Dülmener Heimatblätter

Herausgeber: Heimatverein Dülmen e. V.

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<< Heft 2, 2003

Marlene Furkert

Die Entstehung des neuen Bulderner Hungertuchs

Vor 10 Jahren bereitete der Kunstkreis für die Fastenzeit Bilder und Objekte mit dem Thema "Trauer, aber auch Hoffnung" vor, die während der Fastenzeit in der Pfarrkirche St. Pankratius von Herrn Pastor Rohlmann in seinen Fastenpredigten besprochen wurden. Aus einem dieser Bilder "das Weizenkorn wird in die Erde gelegt und bringt reiche Frucht" entstand später das allen Buldernern bekannte, kunstvoll gestaltete Fenster in der neuen Einsegnungshalle auf dem Friedhof, das von den Kunstkreismitgliedern Adolf Messing und Marlene Furkert erstellt wurde.

Ende des Jahres 2001 stellte der Kunst- und Kulturkreis in seiner alljährlichen Ausstellung in der Alten Kirche unter dem Thema "Alte Kirche im Wandel der Zeit", unter anderem Teile des alten Hungertuches aus dem 17. Jahrhundert als Computergrafiken von Marlene Furkert aus. Dieses nahm Pastor Alois Rohlmann zum Anlass den Kunst- und Kulturkreis zu bitten, doch für Buldern ein neues Hungertuch zu erstellen. Es ist ein alter Brauch in den Gemeinden während der Fastenzeit den Hochaltar mit einem Tuch zu verdecken.

Schon bei der nächsten Zusammenkunft waren alle von dem Gedanken begeistert beim Thema „Hungertuch“. Viele Vorschläge wurden zur Gestaltung gemacht und der Pastor gab zu den aktuellen Themen der Kirchengemeinde noch einige Anregungen, so dass hieraus ein grobes Konzept entstand. Diese Ideen in einen konkreten Entwurf umzusetzen, gestaltete sich nicht so einfach. Das Hungertuch sollte nun aus fünf Tüchern bestehen, die durch schmale Tuchstreifen mit einander verbunden werden sollten. Das mittlere Tuch sollte jedoch oben und unten überstehen, so dass eine Kreuzesform entstand. Dies hatte aber zur Folge, dass sich die Aufhängung als schwierig erweisen sollte. Die gewählten Größen der Tücher sollten sich nach dem Ausmaß des Chorraumes der Kirche bemessen. Die liturgischen Farben violett, gelbgrün und dunkelrot wurden gewählt und von außen nach innen hin angeordnet.

Ein schwarzer Kreuzesbalken, ähnlich dem Coesfelder Kreuz soll als integrierendes Element den optischen Zusammenhalt bewirken. Doch wie sollen die vorhandenen Hungertuchteile aus dem alten Bulderner Tuch als Fremdkörper mit eingearbeitet werden und wie kann man das „Alte“ mit dem „Neuen“ verbinden?

Eine Verbindung mit dem Kreuzesbalken gestaltete sich sehr schwierig, zumal noch weitere Flächen von den einzelnen Künstlern gestaltet werden sollten. Hier sollten die Themen Leid, Tod, Hoffnung, Barmherzigkeit in moderne Symbole umgesetzt werden, wobei jeder beteiligte Künstler seine eigenen Gedanken und Darstellungsweisen beibehalten sollte. Dennoch musste alles als eine Einheit wirken.

Unter mehreren anderen erarbeiteten Vorschlägen von Ingrid Potthast und Reinhard Homann wurde der von Adolf Messing, Marlene Furkert und Hans Streitenberger erarbeitete oben gezeigte Vorschlag nach angeregter Diskussion mit Kunstkreis-Mitglied Mia Schmidt in beratender Funktion und allen Beteiligten angenommen, so dass auf dieser Basis weiter gearbeitet werden sollte. Wegen der Größe des Tuches wurden die weiteren Arbeiten an den Wochenenden in den Kunstraum der Hauptschule verlegt, der von der Schulleitung zur Verfügung gestellt wurde.

Dann ging es los: Holzrahmen wurden zusammengeschraubt, weißes Leinen und Seidenmalfarben besorgt, die Stoffe auf die Holzrahmen gespannt, Farben gemischt und mit der Seidenmalfarbe grundiert. Nach dem ersten Trocknen wurde mehrmals nachlasiert, um die gewollten Farbeffekte zu erreichen. Danach waren die Künstler gefragt, ihre Symbolideen aufzubringen: Die Wunde von Paul Weimann, der Tod von Joana Sadkiewicz, die Dornenkrone mit Weltkugel von Adolf Messing, die Palme mit Brücke von Astrid van Lendt und die gebende Hand von Hermann Maas. Die einzelnen Motive „Alt“ und „Neu“ wurden nun mit schmalen aufgeklebten Tuchstreifen verbunden. Um letztendlich eine Farbharmonie zu erreichen, wurde zwischendurch immer wieder nachlasiert, damit sich alles harmonisch zusammenfügte.

Monika und Horst Ebert übernahmen nun die schwierige Aufgabe die fünf übergroßen Tücher zusammenzunähen. Währenddessen kümmerten sich Reinhard Homann und Hans Streitenberger um die Aufhängekonstruktion. Es wurde eine sechs Meter lange stabile Aluminiumstange besorgt, an der später die Tücher an eingenähten Holzstäben mit Schnüren befestigt wurden. Die Aufhängung mit starken Bändern erfolgte nun durch vorhandene Öffnungen auf dem über 30 Meter hohen Kirchengewölbe im Chorraum der Pfarrkirche St. Pankratius unter Anleitung des Kirchenvorstandsmitgliedes Jochen Mattern.

So konnte am Aschermittwoch, dem darauffolgenden Tag, den Gemeindemitgliedern das neue Bulderner Hungertuch vom Pastor Rohlmann vorgestellt und erklärt werden.

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