jahr-Feier der Darstellung ihrer Ortsgeschichte mit Elan angenommen und ein gelungenes und viele Aspekte dörflichen Lebens ausleuchtendes Festbuch vorgestellt, das die vom 27.8.-3. 9. 2000 mit zahlreichen Veranstaltungen gefeierte Festwoche begleitet und abwechslungsreich ergänzt hat.

Das Redaktionsteam konnte dabei auf umfangreiches Material aus allen Lebensbereichen von der geschichtlichen Dorfentwicklung ab dem Jahre 1050 über politische, kirchliche, schulische, gesellschaftliche und sportliche Aspekte zurückgreifen und einen bunten Strauss ereignisreicher Fakten binden, der das Engagement und den Bürgersinn in der Gemeinschaft der örtlichen Nähe aufleuchten lässt. Die Roruper sind zu dieser umfassenden und dank der Vielfalt der angesprochenen Themen sehr abwechslungsreichen Reportage über die Geschichte und Entwicklung ihrer Gemeinschaft zu beglückwünschen. Sicherlich werden sich auch viele Leser außerhalb Rorups mit großem Gewinn mit ihr befassen.

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