Dülmener Heimatblätter

Herausgeber: Heimatverein Dülmen e. V.

Heimatverein Dülmen e. V. | Dülmener Heimatblätter | Hefte | Register | Anmerkungen | Mitarbeit | Kontakt

<< Heft 2, 2006

Hanne David

Bebauung auf dem Burggraben in Hausdülmen

Im Archiv der Herzog von Croÿ‘schen Verwaltung befinden sich mehrere Schreiben aus den Jahren 1776-1778 an die inzwischen von Haus Dülmen zur Lüdinghauser Straße nach Dülmen umgezogene Hochfürstliche Amtsrentmeisterei, aus denen zu entnehmen ist, dass mindestens ein Bürger bei der Amtsrentmeisterei vorgesprochen und sich nach einer Bebauung auf dem verfüllten Burggraben erkundigt hat. Da die jeweils abgehenden Antwortschreiben der Amtsrentmeisterei nicht vorliegen, kann man den Verlauf dieses Geschehens nur mittelbar aus den weiteren Schreiben verfolgen.

In dieser Angelegenheit hat die Amtsrentmeisterei wohl bei der Münsterischen Hofkammer berichtet und das an sie gerichtete Anliegen vorgetragen. Darauf erhielt sie in einem ersten Schreiben vom 10. Dezember 1776 die Aufforderung, zunächst diejenigen, „welche auf diesem Burggraben ein Haus zu setzen und einen Garten dabei anzulegen willen sind“, zu befragen, wie viel die Bauinteressenten „jährlich an Grundzins und wie viel sie an die Gemeinheit für den Mitgebrauch der Marck bzw. für unseren Marckrichterlichen Anteils nebst der Landfolge und Rauchhuhn (Abgabe) zu prestiren (entrichten) übernehmen wollen“. Außerdem erfragt die Hofkammer, „wie groß der anverlangende Grund sei und von welcher Größe das darauf zu erbauende Haus sein soll“.1

Unabhängig von den im ersten Schreiben aufgeworfenen Fragen kommt man offensichtlich bald zu einer Einigung, denn schon im folgenden Monat wird der entsprechende Vertrag vor einem Notar unterzeichnet. Der Vertrag beginnt sehr feierlich mit den Worten: „In Gottes Namen, Amen“. Weit ausschweifend und für unsere heutige Zeit recht umständlich kommt man dann zum Zeitpunkt der Vertragsunterzeichnung mit den Worten: „Zu wissen seyn aller- und jedermänniglichen, dass im Jahr nach der heilsamen und gnadenreichen Geburt unseres eintzigen Erlösers und Seligmachers Jesu Christi Tausend, siebenhundert, sieben, und siebenzig,“ (es geht in lateinischer Sprache wie folgt weiter) „im zehnten Jahr unter der Regierung des unbesiegten, glorreichen römischen Kaisers Josef, seines Namens des zweiten, und hoch erhabenen Augusto“ (und in deutscher Sprache weiter) „auf Samstag, den fünf und zwantzigsten Tag Monats Januar, vor mir, Notario und nächsten glaubhaften Zeugen persönlich erschienen sein, der Johann Henr(ich) Broickmann, für sich, seine in Zukunft anzuheyratende Hausfrau Marie Margarethe Haake, auch mit derselben zuziehenden Erben und Anerben, offen und freiwillig anzeigend, welcher Gestalt vermög gnädigsten Cameral-Ratifications Rescripti de dato Münster den 21ten vorbesagten Jahres und Monats, er auf den hochfürstlichen Burggraben aufm Amthause Düllmen eine Wohnung aus seinen eigenen Mitteln zu erbauen und stäts zu unterhalten, auch sich daselbst niederzusetzen, nicht nur anheischig machte, sondern auch von dem ihm anwesenden Hausplatz und Gehöfte, alßweit sich der Burggraben erstrecket.“ Auch hat er dem Haus Visbeckischen Conductoren den Weg frei zu halten. Er verpflichtet sich zudem, für die „mitzugenießende“ Weide aufm hochfürstlichen Grund genau wie die aufm oberen Platz (Burgplatz) wohnenden Genossen ab 1778 jährlich an Michaelis drei Reichstaler in vollgeltender Silbermünze in der hiesigen Amtsrentmeisterei zu zahlen. Für den Fall, dass Broickmann die jährlich zu entrichtenden drei Reichstaler drei Jahre unverhofft nicht zahle, so stelle er nicht nur das aus seinem eigenen Mitteln auf diesem Grund erbaute Haus, sondern daneben auch all sein sonstiges Hab und Gut ohne Ausnahme zur Verfügung, um daraus die Schuld zu begleichen. Dieses gelobte er ausdrücklich dem Notar in die Hand. Darüber hinaus verpflichtete er sich, zwei Handdienste am Amthaus oder an der Amtsrentmeisterei bei eigener Verköstigung und Erhalt des bisherigen Dienstgeldes von einem Schilling für jeden Dienst zu akzeptieren. Auch im Sterbefall des Besitzers waren drei Taler zu entrichten. Dieser Vertrag wurde in der Amtsrentmeisterei in Dülmen im Beisein der als glaubhafte Zeugen tätigen Bürger Johann Dietrich Niehof und Johann Bernard Niehoff von Constantin Josef Becker als öffentlichem und eingeschriebenen und registrierten, ordentlich geprüften Notar unterschrieben.2

In einem weiteren Schreiben der Hofkammer vom 18. Februar 1777 weist diese die Rentmeisterei in Dülmen an, den „Neubaulinger Joan Henr(ich) Brockman den Erbpacht-Contract“ gegen Zahlung der Kanzleigebühr von einem Reichstaler auszuhändigen. Die Preisfindung überlässt sie vertrauensvoll dem Rentmeister.3 Noch im gleichen Monat wird von der Hofkammer schriftlich „ein vermeldeter Vertrag in behuf des Joan Henr(ich) Brockman und seiner Erben, von wegen der zu unserer Hochfürstlichen Hofkammer gehörigen Hausplatz und Gehöft hirmit begenehmigt“.4 Unmittelbar nach der Genehmigung des Erbpachtvertrages muss wohl von Seiten des Johann Henrich Brockman (heute Burgplatz 2) mit den Bauarbeiten begonnen worden sein, und sehr bald hat der Inhaber des Nachbargrundstückes, Droste zu Vischering, – so ist zu vermuten – gegen den Neubau des Hauses Brockman Einspruch bei der Hofkammer eingelegt, denn in einem Schreiben der Hofkammer vom 23. Juli 1777 vermerkt diese: „Da in die von Seiten des Rentmeisters Farwick behuf des Erbdrosten Freiherrn von Droste zu Vischering insienirte Prostestation (Einspruch) nicht die mindeste Ursach enthalten, aus welcher eine Protestation hat abgelassen werden mögen, so wollen wir gnädigst, dass der Joan Henrich Brockman derselben unangesehen, mit Hinsetzung des neuen Hauses auf dem zugefüllten Graben unseres Amthauses Düllmen dergestalten fortfahren könne, dass die Wohnung dem Erbdrosten nicht zu nahe errichtet, sondern aller Anlass zum Beschwer gehemmt werde. Wir erwarten von dem Erfolg deinen weiteren Bericht.“5

Bei den Bauinteressenten handelt es sich um Johann Henrich Broickmann – in weiteren Schreiben auch als Johann Herm(ann) Broickmann, auch Joan Henr(ich) Brockman oder nur Henrich Brockman bezeichnet – und um seine zukünftige Ehefrau Marie Margarethe Haake.

Aus welchem Hause oder aus welcher Familie der Bauinteressent Broickmann stammte, lässt sich nicht mit Sicherheit feststellen. Doch gab es zu dieser Zeit in Hausdülmen schon Bürger dieses Namens, denn bereits im Jahre 1735 heiratete ein Bern(ard) Broickman die Maria Bresser. Aus dieser Ehe gingen sieben Kinder hervor. Auch der Name Haake als Hausname der Ehefrau war in Hausdülmen schon vorhanden, da im Jahre 1748 bereits ein Gerhard Haacke eine Maria Edelbroick heiratete. Die beurkundeten Eheschließungen und Taufen befinden sich in den im Bistumsarchiv lagernden Kirchenbüchern von St. Mauritius Hausdülmen im bischöflichen Archiv in Münster. Der auf dem Burggraben bauende und in den Kirchenbüchern genannte Jo(hann)es Herm(ann) Broickman heiratete im Jahre 1779 Marg(arete). Haake. Auch dieses Ehepaar – nun Hermanus Bröickman und Marg(arete) Haacke genannt – hatten drei Kinder.

In den Kirchenbüchern werden häufig die Vornamen (Hermanus) lateinisiert.

Es fällt auf, dass die Eigennamen vielfach unterschiedlich geschrieben werden. Offensichtlich gab es zu dieser Zeit noch kein Namensregister, dessen Eintragungen allgemein gültig waren, sondern jeder schrieb den Namen so, wie er es für richtig hielt. Häufiger schrieb man auch die niederdeutsche Aussprache des Namens auf (z.B. Henrich).

Bei dem in Frage stehenden Neubauvorhaben muss es sich um die heutige Hofstelle von Werner Brockmann, Burgplatz 2, handeln, denn durch die Aufforderung, nicht zu nahe an das Grundstück des Erbdrosten zu Vischering zu bauen, die sich auf dem heutigen Grundstück Hullermann, Burgplatz 4, befand, kommt nur das heutige Grundstück Burgplatz 2 dafür in Frage.

1. Herzog von Croÿ’sches Archiv Dülmen, A 471: Schreiben der Hofkammer an den Rentmeister zu Dülmen vom 10. Dezember 1776.

2. Ebd.: Schreiben der Hofkammer an die Rentmeisterei zu Dülmen vom 18. Februar 1777; ebd.: Vertrag vom 25. Januar 1777.

3. Ebd.

4. Ebd.: Schreiben der Hofkammer an die Rentmeisterei zu Dülmen vom Februar 1777.

5. Ebd.: Schreiben der Hofkammer an die Rentmeisterei zu Dülmen vom 23. Juli 1777.

Copyright © Heimatverein Dülmen e. V.. Alle Rechte vorbehalten.

Die Verwendung der Beiträge ist nur zum persönlichen Bedarf gestattet.