Dülmener Heimatblätter

Herausgeber: Heimatverein Dülmen e. V.

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<< Heft 2, 2004

Justin Maasmann

Heimatverein Merfeld

Heimatkulturelle Aktivitäten und auch ein neues Wappen

Merfeld liegt in der Merfelder Niederung, einer wasserreichen Kleinregion zwischen den Baumbergen und der Hohen Mark. Das Gesicht des Ortes war in der Nachkriegszeit einem starken Wandel unterworfen. Noch in den 50er Jahren prägten die jahrhundertealten nachbarschaftlichen Gehöftgruppen um den mittigen Esch das Bild. Die bäuerlichen Drubbel im Norden bildeten die Bauerschaft Merode; bei den Hoftrupps im Süden sprach man von Merfeld. 1975 wurde die bis dahin selbstständige Gemeinde Merfeld Ortsteil der neuen Stadt Dülmen. Die schon vor der kommunalen Neugliederung begonnene Siedlungsentwicklung durch Ausweisung neuer Baugebiete auf dem zentralen Esch wurde fortgeführt, so dass sich bis zur Jahrtausendwende das Bild einer geschlossenen Ortslage zeigte.

Wie in anderen Ortsteilen Dülmens, wo sich Heimatvereine und Ortsgemeinschaften bildeten, ergaben sich auch in Merfeld Bestrebungen, neben den bestehenden Vereinen mit ihren speziellen Anliegen, einen Heimatverein zu gründen, der sich in einem umfassenderen Sinn mit der Geschichte und Entwicklung des Ortes, mit seiner Umgebung, mit der Pflege von Gemeingeist und Gemeinschaft und mit Brauchtum wie dem Aufstellen des Maibaums kümmern sollte.

Auf Betreiben insbesondere der Ortsvorsteherin Hedwig Kuhmann versammelte sich eine stattliche Zahl von Bürgern am 27. Oktober 2000 im Saal der Gaststätte „Zur Post“. Die Gründung eines Heimatvereins war schnell beschlossene Sache. Zur Vorsitzenden wurde Hedwig Kuhmann gewählt; ihr Stellvertreter wurde Norbert Lohmann. Zum ersten Vorstand gehörten als Schriftführerin Elisabeth Springeneer sowie als Kassiererin Agnes Kersen. Justin Maasmann, Sabine Rathe und Herrmann Wensing komplettierten als Beisitzer das Gremium. Dass die Gründung des Heimatvereins Neigungen in der Bevölkerung entgegenkam, belegt wohl die schnell wachsende Zahl der Mitglieder. Von zunächst 52 Interessierten wuchs der Verein in den ersten Jahren seines Bestehens auf 181 Mitglieder im Jahr 2004.

Im vergangenen Jahr (2003) trat ein neuer Vorstand in veränderter und erweiterter Zusammensetzung an. Nach dem Ausscheiden Elisabeth Springeneers auf eigenen Wunsch fungiert nunmehr Justin Maasmann als Schriftführer. Um die gewachsenen Aufgaben zu bewältigen, wurde der Vorstand um Mechthild Bohmert, Alfons Kleinschnieder und Heinz Mensmann erweitert.

Entsprechend den Zielen der Satzung bereicherte der neue Verein das dörfliche Leben durch mannigfaltige Aktivitäten. Ein Ziel war es, den Ort, seine Geschichte und Entwicklung bewusster zu machen. Als Beitrag, den Ort bewusster zu erleben, war 2001 der sehr gut besuchte Abendgang auf das Gelände des Hauses Merfeld zu sehen. Erbprinz Rudolf von Croÿ selbst führte die Heimatfreunde über das Gelände des geschichtsträchtigen Anwesens. Eine insbesondere auf Betreiben Hermann Wensings und Alfons Kleinschnieders entworfene Schautafel zur baulichen Entwicklung der mittigen Ortslage bot 2003 alt eingesessenen Bürgern wie Neubürgern die Möglichkeit, das Werden des Dorfes nachzuvollziehen. Ausflüge in die Umgebung dienten dem Erkunden von interessanten Nachbarorten in Gemeinschaft. Per Rad ging es 2002 nach Lette und Seppenrade. Im nächsten Jahr hatte die Sommer-Radtour Sythen zum Ziel. Eine Abendwanderung führte 2003 an der historischen oberen Mühle vorbei auf den Rand des Dülmener Landrückens nach Börnste, wo Hiltrud und Werner Temming zu einem Beisammensein auf einem idyllischen Fleckchen geladen hatten. Einen Besuch des Dülmener Heimatvereins im Ortsteil führte Justin Maasmann. Er machte die Besonderheiten der Siedlungsgeschichte in der wasserreichen Niederung und um den mittigen Esch anschaulich. 2004 erwanderte eine stattliche Gruppe die Waldgebiete um den Humberg. Beim Sommerradeln erkundeten die Merfelder in diesem Jahr Rorup und umliegende Bauerschaften.

Ein Beispiel, Gemeinschaft und Brauchtum bzw. Brauchtum in Gemeinschaft zu pflegen, war das Schmücken des Maibaums durch die Traditionsnachbarschaften Knubbenborgen und Berger Buen im April 2004 in der Merfelder Schweiz.

Auf einem mit Birkenzweigen geschmückten und von einem historischen Traktor gezogenen Leiterwagen wird der Maibaum 2004 zu seinem traditionellen Standort gezogen.
Auf einem mit Birkenzweigen geschmückten und von einem historischen Traktor gezogenen Leiterwagen wird der Maibaum 2004 zu seinem traditionellen Standort gezogen, ein Moment der Brauchtumspflege des Heimatvereins.

Neben den Ausflügen per pedes oder Fahrrad, die bei Erkundungen natürlich auch der Geselligkeit dienten, beginnt sich ein spätherbstlicher Vortragsabend am Herdfeuer als kleine Tradition zu etablieren. So referierte Stadtarchivar Dr. Hemann 2002 zum Torfabbau im Venn. Geschichten und Geschichte in plattdeutscher Sprache trug F. Roesmann aus Lette 2003 vor. In diesem Jahr (2004) wurde wieder zu einem Themenabend an das Herdfeuer des Ferienhofs Schnieder geladen. Pater Dr. Daniel Hörnemann konnte gewonnen werden, um über den Bahnhof Merfeld zu berichten.

Zu lebhafter Diskussion kam es in Zusammenhang mit der Entwicklung eines neuen Wappens. Das Wappen sollte ansprechend und aussagerelevant sein. Auf einer Mitgliederversammlung wurden die vom Vorstand zusammengetragenen Motivmöglichkeiten vorgestellt. Nach intensiver Debatte ergab sich ein Meinungsbild dahingehend, dass das neue Merfelder Vereinswappen als Motive den markanten Treppengiebel des Hauses Merfeld, des wohl geschichtsträchtigsten Gebäudes Merfelds, aufweisen sowie natürlich auch die weit bekannten Wildpferde darstellen sollte. Aus der Versammlung kamen auch Hinweise für die Art der Darstellung. Tradition und Moderne sollten angedeutet sein. Im Hinblick auf die wilden Pferde verwiesen Mitglieder auf das Herdenwesen sowie die urtümliche Gelassenheit als Wesensmerkmal der historisch tradierten Großtierherde in den feuchten Niederungsgebieten. Auch das Grau als Farbe im Fell der Tiere wurde angesprochen. Justin Maasmann, der die Diskussion geführt hatte, bündelte die Anregungen. Der Merfelder Zeichner Ludger Schwaag setzte sie um, so dass ein ansprechendes und aussagestarkes Wappen entstand. Auf gelbem und grünem Hintergrund, den Farben Merfelds, die die gelben Getreidefelder auf mittigem Esch und grünem Weideland in den umliegenden Niederungszonen symbolisieren können, steht stilisiert der gotische Treppengiebel in roter Farbe. Rot steht für die roten Klinker nicht nur des Hauses Merfeld; roter Klinker ist vorherrschender Ton der Bebauung Merfelds. Der stilisierte Treppengiebel ist so gestaltet, dass in ihm gleichzeitig die Initialen H wie Haus oder Heimat, M wie Merfeld und V wie Verein hineingelesen werden können. Die Wildpferde sind ihrem Wesen gemäß als Gruppe in der Herde dargestellt, wobei das Moment gewisser urtümlicher Gelassenheit einer Großtierherde mit dem Andeuten möglicher Bewegtheit kombiniert ist.

Diese Ausführungen zur Entwicklung des Heimatvereins sind Skizzierungen. Neben den genannten Aktivitäten belebten eine Vielzahl von gemeinschaftlichen Maßnahmen das Ortsgeschehen. So wurde die „Möblierung“ der Landschaft nicht nur auf Vordermann gebracht; es wurden auch neue Sitzgelegenheiten an geeigneten Punkten um den Ort geschaffen. Merfeld bietet, und das ist bei aller Bescheidenheit wohl festzuhalten, mit seinem Heimatverein seinen Bürgern und auch Besuchern noch ein Quäntchen mehr.

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