Dülmener Heimatblätter

Herausgeber: Heimatverein Dülmen e. V.

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<< Heft 2, 2003

Wolfgang Werp

Neuerscheinungen

Heinz Brathe/Bernhard Frings, „Lebendige Gemeinde“ — 1200 Jahre St. Viktor in Dülmen, Dülmen 2003

In einer für die Erforschung der Dülmener Stadtgeschichte bedeutsamen Erweiterung der ersten Darstellung der Entwicklung der Kirchengemeinde St. Viktor in Dülmen, die schon im Jahre 1958 von Heinz Brathe erarbeitet und veröffentlicht worden war, haben die beiden Koautoren nunmehr in einer Neuauflage anlässlich der etwa 1200jährigen Geschichte der ersten Dülmener Kirchengemeinde das lange vergriffene Werk in schmucker Aufmachung und auf den neuesten Stand fortgeschrieben vorgelegt.

Der erste Teil des Buches umfasst von wenigen auf Grund neuester Erkenntnisse geänderten oder ergänzten Passagen abgesehen Heinz Brathes fachkundige Darstellung von 1958, die die Zeit von etwa 800 bis zur Aufhebung des Stiftes St. Viktor im Jahre 1811 behandelte. Im zweiten Teil stellt Bernhard Frings darauf aufbauend die wichtigsten Ereignisse im 19. und 20. Jahrhundert beeindruckend dar. Hierzu war er aufgrund seiner bereits vorliegenden Studien zu den Dülmener sozial-caritativen Einrichtungen besonders prädestiniert.

Die prägenden Ereignisse im Laufe der wechselvollen Entwicklung der Kirchengemeinde St. Viktor kann der Leser aus der umfassenden Chronik entnehmen und sich ihre Bedeutung und Wirkung für die Dülmener Bevölkerung und über den Dülmener St. Viktor-Kirchturm hinaus für die weitere Entwicklung des Verhältnisses von Kirche und Gesellschaft eröffnen. Insofern passt die jetzige Veröffentlichung zu den gerade in vielen Schwerpunkten erinnerten Ereignissen der Landesgeschichte um die Aufhebung der etwa 165 Fürstbistümer, Klöster und Stifte vor etwa 200 Jahren durch die Säkularisation als Folge der Verarbeitung der Gedanken der französischen Revolution und der europäischen politischen Neuorientierung nach den napoleonischen Kriegen. Diesen Ansatz hat Bernhard Frings in der Einleitung zu seiner Gesamtschau auch bereits durch die weiteren Zitate der Schlagworte Ultramontanismus, Kulturkampf, NS-Kirchenpolitik, Wiederaufbau und Wirtschaftswunder und konziliares Kirchenbild in den Vordergrund gerückt und anschließend in Schwerpunkten ausführlich erläutert.

Zudem sind zur Abrundung des mit vielen Bildern und Urkunden dekorativ umrahmten Werkes in einem kurzen Ausblick das Modell der geplanten Sanierungs- und Umgestaltungsmaßnahmen an der St. Viktor-Kirche vorgestellt und bemerkenswerte Stücke der Ausstattung in St. Viktor von Heinz Brathe in bewährter Art erläutert worden. Schließlich sind in einem Anhang Geistliche an St. Viktor und Personen im Dienst der Gemeinde ehrend erwähnt worden. Diese Neubearbeitung der Gemeindegeschichte von St. Viktor in Dülmen wird allen interessierten Dülmenern mit Nachdruck empfohlen.

Jahrbuch Westfalen 2004, herausgegeben vom Westfälischen Heimatbund, Redaktion: Rainer A. Krewerth (†), Münster 2003

Bevor Rainer A. Krewerth nach langer Krankheit im März 2003 verstarb hat er noch das Jahrbuch Westfalen 2004 in seinen Leitthemen konzipiert. Wie in den Vorjahren ergibt sich eine attraktive Mischung westfälischer Themen: Zunächst widmet sich ein Schwerpunkt der Geschichte eines der ältesten westfälischen Bauernhäuser, des Vollmer-Hofs im sauerländischen Winkhausen. Weiter wird über die Klosterregion Höxter-Paderborn berichtet. Schließlich ist der Leser zu einer Rundreise in kleine westfälische Museen eingeladen. Es folgen zeitgeschichtlich-biographische Beiträge, z. B. über die Familie der von Plettenberg-Heeren oder über den bekannten ehemaligen Langstreckenläufer Harald Norpoth aus Telgte. Umrahmt werden die abwechslungsreichen Beiträge durch aufschlussreiche Fotos und Zeichnungen sowie Gedichte westfälischer Heimatpoeten. Es lohnt sich wieder einmal mit dem Jahrbuch Westfalen 2004 gedanklich eine Reise durch ausgewählte westfälische Landschaften anzutreten.

Dr. Elfi Pracht-Jörns, Jüdisches Kulturerbe in Nordrhein-Westfalen, Teil IV: Regierungsbezirk Münster, Band 1.2 der Reihe Beiträge zu den Bau- und Kunstdenkmälern von Westfalen, herausgegeben von Eberhard Grunsky, Köln 2002

Dieses fast 600 Seiten umfassende und mit immensem Fleiß zusammengetragene Werk über die Entwicklung und den Stand der jüdischen Sachkultur in Westfalen ist eine Fundgrube für jeden Leser oder gar Forscher zu Fragen der jüdischen Geschichte und Tradition in unserem Landesteil. Das von der Landesregierung 1993 initiierte Projekt hat sich eine möglichst umfassende Darstellung der materiellen Zeugnisse jüdischer Kultur in Nordrhein-Westfalen zum Ziel gesetzt. Wie im Vorwort vom Herausgeber erläutert, sind Synagogen, Beträume, Bäder, Friedhöfe, Ritualgegenstände, Schulgebäude, Sozialeinrichtungen und auch vereinzelt Wohn- und Geschäftshäuser jüdischer Familien Gegenstand der Dokumentation, die heute noch erhalten oder in den Wirren des nationalsozialistischen Deutschen Reiches als Auftakt zum Völkermord vernichtet worden sind. Die von der Verfasserin mit großem Engagement zusammen getragenen und erläuterten jüdischen Kulturgüter werden gründlich und verständlich vorgetragen.

Aus dem Kreis Coesfeld sind nach umfangreichen Recherchen Daten und Objekte in Ascheberg-Herbern, Billerbeck, Coesfeld, Dülmen, Havixbeck, Lüdinghausen, Nottuln, Olfen und Rosendahl-Osterwick und Rosendahl Darfeld zusammengetragen worden. Für den Dülmener sind natürlich hiesige Bezüge von besonderem Interesse. Auf sieben Seiten werden nach einem Überblick zur örtlichen Geschichte der Judenschaft die Synagoge an der Münsterstraße, die jüdischen Friedhöfe sowie Wohn- und Geschäftshäuser jüdischer Familien vorgestellt. Abbildungen zeigen die Synagoge, den jüdischen Friedhof am Kapellenweg mit den Gräbern, mit dem eindrucksvollen Mausoleum der Familie Bendix in Gestalt eines dorischen Tempelchens und mit dem von der Familie Schlieker nach dem 2. Weltkrieg überlassenen Eisengitter am Eingangstor. Dazu kommen Bilder vom Wohnhaus der Familie Ernst Leeser, von einer Bauzeichnung für das Haus des Viehhändlers Simon Baumgarten an der Burgstraße und schließlich vom seit 1939 als Ghettohaus genutzten Wohnhaus der Geschwister Stern an der Coesfelder Straße. Abschließend werden in den Verzeichnissen Materialien zu jüdischen Denkmälern, zu jüdischer Kunst und zu regionalgeschichtlicher sowie ortsgeschichtlicher Literatur angeboten. Das profunde Werk erleichtert jedem Leser eine vertiefende Beschäftigung mit dem jüdischen Kulturerbe Westfalens.

Günter Scholz, Anna Katharina Emmerick — Kötterstochter und Mystikerin, Münster 2003

Anna Katharina Emmerick (1774 – 1824), deren Grab sich in der Krypta der Dülmener Heilig-Kreuz-Kirche befindet, beschäftigt die Dülmener seit fast zweihundert Jahren. Bei der Vorstellung des neuen Buches über die Mystikerin des Münsterlandes von Günter Scholz wurde ein merkwürdiges Faktum offen angesprochen: „Mit Dichtern und Denkern aus aller Welt stand sie in Kontakt, doch in Dülmen begegnete man ihr eher reserviert“. Es ist ein Anliegen des Verfassers, hier zu einem Umdenken beizutragen und einer größeren Öffentlichkeit den Zugang zu der Kötterstochter aus der Bauerschaft Flamschen bei Coesfeld und der späteren Ordensfrau zu erleichtern. Dem Dülmener Leser muss die seit 1812 stigmatisierte Nonne nicht weiter vorgestellt werden. Es sei aber drauf hingewiesen, dass die von Scholz herausgearbeiteten Einblicke in das Leben dieser Frau, insbesondere in ihre zwölf Jahre währende Leidenszeit und ihren Umgang mit diesem Schicksal auch aus heutiger Sicht helfen können, sich den Fragen nach dem Sinn des Lebens zu stellen und schwierige Lebensphasen zu meistern. Gerade im Blick auf den nun wohl bevorstehenden positiven Abschluss des kirchlichen Verfahrens und die in Kürze zu erwartende Seligsprechung der Emmerick soll das Werk ihren Verehrern und denen, die sich um ihr Verständnis bemühen, empfohlen werden.

Günter W. Peters, Geschichten aus der alten Stadt, Dülmen 2003

Im Jahre 1997 hatte Günter W. Peters seinen im ersten Teil mit 20 eigenen Federzeichnungen geschmückten plattdeutschen Klassiker „So wöer’t fröher in Aolt Dülmen“ herausgebracht, den er im zweiten Teil um schon in 12 Folgen in den Dülmener Heimatblättern (Jahrgänge 1992 – 1998) veröffentlichte Geschichten aus Alt-Dülmen ergänzt hatte. Das Büchlein war seit langem vergriffen. Nun hat der Verfasser auf vielfachen Wunsch der in der plattdeutschen Sprache nicht so geübten Dülmen-Fans eine Neuausgabe des zweiten Teils in hochdeutscher „Übersetzung“ folgen lassen. Mehrere ebenfalls in den Dülmener Heimatblättern (Jahrgänge 1999 – 2003) vorgestellte Erzählungen wurden hinzugefügt. Der Leser begleitet den Autor bei seinem eindrucksvollen Rundgang auf den Wällen der Stadt und durch die noch holperigen Straßen Alt-Dülmens und versetzt sich in die „gute alte Zeit“. Die aus verschiedensten Bereichen des örtlichen täglichen Lebens entnommenen, zu amüsanten Geschichten verwobenen Themen über die Handwerker, die Schützenvereine, die Dülmener Originale, die alten Schulen oder die Rituale bei der Gartenarbeit und beim Hausschlachten bieten für Alt- und Neu-Dülmener eine abwechslungsreiche Lektüre, wenn auch der Reiz des Vergangenen in der Erstausgabe dank der plattdeutschen Fassung der Texte und der eingestreuten Federzeichnungen von Alt-Dülmener Gassen, stillen Winkeln und Baudenkmälern viel deutlicher wurde.

Brigitte Kramer, Freizeitspaß und Schwimmvergnügen, Geschichte des öffentlichen Badewesens in Dülmen, herausgegeben von Dr. Friedrich Wilhelm Hemann in der neuen Reihe Archiv Dülmen, Band 1, Dülmen 2002

Die über hundertjährige Geschichte des öffentlichen Badewesens in Dülmen hat von 1895 bis heute einen vielfältigen Verlauf genommen. Nach der Erweiterung des städtischen Frei- und Hallenbades „düb“ im Jahre 2002 mit der Eröffnung des so genannten „Wellness-Vital-Bereiches“ lohnte sich ein Rückblick in die Vergangenheit. Die Münsteraner Historikerin Brigitte Kramer hat diesen Sprung in den Fluss der Geschichte getan und interessante Entdeckungen gemacht. Mit der Arbeit sollte nach ihren Worten ein Thema untersucht werden, „zu dem jeder Mensch, der gern badet (und wer tut das nicht?), einen direkten, persönlichen Zugang hat“.

Die Verfasserin lässt zunächst die Geschichte des deutschen Badewesens Revue passieren, befasst sich dann ausführlich mit der Entstehung des „düb“, schildert die Entwicklung der Baderei in Dülmen von der Wasch- und Badeanstalt am alten Ostdamm über das Strandbad Hausdülmen und auch das Brausebad in der Overbergschule, um endlich engere Bademöglichkeiten in Buldern und Rorup und eine ausführliche Darstellung des kleinen Hallenbades am Hüttendyk in die Betrachtung einzubeziehen. Zahlreiche Fotos, Plakate, Anekdoten aus dem Munde eines langjährigen Bademeisters, Zeitungsausschnitte, Aktenvermerke und Illustrationen aus dem Fundus des Dülmener Archivs runden den vorzüglichen Rückblick ab. Sie dokumentieren am Beispiel des Badens eine lohnende zeitgeschichtliche Reise von der alten Bade- und Waschanstalt zum „düb-Wellness-Vergnügen“, bei dem allerdings „das Einzelbad im Bassin zu fünfundzwanzig Pfennig und zwölf warme Bäder zu sechs Mark“ nicht mehr zu haben sind.

Michael Schmitt, Westfalia Picta, Band VI, Münsterland, Erfassung westfälischer Ortsansichten vor 1900, herausgegeben vom Institut für vergleichende Städtegeschichte an der Universität Münster, Münster 2002

Der Bildband bündelt historische Ansichten von Städten, Dörfern, Architekturensembles oder Gebäuden. Aufgezeigt werden alle erreichbaren Bilderzeugnisse zur westfälischen Topographie, die vor 1900 in künstlerischen Techniken entstanden sind. Es handelt sich also um Zeichnungen, Gemälde, Druckgraphiken, und um Porzellanmalereien aus der Region Münsterland, die bekanntlich die Kreise Borken, Coesfeld, Steinfurt und Warendorf umfasst. Alle Bildzeugnisse sind alphabetisch nach Gemeinden geordnet, so dass sich die den Leser interessierenden Funde schnell ermitteln lassen. Unter den insgesamt etwa 600 Bildquellen ist Dülmen selbst mit 22 Werken und 9 Abbildungen vertreten. Für den interessierten Laien birgt der Bildband somit eine Fülle von Ansichten und ergänzenden Erläuterungen westfälischer Städte, Dörfer und Herrenhäuser, die einen Blick zurück in vergangene Epochen zulassen und die Entwicklung der Bau- und Kulturgeschichte des Münsterlandes veranschaulichen.

300 Jahre Schule in Hiddingsel, 1702 – 2002, Auszüge aus dem ersten Band der Schulchronik der St. Georg-Grundschule in Hiddingsel, herausgegeben von der Dorfgemeinschaft Hiddingsel, Dülmen 2002

Unter Federführung der Schulleiterin M. Gockel haben die Hiddingseler markante Ereignisse aus der dreibändigen, im Jahre 1892 beginnenden Schulchronik zusammengestellt und in einem Bändchen in die Erinnerung gerufen. Nach umfangreicher, zeitraubender Übertragung der Chronik aus der Sütterlin-Schrift ist ein kleines Dokument entstanden, in dem sich die Vergangenheit des Dorfes in Auszügen widerspiegelt. Von der Schülerbücherei bis zum Kriegerheimkehrfest, von der Einweihung der neuen Schule bis zur Maikäfersammlung, von den Elternabenden bis zur Spartakistengefahr usw. reichen die in der Chronik festgehaltenen Ereignisse. Da hilft nur eins: Zugreifen und stöbern!

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