Dülmener Heimatblätter

Herausgeber: Heimatverein Dülmen e. V.

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<< Heft 2, 2005

Hanne David

Brücken beim Amtshaus in Hausdülmen

Der Bau und die Instandhaltung der Brücken über die Bäche in Hausdülmen sowie der Zugbrücke über den Burggraben zum Schutz des Burgplatzes war in den vergangenen Jahrhunderten Angelegenheit der Hofkammer in Münster. Da es sich größtenteils um Holzbrücken handelte, kann man davon ausgehen, dass diese in kürzeren Zeitabständen repariert oder erneuert werden mussten. Doch in welch schlechtem baulichen Zustand sie zeitweise gewesen sein müssen, geht aus einem Schreiben des Jahres 1586 an die Hofkammer1 hervor, in dem sehr wahrscheinlich die Amtsrentmeisterei bei der Hofkammer anfragt, wie sie sich verhalten soll und in „welcher gestalt die brügge an dem Hauß Dülmann nach der Borch hinauf wiederrumb auß dem grundt erbauret“ werden muss. Man werde von den „alhir anwesende Borchmanß“ täglich gedrängt, die Brücke zu renovieren, da die Burgmänner sie notwendig brauchten. Man bitte deshalb untertänigst, ihnen in dieser Angelegenheit den schriftlichen Auftrag zu erteilen, wie sie sich verhalten sollten. Den erhaltenen Befehl wolle man „gehorsamblich“ befolgen.

Eine kurzfristige Entscheidung in dieser Angelegenheit scheint es nicht gegeben zu haben, denn acht Jahre später im Jahre 1594 schreiben einige Burgmänner2, so u.a. der Droste zu Stromberg, ein Herr von Raeßfeldt, ein Herr zum Vistendorfe und andere, dass die „Borchlehenheuser zu Düllman abgebrandt“ seien und „sambliche Erbgeneme zu behuf der Borchlehen selbige gern wiederumb auferbauen lassen wollen, aber wegen Mangell der Brücken über den Borchgraben“ diese Arbeiten nicht durchführen könnten. Man bittet darum, die besagte Brücke bei erster Gelegenheit wieder zu renovieren, damit auch im Falle der Not die „Inwöhner“ sich durch das Aufziehen der Brücke in Sicherheit bringen könnten.

Man muss wohl annehmen, dass die Brücke sodann im Laufe der nächsten Jahre wieder instand gesetzt worden ist. Doch dass die hölzerne Zugbrücke nicht immer funktionsfähig blieb, geht aus einem Brief des Rentmeisters Christoph Galen vom 18. Februar 1681 an die Hofkammer hervor.3 Darin schreibt er, dass am „hiesigen Düllmischen Ambthaus die Brücke so baufällig [sei], dass dieselbe ohne besorglicher Gefahr mitt Wagen und Pferden nicht zu gebrauchen“ sei. Auch Besucher des Amtshauses und der Kirche beschwerten sich über den damaligen Zustand der Brücke und verlangten eine Renovierung. Er stellte der Hofkammer anheim, ob und was sie deshalb verordnen wolle. Vorausschauend fügte er einen vorläufigen Überschlag der benötigten Materialien als auch der aufzuwendenden Kosten bei.

Offensichtlich ist die Brücke auch nach diesem Brandbrief nicht (grundlegend) renoviert worden, denn nur elf Jahre später schrieb der Darfelder Burgmann Droste zu Vischering an die Hofkammer: „Kann ich […] als Burg Mann zu Düllmen nicht umbhin, wie dass die Brücke vor dasigen Hochfürstlichen Ambthauß an einer Seithen dergestalt ruinöß und mangelhaft sey, dass darüber ohne Lebensgefahr nicht gefahren, noch das Viehe getrieben werden könne“. Zwar habe der Rentmeister die Mängel der Brücke allezeit reparieren lassen, und auch jetzt sei „die Brücke noch nicht gantz und überall ruinöß, sonderen nur an einer Seithen mangelhaft […], so dass solcher Mangell annoch mit geringen Kosten repariret werden könne, wan bey zeiten die itzo nothwendige Reparation an Hand genommen werde“.4 Noch aus dem gleichen Jahr wird in einem Schreiben an die Hofkammer mitgeteilt, dass man gemäß des erteilten Auftrages im Beisein eines hinzugezogenen Zimmermanns „wegen Reparation des Haußes Dülman Burg Brücke in Augenschein genohmen“ und befunden habe, dass die nötige Reparatur den genannten Arbeitslohn und die angegebenen Materialien erfordern würde.5

Im Jahre 1705 berichtet Rentmeister Galen der Hofkammer, er habe mit „dem Herren von Diepenbrock zu Bulderen“ als Generalbevollmächtigten zur Ausbesserung der gemeinen Landstraße über die Herstellung der Brücken am Amthaus gesprochen und mit ihm verhandelt, wenigstens die Mittel zum Arbeitslohn aus seinen Landesmitteln zu bezahlen, zumal eine Brücke eine Zollbrücke sei und der Zoll bisher kaum zur Unterhaltung der einen Passagebrücke beigetragen habe. Der Herr von Diepenbrock habe sich jedoch auf gar nichts eingelassen unter dem Vorwand, er habe sich nicht der Reparatur von alten Brücken anzunehmen, sondern nur darauf zu sehen, dass die an den Landstraßen abgängigen Brücken neu gebaut würden. Darüber hinaus sei die Reparatur der Wege und Brücken am Amtshaus Dülmen gleich der jüngeren Reparatur des Haus Düllmenschen Steinweges bestimmten Beamten von „Ihro Hochfürstliche Gnaden“ übertragen worden und er also ohne deren Spezialverordnung keine weiteren Aufträge annehmen möchte.6

Dass die hölzernen Brückenbauwerke nach Jahrzehnten des Gebrauchs immer wieder repariert bzw. erneuert werden mussten, liegt auf der Hand. Schmunzelnd jedoch nimmt man zur Kenntnis, dass Amtsrentmeister van Coeverden im Jahre 1758 zur Zeit des Siebenjährigen Krieges der Hofkammer anzeigt, dass der Commandierende Herzog von Holstein-Gottorf die „Ambt Hauß Dülmischen anbefohlen habe, in aller Eile die hinter und vor dem Hauß Dülmen befindlichen holtzernen Brücken in einen solchen Standt zu setzen, dass dieselben die darüber zu tranportirende schweren Canonen ertragen können“.7 Die Brücken seien wegen der über einen längeren Zeitraum darüber fahrenden „königliche(n) Frantzösche(n) Wagen undt derenselben Mehlfuhren“ reparaturbedürftig. Die Reparatur erfordere aber eine „ziemliche Quantität Holtz“, und da wolle er anfragen, ob es erlaubt werde, dass die „Hauß Dülmschen, welche mitt gahr kein Holtz versehen, etwa hiesiges Holtz auß der Mittwicker Marck“ schlagen dürften. Geschehe dieses nicht, so könnten die Truppen selber auf den der Hofkammer gehörenden Bauernhöfen das benötigte Holz schlagen.

Es muss zu dieser Zeit auch eine steinerne Brücke gegeben haben, denn dazu heißt es, diese habe man „von erfahrenen Leuthen visitiren lassen“ und die Nachricht dazu erhalten, dass im Gewölbe „ein gantzes Loch eingefallen“ sei und das gesamte Mauerwerk baufällig wäre und drohe, „augenblicklich in einander zu fallen, worüber man in die größte Verlegenheit gerathen könnte“. Weil kein Kalk in dieser Zeit zu haben sei, vertritt van Coeverden die Meinung, das Gewölbe abzubrechen, das Mauerwerk an beiden Seiten zu renovieren und aus Kostengründen eine Holzbrücke daraus zu machen. Da die Sache sehr eile, erwartete er baldige Nachricht.8

Gut 30 Jahre später scheinen die Brücken wiederum erneuerungsbedürftig zu sein, denn am 30. Dezember 1787 berichtet Amtsrentmeister Mersman an die Hofkammer: „Ich habe zwaren um Ersparung der Kösten die dies- und jenseits des Haußdüllman belegene Brücken in vorigen und in diesem Jahr so viel möglich ausbesseren und in Stand setzen lassen. Die beständige Passage besonders der vielen Weinführen haben aber diesen Herbst die Brücken so elendig zugerichtet, dass eine fernere Ausbesserung nicht mehr thunlich ist, sonderen zwey neue Brücken nämlich eine auf dieseit und eine auf jenseit des Haußdullman angelegt werden müssen, die dritte auch auf diesseit des Haußdüllman befindliche Brücke ist noch in guten Stande und bedarf noch keine Reparation“. Zu den beiden zur Reparatur anstehenden Brücken habe er den „Zimmermeistre“ Bienhüls geschickt, um den Überschlag zu machen, wie viel Holz dazu erforderlich sei. Er bitte gehorsamst, gnädig zu verordnen, das benötigte Holz aussuchen und fällen zu dürfen.9

Eichenholz ist offensichtlich in diesen Jahrhunderten das bevorzugte Baumaterial für kleinere Brückenbauwerke. Es wird aber auch deutlich, dass Bauholz offensichtlich knapp ist und man sich das Fällen von entsprechenden Eichen immer wieder genehmigen lässt.

Zusammenfassend bleibt festzustellen, dass man die Brücken stark verfallen ließ, so dass sie kaum noch ihren Zweck erfüllen konnten. Wenn eine Reparatur schließlich nicht mehr zu umgehen war, wurde – wahrscheinlich aus finanziellen Gründen – nur jeweils das Allernotwendigste getan, um die Funktion der Brücken zu erhalten.

1. Herzoglich Croÿ’sches Archiv (Dülmen), Hofkammerarchiv, Nr. 675. Vgl. Schreiben ohne direkte Anschrift und Unterschrift, allem Anschein nach von der Amtsrentmeisterei an die Hofkammer zu Münster vom 16. Juli 1586.

2. Ebd.: Schreiben mehrerer Burgmänner vom 16. Mai 1594.

3. Ebd.: Schreiben vom 18. Februar 1681.

4. Ebd.: Schreiben vom 24. September 1692.

5. Ebd.: Schreiben des Rentmeisters vom 25. September 1692.

6. Ebd.: Vgl. Schreiben des Rentmeisters Galen vom 4. März 1705.

7. Ebd.: Schreiben des Amtsrentmeisters van Coeverden vom 25. April 1758.

8. Ebd.

9. Ebd.: Schreiben des Amtsrentmeisters Mersmann vom 30. Dezember 1787.

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