Dülmener Heimatblätter

Herausgeber: Heimatverein Dülmen e. V.

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<< Heft 2, 2005

Inga Fransson

Rockmusik in Dülmen – 1964 bis heute

Musik bringt die Menschen zusammen. Das war in den 1960ern schon so, das ist heute so, und es wird vermutlich auch morgen noch so sein. Man trifft sich in Diskotheken oder auf Rockkonzerten, man plaudert, tauscht sich untereinander aus und genießt dabei diese wunderbare Atmosphäre, in der einem der Rest der Welt unwichtig erscheint. Damals wie heute betreten auch in Dülmen Musiker die Bühnenbretter, um den Menschen Freude zu bereiten. Der Applaus ist des Künstlers Lohn, ein Lohn der süchtig macht und einen Musiker dazu zwingt, immer wieder aufzutreten.

Bereits in den 60er Jahren, der Zeit der Beatmusik, kamen Dülmener Jugendliche zusammen. Sie studierten Stücke ein und orientierten sich dabei an bekannten Musikgruppen wie den „Beatles“ oder den „Rolling Stones“. Über die Jahrzehnte änderten sich die musikalischen Vorbilder der Bands, aber nie verlor man sein Ziel aus den Augen: Das Publikum muss zufrieden sein.

The Spitfires

Eine der ersten Dülmener Rockgruppen entstand im Jahr 1964. Geprägt durch Bands wie die „Animals“, „Beach Boys“ und natürlich die berühmtesten Pilzköpfe der Welt, gründete sich die Gruppe The Spitfires. Damals benannten sich alle Bands nach Flugzeugen oder Autos, so lag die ehemals fünfköpfige Gruppe mit ihrem Flugzeugnamen voll und ganz im Trend. Ursprünglich setzte sich die Beatband zusammen aus den Brüdern Hardy und Jochen Goldberg, Heinz Bödiger, Rolf Weber und Lothar Bonn. Hin und wieder wurden die Spitfires durch Blechbläser ergänzt, dann erreichte die Band eine Gruppenstärke von neun Personen. Zu den Höhepunkten der Dülmener Musiker gehörten die Auftritte bei den Beatfestivals 1966, 1967 und 1968 in Münster und Recklinghausen, das damals als eine Art „Deutsches Liverpool“ galt. Das Besondere an diesen Auftritten war es, vor 4.000 Zuschauern spielen zu können. Als faszinierend empfanden die Spitfires auch die Vielzahl der Bands, die teilweise aus dem Ausland kamen.

In den 60er Jahren hatten Nachwuchsmusiker schwer zu kämpfen. Allein schon das Ergattern von Tonaufnahmen, die man als Vorlage zum Kopieren der Stücke benötigte, erwies sich als ein schwieriges Unterfangen. So saßen die jungen Spitfires oft stundenlang vor ihrem Radiogerät und warteten auf das Stück, das sie „covern“ (nachspielen) wollten.

Die einzelnen Bandmitglieder wohnten damals dicht beieinander. Jedoch traf man sich nicht nur wegen des gemeinsamen Hobbys, sondern auch weil man befreundet war. „Heute werden Bands häufig gecastet und auf diese Weise künstlich konstruiert, das nimmt der Musik die Spontanität.“, so Rolf Weber. „Außerdem wird heutzutage ein solches Maß an Perfektion von den Musikern verlangt, das war früher anders. Wir durften uns auch mal verspielen, man hat uns das nicht übel genommen.“ Weil die Lebenswege der Spitfires später auseinander drifteten, wurde die Band 1969 aufgelöst.

Im Jahre 1968 gab es eine kleinere Überschwemmung in der Bücherei der Dülmener-Heilig-Kreuz Gemeinde. Zu dieser Zeit probte in den Räumlichkeiten eine junge Band, die sich aufgrund der einströmenden Wassermassen mitsamt Instrumenten auf den dort befindlichen Flügel rettete. Dies war die Geburtsstunde der Band The Waterproof Group (Die Wasserfeste Gruppe). Die Band bestand zunächst aus Guido Reinermann, Ludger Albers, Bernhard Rowers und Heinz-Josef Strotmann. Später gab es Änderungen in der Besetzung, und so spielten auch einige Zeit Werner Krause, Willi Dommer und Paul Bödiger bei der Waterproof Group mit. Wie auch diverse andere Bands, verpflichteten sich die Musiker von Waterproof dazu, Jugendmessen zu veranstalten. Im Gegenzug stellte der Pfarrer den Jugendlichen einen Proberaum zur Verfügung. Mit diesem Handel war eigentlich jeder zufrieden, denn er bekam was er wollte. Die Gestaltung der Messen von Jugendlichen für Jugendliche hatte außerdem den Vorteil, dass viele junge Menschen den Weg zur Kirche wiederfanden.

Für Waterproof war es wichtig, dass ihr Programm eine musikalische Vielfalt widerspiegelte. So waren die großen Vorbilder der Gruppe vor allem die „Rolling Stones“, die „Beatles“, „Black Sabbath“, die „BeeGees“ aber auch deutsche Musiker wie „Udo Jürgens“. Waterproof hatte Auftritte in Rees auf einem Festival, in Warendorf, an der holländischen Grenze, im Ruhrgebiet und sehr häufig im Kreis Coesfeld.

The Waterproof Group
The Waterproof Group bei einer Probe

Während einer Messe spielte Waterproof das Stück „Je t´aime“ von Jane Birkin und Serge Gainsbourg, jedoch ohne die eindeutigen Geräusche, die dieses Stück berühmt machten. Die Jugendlichen erkannten das Lied sofort und waren sichtlich amüsiert. Auch den älteren Kirchenbesuchern schien die Melodie sehr zu gefallen. Sie wußten anscheinend nicht, dass das Stück zu dieser Zeit auf dem Index der verbotenen Lieder stand. The Waterproof Group löste sich 1972 auf.

Dülmen brachte in der Vergangenheit jedoch nicht nur geschlossene Bands hervor, sondern auch Solokünstler fühlten und fühlen sich hier heute noch wohl. Axel Gresch ist einer von ihnen. Als er 1969 mit dem Gitarrespielen und Singen begann, trat er zunächst noch zusammen mit einer Band vor das Publikum. Axel hatte immer wieder Rockbands oder Bluesbands, in denen er zwischendurch spielte, und in den Phasen, wo er keiner Gruppe angehörte, trat er eben alleine auf. Zu seinen absoluten Favoriten gehören auch heute noch musikalische Größen wie „Bob Dylan“ und „Crosby, Stills & Nash“.

Ein besonderes Erlebnis für Axel Gresch war das Jahresengagement an der Bergstraße zwischen Darmstadt und Heidelberg. Dieses Anstellungsverhältnis war deshalb für den Musiker so eindrucksvoll, weil die Lokalität – ein alter Weinkeller – eine reizvolle Kulisse bot. Der Künstler erinnert sich heute noch gerne an das Publikum, das in dieser gemütlichen Atmosphäre völlige Stille bewahrte, um seiner Musik zu lauschen.

Axel spielt heute bei dem 1986 gegründeten Trio In Tune, zu dem außer ihm noch Arnim Scheithauer und Matthias Hommel gehören. Die Band leitete damals ihren Namen von dem Pink Floyd Titel „And Everything Under The Sun Is In Tune“ ab. Die drei Musiker sind bereits in mehreren Orten zwischen Osnabrück und Darmstadt aufgetreten. Zu einem der amüsantesten Erlebnisse der Band zählt ein Auftritt bei einer Wahlfeier in Dinslaken. Bei diesem Konzert wettete Arnim Scheithauer mit Axel Gresch, dass er es schaffen würde, dem Bundesminister Wolfgang Clement eine In Tune-CD in die Hand zu drücken. Obwohl der Politiker von Sicherheitspersonal abgeschirmt wurde, gelang es Arnim, sein Vorhaben zu realisieren. Noch heute fragen sich die Musiker, ob Clement die CD tatsächlich in seinen Plattenschrank gestellt hat.

„Sea of Tranquility“, das Meer der Ruhe. Diesen Ausspruch nahm sich eine Gruppe Dülmener Musiker zum Anlass, ihre Band TranQuility zu nennen. Winni Walgenbach (Keyboard), Wolfgang Kersting (Bassist) und Willi Heeringa (Sänger) gründeten die Band im Herbst 1970. Später kamen Holger Grützenbach und Michael Gerding hinzu. Als der Sänger Willi Heringa eines Tages nicht weiter in der Band bleiben konnte, trat für ihn Guido Reinermann ein.

TranQuility
TranQuility

Musikalisch beschränkte sich die fünfköpfige Band nicht auf eine bestimmte Stilrichtung, jedoch ergab es sich, dass viele Stücke von „Deep Purple“ im Programm waren. Wie die meisten Rockgruppen in Dülmen coverte TranQuility ausschließlich Stücke von bekannten Bands und schrieb keine Eigenkompositionen. Die junge Band spielte damals im Kolpinghaus, aber auch außerhalb von Dülmen. So hatte TranQuility einen Auftritt in Münster auf der Abschlussfeier einer Schulklasse und betrat hin und wieder in Coesfeld die Bühnenbretter.

Als besondere Erfahrung empfinden die Musiker von TranQuility die Tatsache, dass man über das Hobby automatisch mit vielen Leuten zusammen ist. Man ist kreativ, man kann damit Geld verdienen und hat trotzdem Spaß. Umso ärgerlicher ist es für sie, dass kaum einer der Musiker versucht hat, das Hobby zum Beruf zu machen. „Aber damals wurde eben erwartet, dass man etwas Solides lernt. Es war eine sehr schöne Zeit, man hat gemeinsam viel zustande gebracht.“, so Holger Grützenbach. Die Gruppe TranQuility löste sich 1973 auf.

Exodus
Exodus

Sechs Messdiener der Heilig-Kreuz-Kirche schlossen sich 1971 zusammen, um Musik zu machen. Sie nannten sich nach dem zweiten Buch Mose Exodus. Zur Band gehörten Jochen Welle (Schlagzeug), Stephan Schleiner, Hermann Kämmerling (Bass), Ulrich Zumbrink (Percussion), Heinz-Martin Hesker (Gitarre) und Karl-Werner Lenz (Gitarre). Die Vorbilder der Jugendlichen waren „Elton John“, „Jimmy Hendrix“ und vor allem „Santana“. Mit letzterem Künstler konnten sich die Musiker so gut identifizieren, dass die Band selbst einige Stücke im Santana-Stil komponierte. Mit den Jahren wechselte die Besetzung der Band. Es kamen Peter Tewes (Percussion) und Rüdiger Smarra (Bass) zu Exodus.

Auf die Frage, inwiefern das Musikmachen eine Bereicherung für das Leben ist, antwortet Karl-Werner („Carlos“) Lenz: „Musik bringt Leute im Hier und Jetzt zusammen, lässt aber auch Leute wieder aufeinander treffen, die in der Vergangenheit miteinander zu tun hatten. Musik wird, über lange Zeit betrachtet, ein ganz wesentliches Element der eigenen Identität. Es ist ein hervorragendes Medium, um sich auszudrücken und den Zeitgeist darzustellen. Musik ist eine Form der Kommunikation. Sich mitteilen und andere hören lassen.“

Anfang der 70er Jahre lernten sich Willi Dommer und Heinz-Martin (Heima) Hesker kennen. Die beiden Gitarristen gehörten zu der Zeit keiner Musikgruppe an, und stellten rasch fest, dass sie als Duett Erstaunliches leisten konnten. Besonders verband sie ihre gemeinsame Vorliebe für amerikanische Folk-Musik. Künstler wie „Neil Young“, „The Eagles“ und „James Taylor“ standen auf dem Programm von Willi und Heima. Das Duo trat im Soldatenheim, dem Kolpinghaus und auf etlichen kleineren Veranstaltungen im Kreis Coesfeld auf. Auf die Frage, was sich an der lokalen Musikwelt seit damals verändert hat, meinten die beiden Musiker: „Früher ist bei einem Konzert meistens immer nur eine Gruppe aufgetreten, möglicherweise lag es an dem Konkurrenzkampf, der teilweise untereinander herrschte. Heute werden Auftritte auch schon mal von zwei oder drei Bands gestaltet.“ Willi und Heima traten drei Jahre lang zusammen auf und verloren sich später aus den Augen. Im September 2005 trafen sich nun die beiden Musiker bei der Veranstaltung „Band History - Best of 1965 ff.- Part 1“ wieder, die zu dem Zeitpunkt im Schulzentrum stattfand.

„Strattywary“ – nein, damit ist nicht die berühmte Geige gemeint. Es handelt sich hier um ein Wortspiel. Eine Band, die sich Anfang der 70er gründete, vermischte die beiden Begriffe „Stradivari“ und „Stratocaster“ (eine Elektrogitarre) miteinander. Die einfallsreichen Wortschöpfer und Mitglieder der jungen Rockgruppe waren Jürgen und Werner Brambrinck, Michael Gerding, Rüdiger Smarra und Ingo Tannwitz. Zu ihrem Programm gehörten Songs von „Chuck Berry“, „Jerry Lee Lewis“ und „Status Quo“. Sie spielten den sogenannten „Straighten Rock“ – also Musik, die „geradeaus geht“.

Strattywary
Strattywary

Im Soldatenheim, auf einem Rockfestival, hatte Strattywary ihren spektakulärsten Auftritt. Für dieses Ereignis legten sich die Musiker bei den Proben damals sehr ins Zeug. Das Besondere an dem Festival war es, dass dort auch die in den 70ern sehr bekannte Gruppe „Kraan“ auftrat. 5.000 Menschen reisten an, um die Bands zu sehen. Aus Sicht von Stattywary hat sich vor allem die Technik seitdem stark verändert. Früher spielte man über einen kleinen Kofferverstärker, Gesangsanlagen konnte man sich nicht leisten, man lieh sie sich. Die Bandmitglieder bauten sich die Verstärker teilweise selbst aus Radios zusammen. Das Verzerren, das eigentlich ein Zeichen für die Überlastung der empfindlichen Elektronik war, traf genau den Geschmack der Rockmusiker. Als Fundplatz für die benötigten Geräte diente damals der Schrottplatz.

1972 war das Jahr der Bandgründungen. Auch die Gruppe Corvus Corax, zu Deutsch „Kolkrabe“, machte zu diesem Zeitpunkt ihre ersten Schritte. Über die Jahre wechselten hin und wieder die Mitglieder der Band. Zu ihnen zählten Arnim Lüttke, Martin Plischek, Willi Sewald, Andreas Müller, Alfred Stein, Wolfgang Kersting, Hannes König, Artin Panasoglu, Dieter Klaas und Fritz Wesemann. Des Weiteren besaß Corvus Corax damals den Luxus eines Managers, Bruno Beuting, der alle Termine für die Band koordinierte und organisierte. Der Grund für die Ernennung des Managers war so einfach wie kurios – Bruno Beuting war der einzige unter den Kollegen, dessen Eltern im Besitz eines Telefons waren.

Zu den großen musikalischen Vorbildern der Rockgruppe gehörten „Richie Blackmore“, „Deep Purple“ und „Eloy“. Wenn Corvus Corax Stücke von diesen Bands auf der Bühne spielte, dann gehörte auch immer eine gewisse Show dazu. So trugen die Künstler Kleidung, auf die ein Kolkrabe genäht war oder inszenierten während des Auftritts sowohl amüsante als auch makabere Theatereinlagen.

Corvus Corax
Corvus Corax

Wenn die meisten Engagements auch reibungslos abliefen, so gab es doch einen schwierigen Auftritt in der Bandgeschichte. In der Bulderner Bahnhofsgaststätte fiel bei einem Konzert das Licht aus, weil das Stromnetz überlastet war. Das Publikum machte seinem Unmut durch das Werfen von Gläsern Luft. Die Verstärker, bei denen die Sicherungen herausgesprungen waren, wurden damals notdürftig mit Hilfe eines Stückchen Silberpapiers, das als „Ersatzsicherung“ dienen musste, wieder in Betrieb genommen.

Musiker gehören einem bestimmten Menschenschlag an. Das bestätigen auch Artin Panasoglu und Willi Sewald. „Musik ist die schönste Droge die es gibt. Die Bühne ist ein Stück heile Welt. Man darf dort so sein, wie man wirklich ist. Die Nervosität nimmt mit den Jahren niemals ab. Würde dies der Fall sein, so würden wir unser Instrument sofort an den Nagel hängen.“ Corvus Corax löste sich 1981 auf, nichtsdestotrotz sind die Musiker von damals überwiegend heute noch in anderen Gruppen aktiv.

Space Cowboys
Space Cowboys

Hannes König ist einer der Musiker, die vor langer Zeit in die Dülmener Musikszene eingestiegen sind und immer noch auftreten. Sei es jetzt in Kombination mit einer Band, innerhalb eines musikalischen Duos oder auch allein auf der Bühne unter dem Namen „Westcoast Hannes“. Wenn der Musiker mit seinem Kollegen Heiko Dobberke auf der Bühne steht, so nennt sich das Doppelpack „Space Cowboys“.

Hannes begann 1975 mit seiner Laufbahn als Solokünster. Sein Markenzeichen ist seitdem die ruhige Gitarrenmusik. Zu den großen Vorbildern des Musikers gehörten damals „Bob Dylan“, „Neil Young“, „Jim Croce“ und natürlich die „Beatles“. Heute möchte sich Hannes nicht mehr auf eine bestimmte Band oder einen Einzelkünstler festlegen, seine Vorliebe gilt jedoch der amerikanischen Folk-Musik.

Westcoast Hannes trat bisher nicht nur in Deutschland, sondern auch in Griechenland, Frankreich, Kanada, den USA, Mexiko und Costa Rica auf. Auf die Frage, was an dem Musikmachen so spannend ist, antwortet Hannes folgendermaßen: „Ich hätte wohl niemals so viele verschiedene Menschen kennengelernt, wenn ich nicht in den letzten 33 Jahren hunderte von Auftritten in den unterschiedlichsten Ländern gehabt hätte. Ich bin immer noch völlig verrückt nach Musik und könnte mir ein Leben ohne Musik gar nicht vorstellen.“

In den 70er Jahren wurden im englischsprachigen Raum die Deutschen als „Krauts“ bezeichnet. Dieser sowohl negativ als auch positiv behaftete Ausdruck kam von dem wohlschmeckenden Sauerkraut, das als typisch deutsches Essen galt. Dementsprechend nannte man deutsche Rockmusik auch Kraut-Rock. In Anlehnung an dieses Wortspiel entstand 1975 die Gruppe Kraut. Gegründet wurde die Band durch Michael Bienhüls, der sich Jürgen Wohlgemut, Franz Gerd Albers und Gerold Thume hinzu holte. Zu diesem Zeitpunkt war Rene Fijneman bei den Auftritten noch für Licht und Sound verantwortlich. Gegen Ende der 70er sprang er für den Bassisten ein und vertritt auch heute noch diese musikalische Position.

Kraut
Kraut

Aufgrund von privaten und beruflichen Veränderungen legte Kraut zwischen 1984 und 1990 eine längere Pause ein. Anschließend begann die Band wieder zu spielen, und gehört heute zu den aktiven Musikern, die im Jahr auch mehrere Auftritte meistern. Zu den Vorbildern der Musiker gehörten damals „Pink Floyd“, „Nektar“ und „Genesis“. Für Michael Bienhüls war es jedoch immer sehr wichtig, auch eigene Stücke zu schreiben. Seit den 70ern hat sich aus seiner Sicht vor allem die Technik geändert. Früher lieh sich die Band für den Auftritt eine Gesangsanlage zum Preis von 400 DM am Abend aus. Die Boxen waren damals enorm schwer. Es handelte sich dabei um die sogenannten „Exponential-Boxen“, die bis zu 150 Kilo wogen. Für eine gelungene öffentliche Darbietung nahmen die Künstler jedoch gerne den Aufwand des Tragens in Kauf.

Im Clemens-Brentano-Gymnasium, das sich Mitte der 70er Jahre noch in den Räumlichkeiten der jetzigen Realschule befand, ging Michael Bienhüls damals zur Schule. Eines Tages hatten die jungen Mitglieder von Kraut die Idee, in der Bushaltestelle vor der Schule Live-Musik zu machen. Jedoch fehlte den jungen Musikern der nötige Strom dazu. Weil man sich durch diese Kleinigkeit nicht abbringen lassen wollte, stieg Michael durch ein Fenster unerlaubt in die Schule ein und zapfte dort den Strom an. Die Polizei erschien, registrierte die kleine Lärmbelästigung, aber empfand es wohl als nicht weiter dramatisch und ließ die Jungen gewähren. Die Band spielte etwa drei oder vier Stunden und hatte dabei jede Menge Zuschauer.

In der Zeit des Elektropops, 1982, gründete sich die Gruppe DODO. Die Band schaute sich den Namen bei einem französischen Comic-Zeichner ab, weil er gut klang und leicht zu merken war. Ein Teil der Band machte zu dem Zeitpunkt „Politrock“ (Rockmusik mit politischen Texten) in der Band „Rotbuche PRAG“. Politrock war aber aus der Mode gekommen und die neue deutsche Welle wurde zum Thema. Also musste etwas Zeitgemäßes her. Zu DODO gehörten Albert Hummels (Gitarre), Mike Ahrndt (Gitarre), Uwe Thimm (Bass), Michael Fischer (Schlagzeug) und Harry Helmer (Gesang und Keyboard). Später verließ Michael Fischer die Gruppe und wurde durch Mathew Kick ersetzt.

Besonders zeichnete sich die Band dadurch aus, dass sie fast nur eigene Songs mit deutschen Texten spielte. Sie ließ sich dabei von Künstlern wie „The Police“ und „Spliff“ inspirieren. Für ein Programm von 16 Stücken hat DODO zwei Jahre lang geprobt, 40 Eigenkompositionen geschrieben und ausprobiert. Nur die besten Stücke wurden gespielt. Die Rockband betrieb mit professionellem Material Werbung, was Anfang der 80er eher unüblich war. Möglicherweise verschaffte auch dieser Aspekt der Gruppe erstklassige Auftritte wie beim 1. Internationalen Rockfestival in Dülmen. Auch im Jovel Cinema in Münster und in mehreren Lokalitäten im Ruhrgebiet war DODO zu sehen.

Schockiert waren die fünf Musiker, als eines Tages Bekannte zu ihnen kamen und davon berichteten, dass sie ein Stück von DODO im Radio gehört hätten. Eine andere Band hatte aus zwei Stücken der Gruppe ein neues gemacht. Sie nahmen von DODO‘s Komposition mit dem Namen „Bikini“ den Text und von dem Lied „Arabische Gefühle“ die Musik. Der neue Song hieß „Karibische Gefühle“. Die Stücke von DODO waren nicht geschützt, so konnte die Gruppe nichts dagegen unternehmen.

Auf die Frage, was sich seit damals an der Musikindustrie geändert hat, antwortet Harry Helmer: „Heute ist die Musik dank der Plattenindustrie der größte Bluff aller Zeiten. Es gibt Ghost-Singer (angebliche Sänger sind nur Fassade) und die dazugehörigen Tanzmariechen. Bereits mit 20 Jahren ist man zu alt, um erfolgreich zu werden. Die Jugendlichen werden durch visuelle Geschichten von der eher schlechten Qualität der Musik abgelenkt.“ DODO gibt es seit längerer Zeit nicht mehr, da Albert und Harry damals hauptberuflich als Musiker arbeiteten und dadurch gezwungen waren, andere musikalische Richtungen zu verfolgen.

Wenn auch viele der Bands von damals nicht mehr existieren, so hat es doch immer wieder Neugründungen in Dülmen gegeben. Eine Musikgruppe, die auch eher zu den jüngeren Bands gehört, ist Jack‘s Event. 1995 hatte die Formation ihren ersten Auftritt. Dieser kam eigentlich durch puren Zufall zustande. Der Gitarrist von Jack‘s Event hatte Geburtstag und wollte eine andere Band auftreten lassen. Die Gruppe konnte den Auftritt nicht wahrnehmen und so sammelten sich eben alle Musiker, die zur Verfügung standen, auf der Bühne und spielten zusammen. Dies war die Geburtsstunde von Jack‘s Event.

Die Band bestand zu Beginn aus folgenden Mitgliedern: Mikel Roters (Bass), Ole Scharrelmann (Schlagzeug), Heribert Koch (Gesang, Gitarre) und Stefan Hanskötter (Gitarre). Roland Osterkamp (Keyboard, Gesang) kam später hinzu.

Jack‘s Event
Jack‘s Event

Für Jack‘s Event gab es nie konkrete musikalische Vorbilder. Es war den einzelnen Bandmitgliedern immer sehr wichtig, eigene Stücke zu komponieren. So nahm sich Jack‘s Event zunächst vor, sein komplettes Programm mit Eigenkreationen zu gestalten. Als es dann später vor einem Auftritt zeitlich eng wurde, nahmen die Musiker Coverstücke dazu. Dieses Schema hat die Gruppe bis heute beibehalten, denn sie präsentiert auch jetzt noch ihre eigenen Kompositionen, ergänzt durch gecoverte, bekannte Rocksongs.

Diverse Auftritte hat Jack‘s Event bereits in Dülmen, Datteln (Bikerfestival), Osnabrück (Musikladen) und Münster (Bunter Vogel, Jovel) gestaltet. Zu dem besten Bühnenerlebnis zählt die Band jedoch das Konzert beim Dülmener Sommer im Jahr 2000. Der Marktplatz war mit Menschen gefüllt, das Wetter war entsprechend gut und so konnten die Musiker den Auftritt sehr genießen.

Für Stefan Hanskötter ist die Musik schon immer eine Bereicherung gewesen. „Man hofft darauf, als Musiker Karriere zu machen. Da man aber auch auf Sicherheit baut, legt man sich einen Beruf zu. Irgendwann verliert man dann das Ziel aus den Augen. Die Freude am Spielen ist das Schönste.“

Eine Band, die sich ausschließlich mit dem Thema „AC/DC“ (Hardrockband der 70er Jahre) beschäftigt, ist die Gruppe Go Hard. Zu ihr zählen Roland Osterkamp (Gesang), Uwe Scheiper (Schlagzeug), Heiko Dobberke (Gitarre), Stefan Hanskötter (Gitarre) und Christian Albrecht (Bass).

Auch wenn die Band nur eine einzige Rockgruppe covert, so sind seine Mitglieder doch Fans von den verschiedensten Interpreten. Zu den Vorbildern der fünf Musiker gehören „Gotthard“, „Van Halen“, „D.A.D“, „Whitesnake“, „Extreme“ und „Mr. Big“. „Rammstein“ und „Die Happy“ gehören zu den aktuelleren Rockgruppen, die für die Band interessant sind.

Go Hard
Go Hard

Go Hard hat in der näheren Umgebung bereits viele Engagements gehabt: In verschiedenen Dülmener Kneipen (MègMo, HG), der Bikers Farm, der Aula, zu „X-Mas-Rock“ im Kolpinghaus, auf diversen Privatpartys, in Münster (Leeze, Metro, Gorilla-Bar), auf der Freilichtbühne Billerbeck, in Lüdinghausen (Castle of Rock) und in Hilden bei Düsseldorf. Aus Sicht der Band hat sich seit den 70ern nicht viel verändert. Die Gruppe, welche die Musiker verehren, existiert immer noch. „AC/DC“ hat sowohl Fans in der älteren Generation als auch in der jüngeren. So dürfen die Musiker von Go Hard auch auf jedem ihrer Auftritte ein sehr breit gefächertes Publikum begrüßen. Heiko Dobberke antwortet auf die Frage, was am Musikmachen das Besondere ist: „Ich habe durch die Musik viele magische Momente erleben dürfen, einen riesigen Freundeskreis gefunden und jede Menge Spaß gehabt. Ich kann mir nicht vorstellen, wie es ohne Musik abgelaufen wäre.“

Ende 1998 wurde die Gruppe Glengar gegründet. Das Duo, das sich ausschließlich der irischen Folk-Musik widmet, hatte einen seiner ersten Auftritte im Pfannkuchenhaus in Lippramsdorf. Damals wurde den Musikern die Gage noch in Pfannkuchen bezahlt, heute betreiben Peter Schmalöer und Fritz Wesemann ihre Musik hauptberuflich.

„Glengar“ ist ein Wortspiel, denn es setzt sich aus „Glenfiddich“ (Whiskysorte) und „gar“ (umgangssprachlich für „fertig“, oder „erledigt“) zusammen. Das Duo hat derzeit ein Programm von etwa 80 irischen Liedern. Inspirieren lassen sich „Fiddle“ und „Paddy“, so lauten die Spitznamen der beiden Musiker, durch Gruppen wie die „Dubliners“, die „Wolf Tones“ und „Eddie & Finbar Fury“.

Die Geige und die Gitarre gehören zu den Instrumenten, die Peter und Fritz immer bei ihren Auftritten einsetzen. Engagements hatten sie regional, aber auch in Norddeutschland, Emsland, Meppen, Hessen, Wiesbaden, Frankfurt (Maritim-Hotel) und in Passau an der österreichischen Grenze.

Glengar
Glengar

Fritz Wesemann äußert sich zu den Veränderungen in der Musikszene von damals auf heute folgendermaßen: „Es gibt genügend Musiker. Jedoch ist der Anspruch des Publikums gewachsen und die Musiker sind auch dazu angehalten, mehr zu leisten. Durch die hohe Anzahl an Medien, über die Musik konsumierbar ist, ist das Publikum verwöhnt. Vor 30 Jahren war es möglich, mit dem Aufhängen von 30 Werbeplakaten einen riesigen Saal zu füllen. Bei den heutigen Veranstaltungen ist das Publikum eher verhalten, etwas schwerfällig. Die Leute sind schlechter zu begeistern. Früher wurde Eintritt genommen und die Veranstaltungen waren fast überfüllt. Heute nimmt man keinen Eintritt mehr und hat trotzdem einen Mangel an Publikum.“

Als Glengar eines Abends im Merfelder Hof spielte, kam an dem Gasthaus ein Personalchef der NATO vorbei und hörte von draußen die Musik. Er war sich sicher, man habe eine CD von den „Dubliners“ aufgelegt. Aus Freude an den heimatlichen Klängen ging er in das Restaurant hinein. Überrascht stellte er fest, dass die Musik keineswegs von einer CD kam, sondern live gespielt wurde. Er engagierte daraufhin „Glengar“ für ein Gastspiel in den Dülmener Tower Barracks.

Die Anzahl an Musikern, die Dülmen über die letzten 50 Jahre hervor gebracht hat, ist beachtlich. Die 70er Jahre gehörten Gruppen wie „Sunbury Tull“, „Sound – Fusion“ und „Haggard Bluster“. In den 80ern waren es Bands wie „Mamon“, „Between“, „Service“, „Rotbuche PRAG“, „Alcomoc“ und „Cue“, welche die Musikszene prägten. Die „Dövelings-Band“, „Tacko“, „Alien Drum and Bass Foundation“ und „Albert and Twogethers“ waren in den 90ern aktiv. Heute kann man auf Dülmens Bühnen Gruppen wie „Endurant“, „Yap!“, „Black Button“, „Crude Steel“ und „Bullet“ bewundern. Ob nun bewusst oder unbewusst, die Dülmener Musikszene ist zu einem Teil der Stadt geworden.