Dülmener Heimatblätter

Herausgeber: Heimatverein Dülmen e. V.

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<< Heft 2, 2000

Friedrich-Wilhelm Hemann

Ein Modell der Stadt Dülmen

Der Heimatverein Dülmen e. V. beschloss 1997 ein Modell der Stadt Dülmen erstellen zu lassen, um Schülern und Bürgern eine plastische Vorstellung vom alten Dülmen zu vermitteln. Das Stadtarchiv übernahm die wissenschaftliche Aufarbeitung der Grundlagen eines Stadtmodells, das die Stadt Dülmen zur Zeit des Dreissigjährigen Krieges etwa um 1640 zeigt. Das Stadtmodell kann zu den üblichen Öffnungszeiten im oberen Foyer des Rathauses besichtigt werden.

Das Modell gibt einen Eindruck von der größten mittelalterlichen Ausdehnung mit Stadtmauer, Türmen und Toren, die seit dem 14. Jahrhundert errichtet, bis in das 18. Jahrhundert erhalten und wenn nötig repariert wurden.

Das Foto aus nordwestlicher Perspektive aufgenommen zeigt das Modell der Stadt Dülmen zur Zeit des Dreissigjährigen Krieges. In der Mitte des linken Randes ist das Münstertor zu sehen, unten links das Coesfeldertor, unten rechts das Neutor, am rechten Rand das Burgtor und in der Mitte am oberen Rand das charakteristische Lüdinghausertor. Markante Mittelpunkte des Stadtbildes sind die St.-Viktor-Kirche, das mittelalterliche Rathaus und der größte Profanbau der Stadt das Heilig-Geist-Hospital auf dem Bült. Es fehlt natürlich das Croy’sche Schloss an der ehemaligen Burg-, der späteren Schlossstraße, weil es erst zwischen 1834 und 1844 errichtet wurde und damit zum dargestellten Zeitpunkt des Modells noch nicht vorhanden war. Dargestellt sind auch die Stadtwälle und die Doppelgräben, die das Verteidigungssystem der Stadt seit dem 15./16. Jahrhundert verstärkten. Kurz nach der Anfertigung des bekannten Kupferstichs von Merian ließen 1642 hessische Truppen die Wälle im östlichen Bereich wieder einebnen. Die weitgehend nutzlose Wallanlage wandelte man im 18. Jahrhundert zu Gärten um; die Ausdehnung der Befestigungsanlage lässt sich jedoch auf der Urkatasterkarte aus dem Jahre 1825 noch eindeutig bestimmen.Für die Gestaltung der städtischen Binnen- und Aussengliederung konnte ebenfalls auf die Urkatasterkarte von 1825 als Grundlage zurückgegriffen werden, weil sich der Verlauf der Straßen und der Zuschnitt der Grundstücke seit dem 15. Jahrhundert nur noch unwesentlich veränderte, nachdem die Besiedlung weitgehend zum Abschluss gekommen war.

Die Bebauung der Stadt wurde auf der Grundlage des Brandversicherungskatasters von 1768 rekonstruiert, da diese Auflistung die älteste Beschreibung der Häuser nach Grundfläche, Geschosszahl und Ausführung bietet. Zu dieser Zeit gab es 445 Hausnummern. Die dazugehörigen Grundstücke waren mit 502 Gebäuden bebaut. Die Grundfläche der meist eingeschossigen Haupthäuser variierte von 2,40 m × 3,60 m (eine kleine Hütte) bis zu 35,40 m × 13,50 m (Heilig-Geist-Hospital). Die 57 als Nebengebäude klassifizierten Baulichkeiten dienten als Brauhäuser, Bauhäuser, Färbehäuser, Holzhäuser und Scheunen.

Allerdings waren zur gleichen Zeit (1768) 19 Häuser unbewohnt und 42 Hausstätten werden als „wüst“ (unbebaut) bezeichnet. Dies ist auch die Ursache dafür, dass der Grundriss der Stadt im Modell als vergleichsweise locker bebaut erscheint. Der Zustand resultierte aus Stadtbränden, Kriegs- und Seuchenzügen, die seit dem Ende des 16. Jahrhundert dafür sorgten, dass die damals erreichte Einwohnerzahl von geschätzten 2.000 Personen bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts (1843 = 3.100 Einwohner) nicht wieder erreicht wurde. Erst im Laufe der Industrialisierung wurde die Stadtfläche innerhalb des alten Grundrisses immer stärker verdichtet, indem man wüste Hausgrundstücke bebaute und größere Grundstücke für die Bebauung teilte.

Im näheren Umfeld der Stadt gab es abgesehen von der „Peppermühle“ an der Tiber, die bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts noch ungedeckt mitten durch die Stadt floss, keine Bebauung. Bauernhäuser wie der Schultenhof Hinderkinck (in heutigen Wildpark) fanden sich erst in größerer Entfernung zur Stadt, deren Feldmark durch Landwehren geschützt wurde. Ein Ausgreifen der Bebauung auf die Feldmark begann erst Ende des 19. Jahrhunderts.

Quellen:

Stadtarchiv Dülmen, Stadt Dülmen, Bestand A 465a (Brandversicherungskataster)
Flurkarten Gemeinde Dülmen, Nr. 9, 10, 11, 13, 15.

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