Dülmener Heimatblätter

Herausgeber: Heimatverein Dülmen e. V.

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<< Heft 2, 2001

Hanne David

Die Entstehung des historischen Arbeitskreises der

Dorfgemeinschaft Hausdülmen

Mit Schreiben vom 26. August 1994 baten die beiden damaligen Kommunalpolitiker Karl Bernemann und Ludger David in einem gemeinsam verfassten Schreiben an die Stadtverwaltung Dülmen, im städtischen Haushaltsplan für das Jahr 1995 die finanziellen Mittel für die Erstellung eines „Dorfentwicklungskonzeptes Hausdülmen“ einzustellen.

Am 23. März 1995 erbat die Stadt Dülmen beim Amt für Agrarordnung in Coesfeld einen Zuschuss für das von ihr positiv bewertete Anliegen. Offensichtlich war die Bitte nicht vergebens, denn am Donnerstag, 11. Januar 1996, stellte das Planungsbüro Wolters Partner aus Coesfeld bei einer Bürgeranhörung vor rund 150 Bewohnern Hausdülmens Schwächen und auch Stärken des Ortsteiles Hausdülmen vor. Stadtplanerin Astrid Wiechers hoffte, dass auch engagierte Einwohner sich zur Mitarbeit bereit fänden, und umgehend meldeten sich Bürger, die gerne bereit waren, bei der Erstellung des Konzeptes mitzuwirken.

In einer ersten Versammlung ohne Stadtverwaltung und Büro Wolters am 25. Februar 1996 in der Gaststätte Böinghoff ging es einzig und allein darum, die verschiedenen Möglichkeiten der Mitarbeit aufzuzeigen sowie organisatorische Fragen anzusprechen und zu klären.

Die erste offiziell von der Stadt einberufene Arbeitskreissitzung fand dann am 13. März 1996 in der Gaststätte Böinghoff statt, an der neben den Damen und Herren der Stadtverwaltung, des Planungsbüros und des Amtes für Agrarordnung 23 Bewohner Hausdülmens teilnahmen und ihre Mitarbeit bekundeten. Das Planungsbüro Wolters Partner erläuterte das Ziel des Konzeptes und betonte, möglichst viele Einwohner Hausdülmens in dieses Konzept einzubeziehen. Bei dieser Sitzung kam man überein, die Mitarbeit in den vier zu bildenden Arbeitskreisen Dorfökologie, Dorfentwicklung, Dorfgestaltung und Verkehr/Straße zu ermöglichen. Jeder Arbeitskreis sollte aus seiner Mitte zwei Sprecher und einen Schriftführer wählen. Darüber hinaus wählte die Versammlung einstimmig Karl Wortmann als Kontaktperson und Hanne David als seine Stellvertreterin. Ihre Aufgabe war es, sowohl die Verbindung mit den Arbeitskreisen als auch mit der Stadt und dem Planungsbüro zu halten, Arbeiten zu koordinieren und die in den Arbeitskreisen erarbeiteten Vorschläge der Stadt vorzutragen und zu erläutern.

Am 6. September 1996 legte die Stadtverwaltung den Interessenten sowie den politischen Gremien eine Entwurfsfassung des Dorfentwicklungskonzeptes Hausdülmen vor und kündigte „in den nächsten Wochen“ eine Bürgerinformationsveranstaltung in Hausdülmen an, die am 23. September 1996 stattfand. Jetzt konnten die Arbeitskreise, die die Entwurfsfassung in mehreren Sitzungen lebhaft diskutiert hatten, sachliche Unrichtigkeiten und Verbesserungsvorschläge zur Korrektur für die Endfassung vormerken.

So kam es letztendlich am 18. November 1997 zur Gründung der Dorfgemeinschaft Hausdülmen. Beschlossen wurde, dass Hausdülmen eigene Ideen und Vorstellungen weiterentwickelt und an der schrittweisen Realisierung des Dorfentwicklungskonzeptes mitwirkt, wobei das vorliegende Dorfentwicklungskonzept die Arbeit begleiten solle.

Es wurden die folgenden vier Arbeitskreise gebildet: Dorfökologie, Dorfökonomie, Soziales und Historisches Hausdülmen. Jeder Arbeitskreis hatte vier Vertreter als Sprecher, Stellvertreter, Schriftführer und Beisitzer zu wählen, wobei diese Vertreter wiederum den Vorstand der Dorfgemeinschaft zu wählen hatten.

Inzwischen haben sich die Arbeitskreise Dorfökologie, -ökonomie und Soziales zum neuen Arbeitskreis Dorfentwicklung zusammengeschlossen, so dass jetzt nur noch zwei Arbeitskreise, und zwar Dorfentwicklung und Historisches Hausdülmen arbeiten.


Burgplatzbegehung mit älteren ortsansässigen Bewohnern.

Der Historische Arbeitskreis verfolgt die Entwicklung Hausdülmens von der Gründung des Ortes im Jahre 1115 als Sitz einer mittelalterlichen Wasserburg des Bistums Münster bis in die jüngste Vergangenheit und möchte seine Entdeckungen den Mitbürgern nahebringen. Im Vorfeld dieser Arbeit führte er mehrere Ortsbegehungen im Dorfkern durch, bei denen ältere ortsansässige Anwohner auf letzte Reste alter Bausubstanz hinwiesen.

Ein Schwerpunkt seiner Arbeit lag in der Ausarbeitung des Historischen Rundgangs durch Hausdülmen, der nach mehrjähriger Zusammenarbeit mit der Stadt Dülmen, dem Stadtarchiv und dem Archiv der Herzog von Croy´schen Verwaltung als erste Maßnahme des Dorfentwicklungskonzeptes im Sommer des Jahres 2000 fertig gestellt wurde.


Fleißige Helfer bei der Arbeitskreise stellten die Schrift- und Bildtafeln des Historischen Rundwegs auf.

Auf einem vom Radwanderparkplatz am Sportplatz ausgehenden Rundweg von ca. 4,5 km Länge sind insgesamt 13 Stationen errichtet, die sowohl in schriftlicher als auch in zeichnerischer Form Auskunft über die fast 900-jährige Vergangenheit Hausdülmens als ehemalige Wasserburg Haus Dülmen geben, die der Großen Teichsmühle und ihre über Jahrhunderte zukommende Bedeutung für unsere Umgebung aufzeigen, alte Bildstöcke und historische Straßennamen erläutern und auf Besonderheiten in unserem Raum hinweisen. Mitglieder beider Arbeitskreise stellten die Schrift- und Bildtafeln des Historischen Arbeitskreises in mehreren Arbeitseinsätzen auf.

Zum Pfarrfest im August 2000 hatte der Historische Arbeitskreis eine Ausstellung zur Geschichte der Burgkapelle Hausdülmen von 1115 bis heute zusammengestellt und ein Faltblatt als „Geschichte zum Mitnehmen“ aufgelegt. Zahlreiche Besucher fanden Gefallen an der Ausstellung.

Ein Grundriss der alten Kapelle, nach dem die Kirchenbesucher im Jahre 1771 nach einer Veränderung der Bestuhlung ihre festen Plätze neu zugewiesen erhielten, weckte das besondere Interesse, existieren doch noch heute einzelne alte Kirchenbänke, auf denen Platzinhaber mit auf Messingschildern eingravierten oder eingeritzten Namen ihre Ansprüche geltend machten. Der Erbdrostenstuhl mit insgesamt sechs Plätzen in der ersten Reihe erhielt die meisten Plätze. Es ist heute wohl nicht mehr allgemein bekannt, dass für jeden Platz pro Jahr ein bestimmtes Entgelt zu entrichten war.

Mehrere Rechnungen von verschiedenen Handwerkern, die in den Jahren 1770 – 1772 Reparaturarbeiten an der Kapelle vorgenommen hatten, informierten über die damals in Rechnung gestellten Leistungen und verwendeten Materialien.

Ein Brief an einen französischen Offizier in Paris, in „hus dulmen“ am 15. August 1761 von einem französischen Armeeangehörigen geschrieben und als französische Armeepost versandt, gab Zeugnis von der zeitweiligen Verwendung der Kapelle Hausdülmens als französisches Lazarett.

Es bleibt vorerst wohl nur ein Traum, die Fundamente des Burgfrieds mit seinem gewaltigen Durchmesser von 60 Fuß oder ca. 20 Metern an historischer Stelle wieder sichtbar zu machen. Zukunftsmusik zwar, aber realistischer ist da schon die Idee, den historischen Ortskern mit Ober- und Unterplatz, also Burgplatz und „Freiheit“, in Form einer Bodenplastik nachzuarbeiten, diese auszugießen und an passender Stelle aufzustellen. Auch die Geschichte des früher auf der Freiheit befindlichen Galgens wäre vielleicht spannend zu verfolgen.

Darüber hinaus versuchen die Mitglieder des Arbeitskreises in Gesprächen mit älteren Mitbürgern, sich über die früheren Lebensumstände im Dorf zu informieren und alte Dokumente und Fotografien zu sammeln. Es wäre schön, wenn alte Bilder, die noch in manchen Alben „schlummern“, dem Arbeitskreis leihweise für eine nur kurze Zeit zum Ablichten zur Verfügung gestellt würden.

So werden dem Historischen Arbeitskreis in den nächsten Jahren weder die Arbeit noch die Ideen ausgehen. Doch es lohnt sich, „verborgene Schätze“ auszugraben und für die Nachwelt zu erhalten.

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