Dülmener Heimatblätter

Herausgeber: Heimatverein Dülmen e. V.

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<< Heft 2, 2005

Ludger Hillermann

Nachruf auf Paul Hanskötter

„Natz von Dülmen ist tot“ titelte die Dülmener Zeitung am 3. November 2005. Paul Hanskötter starb am 1. November im Alter von 82 Jahren.

Er gehörte zu der Generation, die im unzerstörten Dülmen aufgewachsen war. Die mittelalterliche Stadt wurde lebendig, wenn er zu erzählen begann. Das alte Rathaus, die engen Gassen, die Bleiche am Stadtgraben, die Tiber, Geschäfte und Gaststätten und das Leben und Treiben an diesen Orten.

Paul Hanskötter

Seine Sprache war die Mundart. Er sagte einmal: „Plattdeutsch ist ein Teil der Dülmener Kultur.“ In dieser Kultur lebte Paul Hanskötter, er war ein „leidenschaftlicher Dülmener“. An dieser „Leidenschaft“ durfte der Heimatverein teilnehmen. Besonders dankbar ist der Heimatverein Dülmen für die Pflege und Förderung der plattdeutschen Sprache. Dafür wurde ihm auf Anregung des Heimatvereins die Kulturplakette der Stadt Dülmen verliehen.

Allein 24 mal hat er das Martinsgansessen moderiert. In diesem Jahr wäre es das 25. Mal gewesen.

Wenn er im westfälischen Bauernkittel mit Holzschuhen und rotem Halstuch diesem traditionsreichen Abend vorstand, tat er das mit feinem Humor und tiefsinnigen Gedanken. Akteure und Zuschauer spürten seine tiefe Verwurzelung in dieser Sprache, in dieser Stadt und in seiner Religion. So stimmte die Kapelle zum Essen an: „Härguott, graut is Diene Macht.“

In derselben Tracht sah man ihn als Fremdenführer. Viele Geschichten und eigene Erlebnisse machten eine Stadtführung mit Paul Hanskötter zu einem besonderen Erlebnis.

Als „Natz von Dülmen“ war er ein Botschafter für unsere Stadt. Wenn Gruppen, Vereine oder Schulen ihn einluden, um die plattdeutsche Sprache unmittelbar zu erleben, war er immer zur Stelle. Seine Sachkenntnis war als Jurymitglied beim plattdeutschen Lesewettbewerb immer gefragt. Die Leser der Dülmener Zeitung erheiterte Paul Hanskötter über Jahrzehnte mit plattdeutschen Anekdoten. Die beliebte Rubrik „Schlierphärksel“ ist über 1.000 mal erschienen.

Im Jahre 2003 erschienen ausgewählte Texte des jüdischen plattdeutschen Dichters Eli Marcus unter dem Titel „Ick weet en Land“. Im Vorspann heißt es unter der Überschrift „Heimat in der Sprache“: „Literarische Verwendung einer Sprache setzt besondere Vertrautheit mit ihr voraus. Das gilt für Hochsprachen ebenso wie für Mundarten. Wer in Mundart schreibt, läßt zugleich tiefere Verbundenheit mit einem bestimmten Ort, einer bestimmten Landschaft erkennen. […] Unter allen Grundbedingungen von Heimat ist Sprache eine der wesentlichsten. Ohne sie gibt es keine Individualität und kein geistiges Leben.“ Für Paul Hanskötter war Plattdeutsch eine solche existentielle Basis und eine Möglichkeit der Selbstwerdung. Er hat durch sein Wirken den Bürgern dieser Stadt Heimatverbundenheit vorgelebt. Der Heimatverein ist ihm mit Dank verbunden.

Die Angehörigen haben das unten stehende Gedicht für die Todesanzeige gewählt, sie trafen seine Welt.

Ick lagg in’n Bedde daude krank,
konn koum mi noch beweggen.
Ick frogg den Doktor: Duert noch lang?
He konnt et mi nich seggen.

Up eenmoal kloppt et an de Düor,
Ick dach, sie wull’n mi wecken. Herrje, dao stonn de Daud daovüör,
Wat kregg ick eenen Schrecken.

Kumm met, sagg he, et wät nun Tied.
Kumm met, wi gaoht tosammen.
Ach so, sagg ick, is et so wiet?
Na, dann in Guottes Namen.

Nu segg ick ju all guetgaohn,
Verwandte un auk Frönde.
Hier häv ick nix mehr tedaohn,
Mien Läben is ant Ende.

(nach H. Nibbrig)

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