Dülmener Heimatblätter

Herausgeber: Heimatverein Dülmen e. V.

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<< Heft 2, 2005

Wolfgang Werp

Neuerscheinungen

St. Mauritius Hausdülmen – 50 Jahre Neubau der Kirche – Neun Jahrhunderte im Rückblick, hg. von Hanne und Ludger David, Hannelore Hannemann, Hubert Schlattmann und Robert Vorholt, Hausdülmen 2005.

Die Pfarrgemeinde St. Mauritius Hausdülmen begeht in diesem Jahr die 50. Wiederkehr der Weihe der neuen Kirche. Es war das Anliegen der Herausgeber, mit ihrer Broschüre die Entwicklung der Pfarrgemeinde unter besonderem Schwerpunkt der letzten fünfzig Jahre nachzuzeichnen. So sollte den jüngeren Mitgliedern wie auch interessierten Neubürgern neben einem Überblick über die geschichtliche Entwicklung der Kirchengemeinde auch die Entstehung und der weitere Ausbau der kirchlichen Gebäude und Einrichtungen aufgezeigt werden.

Dieses Ziel haben die Verfasser voll erreicht. Mit eindrucksvollen Bildern und Karten wie auch klaren Texten und Dokumenten, deren Wiedergabe vom Großformat besonders begünstigt wird, haben sie ihr Anliegen in der 50-seitigen Broschüre umfassend in die Tat umgesetzt. Die Arbeit zeugt von fleißigen Recherchen in Chroniken, Zeitungen und Archiven und schickt den fachlich neugierigen Leser über das umfangreiche Quellenverzeichnis zu weiteren Erkundungen rund um eine als „dat hues to Dulmene“ bezeichnete Burg (nach Weskamp, Geschichte der Stadt Dülmen 1311-1911, Seite 8). Diese war eine der bekannten Keimzellen Dülmens. Sie bildete vormals im jetzigen Ortskern Hausdülmens die südliche Grenzfeste des Herrschaftsbereiches des münsterschen Bischofs Burchard von Holte.

Bernd Lamm und Elli H. Radinger, Wildpferde - Freiheit auf vier Beinen, Steinfurt 2005.

In Fortführung der Besprechung des Buches „…so frei, so stark … - Westfalens wilde Pferde“ von Cordula Marx und Agnes Sternschulte im letzten Heft der Dülmener Heimatblätter (Heft 1, Jahrgang 52, 2005, Seite 44f.) kann den Pferdefreunden heute ein prächtiger Bild- und Textband über Wildpferde empfohlen werden, der sich speziell mit den Dülmener Wildlingen befasst.

Das Anliegen des Werkes soll dem Leser mit den Worten von Erbprinz Rudolph von Croÿ aus dem Vorwort ans Herz gelegt werden: „Das Pferd, bzw. seine Vorläufer, gibt es schon seit über 60 Millionen Jahren, allerdings als freilebendes und auf sich gestelltes Wildtier. Durch Domestifikation haben wir das Pferd in unsere Abhängigkeit gebracht und tragen daher auch eine besondere Verantwortung für sein Wohlergehen. Ein kleines und unvollständiges Zeitfenster in der Vergangenheit öffnet uns die Wildbahn im Merfelder Bruch. Dort leben die Wildpferde, abgesehen von den kleinen Einschränkungen der modernen Zeit, wie seit altersher in ihrem natürlichen Lebensraum. Arterhaltung und nicht Pferdezucht steht hier im Vordergrund.“

Das Buch zeigt das Leben der kleinen, zähen Wildpferde in all seinen Facetten. In diesem Kontext haben die besonders durch ihre Beobachtung von Wölfen bekannt gewordene Verfasserin mit ihren knappen Texten und der Tierfotograf mit umso beeindruckenderen Aufnahmen den Jahreslauf in der Merfelder Wildbahn festgehalten. Es ist beiden gelungen, jeweils mit ihren Mitteln, die Einmaligkeit und Schönheit der Bruchlandschaft im Bild der jahreszeitlichen Veränderung zu erfassen und dem Leser bzw. Betrachter zu vermitteln. Übertroffen wird das Naturerlebnis natürlich allemal von einem Besuch in der Wildbahn, zu welcher Jahreszeit auch immer. Zur Einstimmung ist der Band ein lohnendes Geschenk für Jung und Alt.

Geschichtsblätter des Kreises Coesfeld, hg. vom Kreisheimatverein Coesfeld, 29. Jahrgang, 2004.

Der neueste Jahrgang der Geschichtsblätter des Kreises Coesfeld ist für den Dülmener Leserkreis wegen der Abhandlung von Bernhard Westphal über „Die Erlaubnis zur Errichtung einer zweiten Apotheke in Dülmen (1761) – ein Grundsatzkonflikt zwischen Fürstbischof und Domkapitel“ besonders empfehlenswert.

Es geht um die Geschichte der Dülmener Marktapotheke, mit deren Entwicklung sich schon Anton Bancken in den Dülmener Heimatblättern 1962 (Seiten 50-56) befasst hat. Dort wird ausführlich erläutert, dass der Apotheker Jobst Nagelschmidt aus der Gegend von Osnabrück zu Anfang des 18. Jahrhunderts nach Dülmen kam, 1702 hier eine neue Apotheke einrichtete und am 6. Mai 1704 Anna Adelheid Greving, die einzige Tochter des Bürgermeisters Heinrich Greving und der Gertrud Hinderkink heiratete. Seit dieser Heirat war die junge Apotheke mit dem Haus auf dem Marktplatz verknüpft. Nach dem frühen Tod ihres Mannes im Jahre 1722 führte die junge Witwe die Apotheke gegen die Konkurrenz so genannter „Winkelapotheken“ weiter. Im Jahre 1727 beklagte sie sich beim Fürstbischof in Münster darüber, dass auch von Nichtapothekern Medikamente verkauft würden. Kurfürst Clemens August erteilte ihr daraufhin durch Dekret vom 2. Mai 1727 das Privileg, „alleinig binnen Dülmen eine Apotheke halten zu dürfen“. Wegen weiterhin konkurrierender „Hausapotheken“ wurde das Monopol erneut bestätigt. Nach dem Tod der Mutter übernahm ihr Sohn Hermann Anton die Apotheke und ließ sie mangels Approbation von dem Apotheker Thomas Schertzer führen. Dieser wollte sich durch Errichtung einer zweiten Apotheke später selbständig machen und benötigte das Privileg des Landesherrn, das aber wegen des alleinigen Privilegs der Nagelschmidtschen Apotheke zunächst auf Ablehnung stieß, später aber zu einer zweiten Dülmener Apotheke führte.

Nun setzt unsere Geschichte ein und entwickelt an Hand alter Urkunden mit Gutachten und Dekreten den Fortgang des Konfliktes, der mit Verleumdungen und Intrigen über viele Jahre ausgetragen wurde. Nebenbei gibt er interessante Einblicke in die Kompetenzstreitereien zwischen den verschiedenen weltlichen und kirchlichen Instanzen. Zu guter Letzt erhält Schertzer eine Apotheke in Lüdinghausen und der Nagelschmidtsche Nachlass mitsamt der Apothekenrechte kann später auf die Familie Hackebram in Dülmen übergehen.

Nieströter Schützenverein Dülmen e.V. 1930 - 2005. 75 Jahre Geschichte in Wort und Bild, hg. vom Nieströter Schützenverein Dülmen anlässlich seines 75-jährigen Jubiläums 2005, Dülmen 2005.

Die Chronik der ersten 75 Jahre des Nieströter Schützenvereins präsentiert sich in einem 400 Seiten umfassenden ausführlichen Bericht, der die Ereignisse rund um die Schützenfeste des Vereins mit fast zu ausführlichen Zitaten von Sitzungen, Festen, Versammlungen, Festverläufen usw. detailliert vorstellt. Die Vereinsereignisse werden wie in einem Film Jahr für Jahr immer wieder mit ausführlichen wörtlichen Nachdrucken aus den gesammelten Niederschriften an uns vorbeigespult.

Manche hergebrachten Formulierungen übereifriger Protokollanten laden zum Schmunzeln ein. In den frühen Jahren wurde auf Etikette Wert gelegt: Im Protokoll der Generalversammlung vom 29. 6. 1930 wird erwähnt, „daß der Vorstand Bürde habe, dann soll er aber auch Würde haben und so sollte er auch in Frack und Zylinder dem Nieströter Schützenverein in würdiger Weise vorangehen.“ Auch die Organisation lief immer bestens. So heißt es auf Seite 49 zum „Damenkaffeetrinken“: „Das Kaffeetrinken der Damen sollte mit Musik stattfinden. Um einen Überblick zu haben, was an Kaffee in Frage kommt, wurden die Frauen gefragt, wieviel Tassen voll wohl jede Frau verkonsumiert“. Und hierzu noch auf Seite137: „Eine schwierige Frage war es, einen Komiker für die Unterhaltung der Frauen beim Kaffeetrinken zu bekommen. Wie wir dann aber erfahren konnten, wollte unser Mitglied K.L. diese nicht leichte Aufgabe übernehmen. Es wurde dem Vorstand dadurch schon vieles aus der Hand genommen, wofür wir schon im Voraus dankten.“ - Oder auf Seite 66 aus einer Vorstandssitzung: „Es wurde ferner beschlossen, dass wenn ein Offizier austritt, sein Nachfolger die Uniformjacke käuflich von dem Verein erwerben kann. Als Abnutzungsgebühr wird jährlich DM 5,00 in Anrechnung gebracht..“ Weiter auf Seite 81: „Nach verschiedenen Meinungen ist das Zelt zu klein und soll in den nächsten Sitzungen zur Erledigung kommen.“ Auch rund um die Vogelstange geht es in Dülmen und auf den Seiten 78 und 101 spannend zu: „Für den Königsvogel war die Zeit gekommen, sein schönes Kleid abzulegen und musste manche Kugel hinnehmen.“ und „Auch für unseren Vogel lief die Uhr weiter, doch er schien wirklich aus Stahl und nicht aus Holz zu sein, denn man sah seinem Körper trotz Hinnehmen der kleinen Bleigeschosse rein gar nichts an. So musste dann der Spieß umgedreht werden, dass man ihm mit den schweren Brocken kam. Viele rangen um die Königswürde, und gespannt sah man zu, wie der Vogel, um nur einen Fetzen zu lassen, die schweren Geschosse in sich aufnahm. Schuß auf Schuß folgen, doch es rührte sich nichts, und man sah sich gezwungen, ihm statt mit dem Gewehr mit dem Beil mehrmals zu Leibe zu gehen. Trotz der Leibesvisitation narrte er uns noch für weitere 25 Schuß.“ Auf Seite 278 heißt es zum Morgen danach: „Nach langer Nacht, ist das Erwachen für Vorstand und Offiziere am anderen Morgen oft sehr plötzlich, denn der Spielmannszug der Feuerwehr beginnt recht früh mit ihrem Weckruf.“ - Und zum Schluss im Impressum auf Seite 396 zeichnen vier Experten konsequent für die „Rechtscheibkorrektur“ verantwortlich. Dem schmunzelnden Leser hätte etwas weniger Quantität des prächtigen Werkes gut getan.

Zum Glück werden die Texte mit zeitgenössischen Fotos der jeweiligen jährlichen Schützenpotentaten und deren Hofstaat aufgelockert und dadurch gleichzeitig kalendarisch geordnet. So ergibt sich für den geduldigen Leser natürlich ein ausführliches Bild der Entwicklung typisch Dülmener Vereinslebens, das seinen Reiz zum Sich-Erinnern nicht verfehlt, zumal sich viele Leser auf den gelungenen Schnapp(s)schüssen mit Vergnügen wieder finden werden. Da verwundert es nicht, dass zum Nieströter Schützenfest immer wieder (laut Seite 222) „neben den Mitgliedern viel Prominenz aus Rat und Verwaltung, Politik und Kirchen, Banken, Bundeswehr und NATO erschienen waren.“ Viel Freude beim ausführlichen Stöbern in fast schon historischen Niederschriften!

Festschrift 100 Jahre Chorgemeinschaft Dülmen e.V., hg. von der Chorgemeinschaft Dülmen e.V., Dülmen 2005.

Die Geschichte und Entwicklung der Chorgemeinschaft ist dank der aufschlussreichen Beiträge in der Jubiläumsausgabe der Schriftenreihe des Chores optimal nachvollziehbar. Die Chorgemeinschaft hat der Dülmener Bevölkerung immer wieder eine große Zahl von exzellenten Konzerten mit vielen namhaften Solisten anbieten können. Dabei ist es gelungen, entsprechend dem Fortschritt der hohen qualitativen Leistung des Chores dank der jahrzehntelangen gestalterischen Arbeit des rührigen Komponisten und Chorleiters Otto Groll ein beachtliches musikalisches Niveau zu erreichen und zu halten, wie die wiederholte Verleihung des Titels „Meisterchor“ durch den Sängerbund NRW immer wieder gezeigt hat. Darüber hinaus ist die Geschichte der Chorgemeinschaft tatsächlich ein Teil der Dülmener Geschichte, wie Bürgermeister Püttmann in seinem Grußwort hervorgehoben hat. Neben der Vereinschronik werden die wichtigsten Konzerte, das Zusammenspiel verschiedener Chöre in der Chorgemeinschaft Groll, der Weg zum Meisterchor, die Wiedergabe von Chorwerken auf Schallplatten, Musikkassette und CDs sowie Höhepunkte des Chorlebens bis zu den Konzertreisen ins Ausland eindrucksvoll dokumentiert, wobei viele Fotos und Plakate für Abwechslung sorgen.

Haltener Jahrbuch 2005, Haltern 2004.

In dem bereits seit 19 Jahren erscheinenden Jahrbuch unserer Nachbarstadt wird, wie immer vor Weihnachten, ein bunter Strauß von Beiträgen zur Orts- und Heimatgeschichte ausgebreitet. Neben vielen anderen heimatkundlichen Beiträgen befasst sich Walter Wübbe in seiner Arbeit „Zur Geschichte der Quarzsandgewinnung im Raum Haltern“ mit den im Bereich von Dülmen, Hausdülmen, Haltern-Flaesheim und Sythen abgelagerten „Haltener Quarzsanden“, wie die Ablagerungsfolge der Kreidezeit (Santon) in diesen Gebieten kurz genannt wird. Die Vorkommen in Schichten unterhalb des Grundwasserspiegels erstrecken sich von Lüdinghausen bis Borken. Ihre mittlere Mächtigkeit beträgt etwa 100 Meter. Der Abbau erfolgt in den Gewinnungsteichen, die im Volksmund wegen des klaren Wassers und feinen kieseligen hellen Gesteins als „Silberseen“ bezeichnet werden, mit Saugbaggern bis zu einer Tiefe von 30 Metern.

Neben den geschichtlichen Daten befasst sich Wübbe mit den technischen Geräten für den Abbau der Sande, den einzelnen Schritten zur Renaturierung der geschlossenen Teiche bis zur Eröffnung des Badesees „Silbersee I“ im Sommer 1995. Nicht nur für die Dülmener, die wie der Rezensent in den 50er-Jahren unerlaubt am Ufer des „Kleinen Teiches“ die Sommernachmittage ohne Vokabelnpauken verbracht haben, eine willkommene Erinnerung an die Erschließung der Sande zwischen Dülmen und Sythen.

Schützenverein Leuste 1955-2005, hg. vom Vorstand des Schützenvereins Leuste e.V.,Dülmen 2005.

Die Jubiläumschronik der Leuster Schützen führt in Wort und Bild durch die letzten 50 Jahre der Bauernschaft Leuste: Beginnend mit den obligaten Grußworten und dem Festprogramm im Juli 2005 bis zur Reportage über Hausschlachtungen und die Wohngebäude der bäuerlichen Familien in früheren Zeiten wird eine Palette von Aktivitäten vorgestellt, die durch die Blöcke „Schützenverein Leuste“, „Brauchtumspflege in der Bauernschaft Leuste“, „Bauernschaft Leuste und ihre Bewohner“ und „Bauernkultur des 18. und des beginnenden 19. Jahrhunderts“ sinnvoll unterteilt ist. So zeigt sich ein buntes Spektrum von Beiträgen zur Traditionspflege rund um Dülmen, das es nicht versäumt, die Chroniken der Gehöfte, Hofstellen und Häuser mit ansprechenden Fotos aus der Vogelperspektive zu bereichern.

Jahrbuch Westfalen 2006, hg. vom Westfälischen Heimatbund, Redaktion: Peter Kracht, Münster 2005.

Mit dem Schwerpunktthema „Wege in Westfalen“ auf bekannten und unbekannten Routen führt das Jahrbuch 2006 durch die Region. Wir bewegen uns nicht nur auf mittelalterlichen Verkehrswegen wie dem Hellweg oder der Eisenstraße, sondern wir erleben Straßen, Eisenbahnen, Tunnel, Viadukte, Kanäle und zünftige Wanderwege im Münsterland, Sauerland und im nahen Teutoburger Wald. Daneben wird über „Menschen aus Westfalen“ und „Museen in Westfalen“ gesprochen. Schließlich werden, wie seit vielen Jahren, als fester Bestandteil des Buches im „Kulturspiegel“ Kurzgeschichten und Lyrik westfälischer Autoren vorgestellt. Schließlich darf im Zeichen der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland unter dem Schlagwort „Westfalen-Sport“ ein Besuch der Stadien in Dortmund und Gelsenkirchen nicht fehlen. Den Bielefelder „Arminen“ und den Münsteraner „Preußen“ gilt zum 100. Geburtstag ein abschließender Sondergruß. Auch in diesem Jahr also wieder eine lebhafte Mischung zu herbstlich-winterlicher Lektüre.

Festschrift 20 Jahre Förderverein für Kunst und Kultur in der Stadt Dülmen e.V., hg. von Klaus Ulmer, Gaby Lepper-Mainzer, Marita Worstbrock, Franz König, Fritz Kleindiek und Georg Meyer, Dülmen 2005.

Vor 20 Jahren wurde von interessierten Bürgerinnen und Bürgern unter Beteiligung der Stadtsparkasse Dülmen der Förderverein für Kunst und Kultur (in Dülmen salopp „FKK“ genannt) gegründet, um Kunst und Kultur in der Stadt Dülmen mit besonderem Engagement zu fördern. Wie die Hochglanzbroschüre anlässlich des Rückblicks auf die ersten 20 Jahre der Vereinsarbeit zeigt, hat sich der Verein dank des besonderen Einsatzes einiger Mitglieder weg vom ursprünglichen Gründungsanliegen zur Begleitung der Errichtung der Brunnenanlage am Overbergplatz aus Anlass des 675-jährigen Stadtjubiläums in besonderem Maße um kulturelle Initiativen in und um Dülmen verdient gemacht.

In einigen Bereichen wurden neue Maßstäbe gesetzt. Zu nennen sind hier vornehmlich die Pflege heimischen Kulturgutes einschließlich der Errichtung und Erhaltung von Kulturdenkmälern, die Planung und Gestaltung von Kunstausstellungen, die Förderung heimischer Künstler, die Durchführung von Veranstaltungen einschließlich Studien- und Kunstreisen, das Angebot anspruchsvoller Filme oder Konzerte aus den verschiedensten Fachrichtungen und, und, und … Dieses Ensemble zeigt bereits die Vielfalt der Aktivitäten und die hochinteressante Nische, deren Ausfüllung dem rührigen Verein im Laufe der Jahre gelungen ist. Auf diese Aspekte geht die Schrift in Wort und Bild ein und bündelt mit einer Fülle von Bildern und Daten die erreichten Ziele, ohne den Blick in die Zukunft aus den Augen zu verlieren. Ad viginti annos!

1945 – Im Blick der Fotografie. Kriegsende und Neuanfang, hg. von Hermann Arnhold, Münster 2005.

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe mit dem Westfälischen Landesmedienzentrum und das Westfälische Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Münster haben in diesem Sommer anlässlich der Ausstellung „1945 – Im Blick der Fotografie. Kriegsende und Neuanfang.“ einen großformatigen Katalog in Wort und Bild herausgegeben, der sich mit eindrucksvollen Fotografien dem Jahr 1945 und seinen ganz verschiedenen „Bildern“ genähert hat.

Die Erinnerung an das Kriegsende und der Neuanfang 1945 sind heute noch in Form von immer wieder aufgefrischten leidvollen Erinnerungen, Dokumenten und insbesondere auch Fotografien in vielen Familien präsent. 60 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges findet das große öffentliche Interesse hieran seine Begründung in dem Bedürfnis, die Erinnerungen der noch lebenden Zeitzeugen zu bewahren und für nachfolgende Generationen die Reichweite und Tragik jener Tage festzuschreiben. Diese Rückblicke wurden hierzulande fast immer unter einem spezifisch deutschen Blickwinkel gesehen, wie sich zum Beispiel aus dem Erfolg des schon längst zum Klassiker gewordenen Berichtes von Helmut Müller (1921-1997) „fünf vor null. Die Besetzung des Münsterlandes 1945“ ersehen lässt, der 1971 erstmals erschienen war, inzwischen elf Neuauflagen erlebt hat und soeben in einer aktualisierten Neuauflage vom Verlag Aschendorff in Münster vorgelegt worden ist.

Demgegenüber haben sich die Ausstellung und der hier besprochene Katalog aus diesem engeren Rahmen gelöst und beleuchten ebenso beeindruckend, wie die Menschen in den benachbarten europäischen Ländern, z.B. in den Niederlanden, in Frankreich, in Polen, in der Sowjetunion usw., denen die Deutschen den Krieg ins Land getragen hatten, mit den Ereignissen des Jahres 1945 umgegangen sind. Insbesondere den Bildern der letzten Kriegsmonate mit ihren grauenvollen Zerstörungen und apokalyptischen Ereignissen und dann im Kontrast dazu dem beschwerlichen Aufbruch in die folgenden ersten „Friedensmonate“ sind viele Fotografien gewidmet. Zusammenfassend kann der Eindruck, den die hier vorgestellten Bilder vermitteln, am besten mit den Worten aus der Einleitung vermittelt werden, wonach „Bilder vom Leid, vom Kriegsgeschehen anders und umfassender gefangen nehmen, den Betrachter nicht mehr los lassen, sich ihm einprägen und seine Wahrnehmung verändern“.

In diesen Kontext passt eine in der Ausstellung gezeigte und im Katalog in hervorragender Qualität wiedergegebene Luftaufnahme eines britischen Militärfotografen von der zerstörten Stadt Dülmen. Ein unscharfer Ausschnitt aus dieser Fotografie mit dem Blick auf die Zerstörungen rund um die St. Viktorkirche ist in den Dülmener Heimatblättern (Jahrgang 1994, Heft ¾, Seite 15) abgebildet worden. Der Blick streift über das Feld von Trümmern und Ruinen rund um die St. Viktorkirche in östliche Richtung über die Ruine des Gymnasiums am Nonnenwall, die Reste der Dülmener Webereien, das Bahnwärterhaus der Strecke Coesfeld-Dortmund an der Straße zum Wedeler bis zu den Feldern des Osthofs. Aus der Luft betrachtet gleicht die Stadt einer Trümmerlandschaft, aus der einige Ruinen oder Schornsteine wie stumpfe Zähne herausragen. Wie kaum ein anderes Bild steht diese Aufnahme unserer zerstörten Heimatstadt Dülmen für die in den letzten Kriegswochen erfolgten massiven Bombardierungen kleiner und mittlerer Städte im Vorfeld des kurz darauf folgenden Vormarsches alliierter Verbände.

In ähnlicher Weise dokumentiert der Prachtband mit hervorragenden, aber teilweise schockierenden Fotografien die letzten Kriegstage vom Endkampf bis zur Befreiung, wobei die länderspezifischen Ansatzpunkte jeweils in kurzen Textbeiträgen beispielhaft herausgearbeitet werden. Abgerundet wird der Band durch die Vorstellung verschiedenster zur Propaganda verbreiteter Plakate. Insgesamt vermittelt das Katalogwerk losgelöst von der vorausgegangenen Ausstellung wegen seines hohen künstlerischen Anspruchs ein erschütterndes und nachhaltiges Bild dieser einschneidenden Tage unserer jüngeren europäischen Geschichte. Zu Dokumentations- und Schulungszwecken ist es eine unersetzliche Hilfe.

Blagengemöös - Döönekes, Geschichten & Vötellsels, von Ulla Wolanewitz, Dülmen 2004.

Düörgemöös … dat helpt daobi! - Noch mäer Geschichten, Döönekes un Vötellsels, von Ulla Wolanewitz, Dülmen 2005.

Der Spaß an neuen „alten“ plattdeutschen Redensarten, Sagwörtern und Lebensweisheiten, die ihr unterwegs, beim Einkaufen, Schwimmen, Tanken, beim Kaffee, auf Parties oder sonst wo zugetragen wurden, haben Ulla Wolanewitz veranlasst zur Sammlerin und Jägerin vieler netten Geschichtchen zu werden. Sie hat sie eingefangen und gebündelt, um sie jetzt in zwei unterhaltsamen Büchern für die Freunde des Plattdeutschen zusammenzustellen und wieder freizugeben.

Nach dem schnellen Erfolg des ersten Buches folgte bald eine zweite Sammlung amüsanter Anekdoten und besinnlicher Geschichten, die sich allesamt auf Beobachtungen unseres „Alltags“ stützen und mit den unerschöpflichen Mitteln der plattdeutschen Sprache an den Leser herangetragen werden. Schon durch ihre mit großem Interesse aufgenommenen Lesungen beim Martinsgansessen des Heimatvereins in Dülmen und beim Kreisheimattag in Davensberg im November 2005 hat die in Nottuln lebende Verfasserin ihrer Zuhörerschaft neue Impulse zur „Rettung“ des münsterländischen Plattdeutsch vermittelt. Jedenfalls werden diese lebhaften Geschichten dazu beitragen, das Interesse für die heimische Mundart erneut zu wecken. Wir Leser sollten durch das Zugreifen auf dieses Angebot die Verfasserin zu weiteren ausgedehnten Sammelstreifzügen anregen.

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