Dülmener Heimatblätter

Herausgeber: Heimatverein Dülmen e. V.

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<< Heft 2, 2001

Wolfgang Werp

Zwei Städte gehen aufeinander zu

Zehn Jahre Städtefreundschaft Dülmen-Fehrbellin

(Schluss)

Werner Jostmeier und Karl Ridder haben in den letzten Heften der Dülmener Heimatblätter über die Vorgeschichte und Anfänge der Kontakte zwischen den beiden Partnerstädten aus ihrer Sicht berichtet. Mit einem Beitrag von Wolfgang Werp, dem langjährigen Vorsitzenden des Freundschaftsvereins Fehrbellin-Dülmen, werden viele andere Aktivitäten durch Vereine und private Initiativen bis hin zur Benennung des Fehrbelliner Platzes vor wenigen Wochen in Erinnerung gerufen.

Nachdem die Freundschaft zwischen Fehrbellin und Dülmen am 1. September 1990 durch die Unterzeichnung der Urkunde über die Städtefreundschaft durch die Vertreter der beiden Städte in einem Festakt im Dülmener Rathaus vollzogen worden war, galt es entsprechend dem Willen beider Städte, durch Begegnungen zwischen den Menschen gegenseitiges Vertrauen zu schaffen, um daraus eine dauerhafte Verbindung der verschiedensten gesellschaftlichen Gruppen und Organisationen zu gestalten. Wie Werner Jostmeier und Karl Ridder bereits aufgezeigt haben, liefen neben den verbindenden Schritten auf der landes- und kommunalpolitischen Ebene ab Herbst 1990 schon zahlreiche Aktivitäten und Hilfeleistungen der Stadtverwaltung, der Schulen, des Technischen Hilfswerks, der Stadtkapelle, der Freiwilligen Feuerwehr, der Sportvereine, der Jugendorganisationen und anderer Einrichtungen.

Den Reigen der Hilfsbereitschaft hatte das Stadtfest am 3. Oktober 1990 eröffnet. Es fand bei der Dülmener Bevölkerung eine begeisterte Resonanz und erbrachte einen Überschuss von etwa 30.000 DM, der wenige Wochen später an Bürgermeister Rudolf Gutschmidt und dessen Frau Elfriede überreicht wurde.

Am 29. Oktober 1990 folgte dann die Gründung des „Vereins zur Förderung sozialer Einrichtungen und Initiativen der Stadt Fehrbellin und Umgebung e. V.“ - später in „Freundschaftsverein Fehrbellin-Dülmen e. V.“ umbenannt -, zu der Bürgermeister Karl Ridder in einem Aufruf an die Dülmener Bürgerschaft eingeladen hatte. Im überfüllten Saal des Kolpinghauses erläuterte der Bürgermeister das vorrangige Anliegen des Vereins, im Rahmen der Freundschaftsvereinbarungen die weitere soziale Entwicklung der Stadt Fehrbellin und ihrer Umgebung ideell und materiell zu unterstützen. Dies solle nicht nur Aufgabe des Rates und der Verwaltung der Stadt Dülmen, sondern der gesamten Bürgerschaft der Stadt sein, um unsere Solidarität mit den Landsleuten in der ehemaligen DDR zu beweisen. In den Vorstand wurden Wolfgang Werp, Antonius Bödiger, Heinz Goßheger und Paul Kramer gewählt. Ihre Arbeit wurde von einem achtköpfigen Beirat unter Führung von Bürgermeister Karl Ridder und Stadtdirektor Heinrich Schenk begleitet.

Der Verein fand eine breite Unterstützung in der Bevölkerung und konnte in zahlreichen Förderansätzen, die durch Spendenaktionen der Dülmener Zeitung und anderer Gruppen nachhaltig unterstützt wurden, tätig werden. Einige weitere Aktionsbeispiele sollen dieses Engagement erläutern.

Die Hälfte des Erlöses aus den beiden Weihnachtskonzerten der Stadtkapelle Dülmen im Dezember 1990 in Höhe von 1.500 DM wurde für soziale Maßnahmen des Vereins in Fehrbellin zur Verfügung gestellt. Über ein bei der Sparkasse eingerichtetes Sonderkonto wurde eine DZ-Aktion „Spenden für Fehrbellin“ durchgeführt, die sich mehrere Wochen hinzog. Auch der Besuch von Frau Anne-Karin Glase aus Fehrbellin im Rahmen der Gesprächsrunde „Klöhn und Dröhn“ der Sparkasse unterstützte dieses Anliegen. Anlässlich des Interviews wurde auch bei dieser Gelegenheit ein Sparschwein herumgereicht, obwohl Frau Glase erklärt hatte, „wir wollen nicht nur Geld in Empfang nehmen, sondern auch persönliche Kontakte knüpfen“. Die DZ-Aktion ergab dankenswerterweise etliche tausend Mark an zusätzlichen Spenden.

In der Folgezeit entwickelten sich die Beziehungen lebhaft und auf den verschiedensten Schienen. Der Vorstand des Vereins besuchte im Februar 1991 Fehrbellin, um Schwerpunkte der gewünschten Förderung zu erkunden und in ausführlichen Gesprächen mit der Fehrbelliner Verwaltung, mit den Senioren im örtlichen Altentreff und mit Vertretern der Kirchen vor Ort Anregungen entgegenzunehmen. Bürgermeister Gutschmidt hatte zu diesem Anlass zahlreiche Bürger zu einer Gesprächsrunde ins Rathaus eingeladen. Als Schwerpunkte erbetener Unterstützung stellten sich schnell die Aufgaben der Alten-, Jugend- und Kinderhilfe als besonders dringend heraus. Gleichzeitig unternahmen die Dülmener Besucher unter fachkundiger Führung von Peter Stallknecht eine beeindruckende Wanderung um die Fischteiche im Rhinluch bei Linum zu den größten binnenländischen Rastplätzen von Kranichen, Gänsen und Enten.

Als weitere Höhepunkte der gemeinsamen Arbeit und Beispiele für die Vielfalt der Ansatzpunkte gemeinsamer Schritte sind zu nennen:


Die Werbegemeinschaft spendete 29.000 DM aus dem Erlös des Stadtfestes im Juli 1991 für den Förderverein. Josef Reichmann von der Werbegemeinschaft übergibt den Scheck an Wolfgang Werp. Anwesend waren als Gäste aus Fehrbellin die Ehepaare Bernd und Inge Ramin (links) so-wie Peter und Bärbel Baumgart (rechts).


Mitgliederversammlung am 9. Juli 1992; Der Vorstand des Förderveins: Heinz Goßheger, Antonius Bödiger, Wolfgang Werp, Bürgermeister Karl Ridder und Paul-Heinz Kramer (von links).

Über den als „Brückenbau von Fehrbellin“ weit bekannt gewordenen Brückenschlag über den Rhin durch das Technische Hilfswerk im April 1992 ist schon an anderer Stelle erinnert worden. Auch der benachbarte Stadtpark konnte mit erheblichen Mitteln des Freundschaftsvereins völlig durchforstet, neu bepflanzt und ausgestattet werden, um den Erholung suchenden Fehrbellinern Entspannung zu bieten. Gleichzeitig wurde der an der „Dülmener Straße“ sanierte Kinderspielplatz seiner Bestimmung übergeben.

Der Vorstand des Freundschaftsvereins reiste im Februar 1992 erneut nach Fehrbellin, um den Fehrbellinern anhand von Lichtbildern über Dülmen vor und nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg die Partnerstadt näher zu bringen. Die Veranstaltung im Rathaus von Fehrbellin fand ein großes Echo und diente gleichzeitig dazu, mit den Fehrbellinern über weitere Projekte zu diskutieren.

Immer wieder gaben Dülmener Chöre in Fehrbellin umjubelte Konzerte, deren Erfolge in nicht enden wollenden gelungenen Festen nachgefeiert wurden. Die Bürgermeister Gutschmidt und Ridder sind als Dank für ihre Verdienste um die Städtefreundschaft zu Ehrenmitgliedern im Sängerchor Loreley ernannt worden.

Im Oktober 1992 wurde anlässlich des Tages der Deutschen Einheit wieder der Dülmener Bürgertreff als „Fest der Freude“ gefeiert, zu dem Bürgermeister Klaus Fischer aus Fehrbellin mit einer großen Delegation angereist war. Musik und Tanz sorgten für eine ausgelassene Stimmung auf dem Marktplatz. Hervorzuheben ist eine viel besuchte Ausstellung von Grafiken und Zeichnungen des allen Dülmenern aus der DZ bekannten Karikaturisten Rudolf Schöpper. Auch in den Folgejahren war das Fest zum Tag der Einheit immer wieder eine gelungene gemeinsame Wiedersehensfeier der Dülmener mit den Fehrbellinern.


Der Vorstand des Fördervereins (Antonius Bödiger, Wolfgang Werp, Heinz Goßheger und Paul Kramer von links) anlässlich der Mitgliederversammlung im März 1993 mit den Mitgliedern des Beirats (Stadtdirektor Heinrich Schenk, Bürgermeister Karl Ridder, Dr. Hans Lemmen, Christian Wessendorf, Günter Vargel, Waltraud Bednarz, Heinz Ludger Püttmann und Manfred Molitor von links).

Anlässlich der Fehrbelliner Festtage im Juni 1993 gastierte die Theatergruppe des Clemens-Brentano-Gymnasiums mit dem turbulenten, an die Commedia dell’arte angelehnten Stück „Der Diener zweier Herren“ von Goldoni im Saal des „Fehrbelliner Hofes“. Die örtliche Presse schwärmte von der Darbietung und rühmte die mitreißende und schwungvolle Aufführung der Spielerinnen und Spieler um Regisseur Manfred Molitor. Im Oktober 1994 glänzte die Theatergruppe in Fehrbellin mit der eigenwilligen Darstellung des Lebens von Clemens Brentano unter dem Titel „Der andere Clemens“. Schließlich folgte im März 1998 Heinrich Heines „Deutschland — ein Wintermärchen“.

Nach den Jahren des Aufbaus und der Ausstattung mit notwendigen Anschaffungen verschoben sich die Aktivitäten der Vereinshilfen im Laufe der nächsten Jahre. Insbesondere die kommunale Neuordnung im Land Brandenburg im Jahre 1993 schnitt den alten Kreis Neuruppin neu und gliederte die Stadt Fehrbellin mit vielen umliegenden Gemeinden in das Amt Fehrbellin ein, das seinen Sitz im renovierten Rathaus von Fehrbellin nahm. Hierdurch ergaben sich neue politische Gewichtungen und ein von vielen Beteiligten bedauerter Einschnitt, der die offiziellen Kontakte mehr auf private und vereinsgebundene Beziehungen steuerte.


Eine Gruppe von 46 Austauschschülern aus Fehrbellin war im Juni 1996 in Dülmen.

Diese Entwicklung führte zu besonders intensiven Kontakten auf Vereinsebene: Ein solcher Höhepunkt des Miteinanders war im Sommer 1995 für den Angelsportverein „Dulmania“ das Sommernachtsangeln am Kettbachteich mit den Angelfreunden vom „DAV Fehrbellin“, das von Bruno Schmied schon seit längerem vorbereitet worden und dem im Vorjahr ein Besuch bei den seenreichen Fehrbelliner Gewässern vorausgegangen war.

Im Herbst 1997 gestaltete der Fehrbelliner Karnevalsklub im voll besetzten St.-Barbara-Haus einen spritzigen und humorvollen Bunten Abend, mit dem er sich für die vielfache Dülmener Unterstützung beim Ausbau der Fehrbelliner Naturschutzstation, der Anschaffung von Lexika für die Bibliothek und die Anlage eines Streetballplatzes bedankte. Höhepunkt des Programms war der Auftritt des „spanischen Männerballetts Bauchpfeifer“ und der „Preußischen Garde“.

Im Frühjahr 1998 wurde als weiterer Schritt zu einer Verselbstständigung aller gebündelten Initiativen der Freundschaftsverein formell aufgelöst, da die Mitglieder seine Hauptaufgabe als Stütze beim Aufbau in Brandenburg als erledigt ansahen und insoweit auf eine Normalisierung der gewachsenen Beziehungen im persönlichen und staatlichen Umfeld verweisen konnten.

Die Richtigkeit dieser Entscheidung wurde durch die weitere Entwicklung bestätigt: Zum Bürgertreff am „Tag der Einheit“ 1998 rollte Bürgermeister Klaus-Peter Rolf zur Überraschung der Dülmener Gastgeber mit einer Gruppe von Bikern an. Es wurde ein lebhaftes Fest gefeiert.


Die Bürgermeister Rolf (Fehrbellin) und Püttmann (Dülmen) pflanzen am 3. Oktober 2001 eine Eiche auf dem neu eingeweihten Fehrbelliner Platz in Dülmen.

Aus Anlass des zehnjährigen Bestehens der Städtefreundschaft fuhren im Herbst 2000 dreißig Dülmener Gäste nach Fehrbellin, wo die beiden Bürgermeister Klaus-Peter Rolf und Jan Dirk Püttmann gegenüber dem Rathaus eine Eiche pflanzten. Bei der abendlichen Festveranstaltung riefen sie in ihren Ansprachen die vergangenen zehn Jahre und die vielen hilfreichen und die Menschen verbindenden Aktivitäten in Erinnerung. Wie schon fast gewohnt weilte auch eine kleine Dülmener Delegation, begleitet von einer Abordnung der Bürgerschützen, zu den Fehrbelliner Festtagen 2001 in der Mark Brandenburg. Im August verbrachten vierzig Senioren aus Fehrbellin ein Wochenende bei ihren Freunden von der Christlichen Rentnergemeinschaft Dülmen.

Schließlich folgte am 3. Oktober 2001 das schon traditionelle Dülmener Stadtfest. Morgens trafen sich Offizielle und Gäste mit der Dülmener Bürgerschaft am „Fehrbelliner Platz“ im neuen Stadtquartier Bendix, der in einem feierlichen Akt seiner Bestimmung übergeben wurde. Hier wurde von den Bürgermeistern eine von den Fehrbelliner Gästen geschenkte Linde gepflanzt, um die Verbundenheit der beiden Städte Dülmen und Fehrbellin auch für die nächste Generation symbolisch zu dokumentieren. Bürgermeister Rolf betonte in seiner Ansprache: „Diese Partnerschaft zwischen unseren Städten ist ein lebendiger, aktueller und zukunftsbezogener Bestandteil des Lebens der Menschen in unseren Städten geworden. Dass dieses Jahrzehnt für beide Seiten so positiv und erfolgreich gestaltet werden konnte, verdanken wir allen, die sich unserer Städtepartnerschaft so intensiv gewidmet haben. … Aus dem damaligen Wagnis wurde Normalität. Aus der Normalität entstand Zusammenarbeit. Aus der Zusammenarbeit wuchs Freundschaft.“

Möge die Städtefreundschaft zwischen Fehrbellin und Dülmen mit der westfälischen Eiche und der märkischen Linde um die Wette wachsen und gedeihen.

Fundstellen:

Beatrice von Weizsäcker, Verschwisterung im Bruderland. Städtepartnerschaften in Deutschland, Bouvier-Verlag Bonn 1990, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) vom 10. Dezember 1990.

Carl-Albrecht von Treuenfels, Erst rasten, dann hasten, in: FAZ vom 19. Oktober 2001.

Wir sind ein Volk — Schlaglichter einer Partnerschaft, herausgegeben vom Kreis Coesfeld, Oktober 1994.

Stadtarchiv Dülmen, Bestand Freundschaftsverein Fehrbellin — Dülmen.

Wolfgang Werp, Brücken bauen nach Fehrbellin, in: Dülmener Zeitung vom 9. September 1999 — Verlagsbeilage „125 Jahre Dülmener Zeitung“, Seite 32.

Wolfgang Werp, Zum Tag der Einheit am 3. Oktober 1991, in: Treffpunkt Dülmen, Oktober 1991.

Berichte der Dülmener Zeitung und des Ruppiner Anzeigers von 1990 bis 2001.

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