Dülmener Heimatblätter

Herausgeber: Heimatverein Dülmen e. V.

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<< Heft 2, 2003

Günter W. Peters

De Tied bie’t Kammiß

Von den Fliegerhorst in Jever kaimen wie in eene Kaserne in Hamburg-Wandsbeck, wo wie ’ne tiedlang uutbild wuorden. Dä, dann gaonk et los, Guott Dank, et gaonk nich an de Front, nee, wie wuorden met Veehwaggons nao Dänemark, an de Speckfront bracht. In den Waggon, wao ick indellt wuor, wassen all Saldoten von de Luftwaffe, de uut Mazedonien kammen un Koffer vull Tabak methadden. Dat duerden nich lange, dao hadden wie’ne Zigarettenfabrik. Twee Mann schneeden den Tabak, een annern dai blos de Messers schliepen. Met’n Maschinken wuorden de Zigaretten draiht un een annern schnee ’de Enden glatt aff.

Äs wie dann üöwer de Grenze wüören un den Zug mankst anhaollen moß, dann sprung eenen haruut un verkoffden de „Drehnussi“-Zigaretten gieggen Braud, Käse un Kooken. Dat fette Wiärks wassen wie jä nich miähr gewuent, un so kreegen wie allbieneen eenen „Flotten“. In so’n kleinet Öertken — Vorbasse — in Mit-Jütland was usse Endstation. Unnerbracht wuorden wie in eene schöne graute Schole. Alle Klassenrüme un auk de Turnhalle wassen beleggt met Saldoten von Luftwaffe un de Marine. Wie gehöerden jä bie de ganz Jungen, de Annern aower, dat wassen Oberbootsmannsmaate, Maschinen-Obergefreite, un Feldwebel, de all manksten tain Jaohre bie de „Firma“ wüören.

Jau, un wat mooken wie dao in Dänemark, wie mossen Wache schuben, dat us nicheen klauden, un wie wuorden uutbildt an 8 cm Granatwerfer, „Bumseer“ un an schwaore MG’s. De Lüde dao, de wassen wahne fröndlik tieggen us. Wann wie Maketenderware kreegen, wao jä auk de Schmailerie biegehöerden, dann konn et sien, dat man in’n Huus inladen wuor. Dann kaim wat to iätten up den Dischk, aower auk eene Pull met Aquawit. Dafüör kreegen de dann uuse „Sulima“-Zigaretten, de dao wull wahne knapp wüören. To iätten kreegen wie auk von de Kompagnie genoog. Et hedden jä nich ümsüß „Speckfront“. Nachts mossen wie manksten heruut un nao de Fallschirme kieken, de von de Briten affschmietten un von us dann socht wuorden. Wie häfft nie wecke finnen konnt, wildat de von de Widerstandsbewegung alls all verbuddelt hadden. Tüskendüör sind auk all Flüchtlinge uut de besett’ten Ostgebiete in dat Städtken evakueert wuorden. Wao de unnerbracht wassen, dao kann ik mie nich miähr up besinnen.

Jä, un dann kaim de Kapitulation, den 8. Mai. Dao mossen wie de Waffenkammer lierig maaken un dar ganze Wiärks sprengen. Een Maat von de Marine har eene harmlose Niewwel-Handgranate afftrocken un drai Meter vüör us henleggd. Dat Dingen qualmden aower nich blos, nee dat fluog us üm de Ohren, wildat de Kiärl dao eene scharpe Sprengkapsel indaohen har. Son kleinen Flüchtlingsjung har dat ganze Ächterdeel vull Splitter, den Maat söelwst har Splitter in de Lunge un ik har een Splitter in dat linke Knai affkrieggen, un konn daorüm nich miähr laupen. Jau, un dann kaim den Marsch in de Gefangenschaft. Dat hett, ik gehöerden jä bie de Footkranken un bin met mehrere Kranke up’n LKW bäs an de Grenze bracht wuorden, wao us de Engländer in Empfang naihmen. Vüörher mossen wie usse Karabiner 98 K ohne Schlott up riesige Haupen stapeln.

Von de Grenz uut gaong et nao Niebüll un dann wieder nao Kotzenbüll bie Tönning, wo wie up’n grauten Buerenhoff unnerbracht wuorden, de aower nich füör usse Verpflegung tostännig wassen. Von de Kompagnie gaff et hier män blos Watersupp un dat kaim us laige an, wildat wie jä von Dänemark dat anners wüent wüören. Wie sind dann faken 3 km bäs Tönning laupen un häfft us dao frischke Krabben von de Krabben-Kutters halt, de wie dann unerweggens all vüör lutter Smacht uutpulden.

Dann kaimen de eersten Gerüchte von de „Entlassung“ up. Biärglü un Landwirte söllen äs Eerste entlaoten werden. Üm daobie to gehöeren häff ik mie äs landwirtschaftlichen Kaupmann meldt, un dat klappden dann auk.

Verabschiedung, Marschverpflegung affhalen un dann gaonk et eerst bäs Tönning, dann wieders nao Heide in Holstein, wo wie in Telte üöwernachden mossen. Jau, un in dat graute Lager wassen dao elf Dülmske. Ennige Naomen weet ik noch: Heinz Huesmann, Franz Lewe, Bobby Bromen, Karl Ladwig un Bernhard Idelmann. Jau, un Natz Idelmann kuorkden sik dao een Miälksüppken un menden, dat wie jä met elf Mann eene Dülmske Footballmannschaft losmaaken können. Nao’n paar Daage gonk et dann nao den Bahnhof, Gepäckkontrolle, Fahrt nao Wunstorf in een grautet Lager. Dann wuorden wie met LKW bäs Mönster föehrt, wo wie in de Naigde von eene Taigelerie Verpflegung empföngen. Jä, un dann moß jeddereen män saihen wu he nao Husse kaim.

Met usse Gepäck marscheerden wie dann los un Heinz Huesmann kannden dao in de Naigde eenen Bueren, de us eerst äs met ne riesige Panne vull Braotkatuffeln beglückde un us nao dat Iätten met ’ne Kutschk bäs an de B 51 broch. Jau, un dann mossen wie ennige Kilometer laupen, bäs us dann een englischken Saniwagen upnaim, de us bäs Appelhülsen metnaim, wildat he dao nao Nottuln affbaigen moß. Äs wie jüst uutstieggen wassen, dao haoll an de annere Siete een PKW, de Gleewe wuor losmaakt un dann kaim de Fraoge: „Kennen sie einen Bernhard Idelmann?“ Antwort: „Jau, de kenn wie wull, aower de kümpt nu noch nich met.“ Jau, un dann — draihden den Wagen üm, wie können instiegen un et gonk Richtung up Dülmen to. Dä, plötzlik bleew dat Auto staohn, wildat den Sprit alle was. Jau dat was laige, wie stonnen dao tüschken Bullern un Dülmen. Dao saogen wie in een Huus, wat so’n Stück von de Straote wegg lagg, noch Lecht, jau, dao wassen englischke Saldoten. Ik was den Jüngsten un moss dao nu hen un nao Sprit fraogen. Ik konn jä kin Englisch, dat hadden wie in de Volksschol nich liährt. Dao häff ik saluteert, äs ik dat bie den Barras liährt har un sagg blos „Sprit for se Car“. Jau, un de Tommys lachden un haollen een Kanister met Benzin, de se mie in de Hand daihen. Nao dat Auto trügge, den Tankdierkel loss un dann wuor ümfüllt. Ik sagg: „Daomet kuemm wie doch bäs Dülmen.“ Dao sagg Max S.: „Kipp män drup, so billig kuemm wie nich wier dran.“ Ja, dann kaim auk all eenen von de Briten un wull den fast lierigen Kanister wierhalen. Wie häfft dankeschön säggt un dann gonkt nao Dülmen. Jä, un dao hüelden auk all de Sirene „Sperrstunde“. Jau, aower wie mossen jä in de Stadt un et gonk üöwer den Krüßwegg. Dann föehrden Max S. in siene Garage. Jau un wie kreegen jeddereen een Zigarille, un dat wie dao kinne Nikotinvergiftung von krieggen häfft, dat wünnert mie Vandage noch. Dann mossen wie nao de Polßei, de in dat Huus von Frie wassen un us anmelden. Eenen von de Polzisten was’n aollen Bekannten von mien Vader, de mie dann nao Huss henbrachden. Wie gongen den Krüßwegg herunner, dann üöwer de Wette nao de Lünkerstraot. Miene Ellern fraiden sik, äs ik met mien Gepäck vüör de Düör stonn, dat eenen von de Jungs wier an’n Husse wüör.

Blick vom Marien-Platz auf das Lüdinghauser Tor (1945)
Blick vom Marien-Platz auf das Lüdinghauser Tor (1945).

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