Dülmener Heimatblätter

Herausgeber: Heimatverein Dülmen e. V.

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<< Heft 2, 2006

Hermann Maas

Bildtafeln in der Kirche St. Pankratius in Buldern

Vor 100 Jahren wurde das neue Gebäude der St.-Pankratius-Kirche errichtet. Der Ursprung der Kirchengemeinde liegt Jahrhunderte zurück. Erstmals wird das Bestehen des Ortes im Jahre 889 erwähnt. Die Herren von Buldern errichteten in der Nähe der Burg Buldern westlich des Ortes eine Kirche. Diese Wehrkirche wurde im Laufe der Zeit zu klein. So wurde in den Jahren 1904 bis 1906 eine neue Kirche errichtet. Die vom Kunst- und Kulturkreis Buldern neu geschaffenen Bildtafeln erzählen die 100-jährige Geschichte dieser Kirche, gegliedert nach der jeweiligen Amtszeit der Pfarrer.

Pfarrer Theodor Kappenberg (1900-1904)
Der Kirchenneubau wurde geplant und begonnen vom Pfarrer Theodor Kappenberg, dem späteren geistlichen Rat und Weihbischof von Münster. Am 16. Dezember 1900 beschließt der Kirchenvorstand unter seinem Vorsitz einstimmig den Bau einer neuen Pfarrkirche. An der Planung beteiligen sich der Dombaumeister Prof. Ludwig Becker aus Mainz und der Dombaumeister und Architekt Wilhelm Sunder-Plaßmann aus Münster. Der Baubeginn erfolgte im Juni 1904. Der Grundstein wurde am 2. Ostertag 1905 gelegt (Tafel 1).

Pfarrer Anton Tellen (1904-1930)
Im Juli 1904 wird Anton Tellen zum Pfarrer von Buldern ernannt. Er setzt die Planung und den Baubeginn fort. Inzwischen hatte Bischof Hermann zur Finanzierung eine Kollekte in allen Kirchen des Bistums angeordnet. Die Gesamtkosten betrugen 133.000 Mark. Der bildhauerische Schmuck der Kirche, entworfen vom belgischen Bildhauer Des Enfants, wurde ausgeführt vom Bildhauer Stuchtei aus Münster. Die Kirchenfenster wurden erstellt von den Glasmalern Derix-Goch aus Kevelaer und der Fa. Kraus aus Mainz. Pfarrer Tellen hatte im Jahr 1912 die Kreuzigungsgruppe, die heute den Chor bestimmt, erworben. Das Fenster mit dem Bild des heiligen Martin wurde vom Offizierschor des Münsterischen Kürassierregiments, das 1905 in Buldern im Biwak lag, an einem Kegelabend unter der Bedingung gestiftet, daß der Pfarrer den Bettler darstellen soll. Die Kirche wurde von ihm zu einem Schmuckstück ausgestaltet. Zwei in Öl auf Holz gemalte Tafelbilder von 1659 stammen aus der Appelhülsener Kirche. Die Wandteppiche wurden vom Künstler H. Holtmann aus Kevelaer mit Ölfarben auf Gobeline gemalt und wurden auf beiden Seiten im oberen Kirchenraum aufgehängt. Pfarrer Tellen pflegte einen engen Kontakt zu den Landwirten und riet ihnen ein Saatgut aus Holland einzuführen, um bessere Erträge zu erzielen. Pfarrer Tellen wirkte 25 Jahre in seiner Pfarrgemeinde (Tafel 2).

Pfarrer Julius Deittert (1930-1946)
Durch Präsentation des Freiherrn Gisbert von Romberg übernahm Pfarrer Julius Deittert im Jahre 1930 die Pfarrei Buldern. Viele der neueren Kunstwerke der Kirche, überwiegend Holzstatuen, die vom Bildhauer Frerichmann aus Senden geschaffen wurden, und Fahnen der kirchlichen Vereine wurden von ihm an- geschafft, ebenso der von Flithoff-Schaal in Münster gefertigte Tabernakel. Die Tabernakeltür stammt vom Goldschmied Dahl, der seinerzeit in Buldern künstlerisch tätig war. Er fertigte die Tabernakeltür aus gespendeten Silbermünzen. Die zwei jetzt noch in Gebrauch befindlichen Ciborien wurden von der Fa. Bach-Wild und Bruns angefertigt. Während seiner Amtszeit wurden auch zwei neue Glocken angeschafft. Weihnachten 1938 war das Geläute fertig. Während des Krieges mußte Pfarrer Deittert am damaligen Seitenaltar, dem Pankratiusalter, den Gottesdienst abhalten. Im Jahr 1942 mußten die Glocken als Kriegsspende abgeliefert werden. Drei Jahre später am Karfreitag 1945 wurden das Dorf und die Kirche beim Einmarsch schwer beschädigt. Das Dorf stand in Flammen, der Dachreiter der Kirche wurde abgeschossen, der Turm der Kirche wurde durch Beschuss arg mitgenommen. Die Behebung der Kriegsschäden an der Kirche wurde bereits durch Pfarrer Deittert kräftig in Angriff genommen (Tafel 3).

Pfarrer Dr. Ferdinand Zumegen (1946-1947)
Im Jahr 1946 wurde durch Präfektion von Freiherr Gisbert von Romberg Dr. Ferdinand Zumegen zum Pfarrer ernannt. Am ersten Weihnachtstag feierte er unter Teilnahme der gesamten Gemeinde sein silbernes Priesterjubiläum. Die Gemeindemitglieder sammelten im Jahr 1946 Butter, Speck und Holz und in einer Haussammlung Geld, um neue Glocken in Gescher gießen zu lassen, da während des Krieges Glocken für den Krieg eingeschmolzen wurden. Am Silvester läuteten die neuen Glocken das Jahr 1947 ein. Auch die Behebung der Kriegsschäden wurde von ihm weitergeführt. In seiner Amtszeit fand eine 14-tägige Mission statt, die von Franziskanern durchgeführt wurde. Die Gemeinde nahm regen Anteil und besuchte die Predigten durchweg gut. Dr. Zumegen verzichtete bereits 1947 auf Grund von Verleumdungen auf sein Pfarramt (Tafel 4).

Pfarrer Bernhard Harrier (1948-1965)
Pfarrer Gerhard Brömmling (1966)
Die Nachfolge im Pfarramt trat im Jahr 1948 Pfarrer Bernhard Harrier aus Stadtlohn an. 1949 bis 1962 stand ihm Vikar Dönnebrink (Don Camillo) zur Seite. Vikar Kemper kam 1962 und wurde 1965 von Kaplan Schmeing abgelöst. In Pfarrer Harrier`s Zeit erfolgten die liturgischen Änderungen auf Grund des Zweiten Vatikanischen Konzils. Eingeführt wurde eine Abendmesse, eine neue Karwoche- und Osterliturgie, die Messe wurde zur Gemeinde hin gefeiert und in deutscher Sprache gelesen und gesungen, die Handkommunion wird eingeführt. Unter seiner Leitung begann die Kirchenneugestaltung: Die Deckenmalerei war nicht mehr zeitgemäß. Man hat diese entfernt und durch einen schlichten Anstrich ersetzt. Die Wandbehänge wurden abgenommen und ein Teil der an den Säulen stehenden Figuren. Die gotischen Kreuzwegstationen wurden in einem modernen Stil erneuert.

In seiner Zeit finden mehrere Priesterjubiläen statt. 1966 übernahm Pfarrer Gerhard Brömmling für kurze Zeit das Pfarramt in Buldern (Tafel 5).

Pfarrer Josef Zellerhoff (1967-1982)
Im Jahre 1967 wird Pfarrer Zellerhoff aus Emsdetten feierlich in das Pfarramt eingeführt. Ihm stand kein Vikar mehr zur Verfügung. Er wurde vom Franziskanerorden aus Münster unterstützt, so auch schließlich durch unseren Pater Franz. Einige Männer und Frauen haben die Erlaubnis des Bischofs, die hl. Kommunion an die Gläubigen auszuteilen und Lektorendienste zu versehen. 1976 siedelte der Propst Pricking nach Buldern über und leistet nach seinem Ruhestand rastlos seelsorgliche Arbeit in der Gemeinde. Pfarrer Zellerhoff verwirklichte sein Anliegen einen modernen Kindergarten St. Josef zu errichten. Erstmalig wird ein Pfarrgemeinderat gewählt, der den Pfarrer in pastoralen und liturgischen Fragen unterstützt. Der Chorraum der Kirche wird neu gestaltet. Gestaltender Künstler für den gesamten Chorraum war der Bildhauer Ernst Rasche aus Mühlheim/Ruhr. Die Choranlage löst sich von den Seitenwänden ab und gibt somit dem Ort des Mahles, dem Altar, seinen Freiraum. Der Kalvarienberg nimmt die schöne alte Figurengruppe auf, Maria, Maria Magdalena und Johannes unter dem Kreuz, begleitend an den Chorwänden die sechs Propheten, die Altes und Neues Testament miteinander verbinden (Tafel 6).

Pfarrer Aloys Rohlmann (seit 1983)
Seit dem 13. März 1983 ist Pfarrer Aloys Rohlmann Pastor in Buldern. Als Vikar aus Senden kommend, wurde er würdig als neuer Pastor in Buldern unter dem Geläute aller Glocken empfangen. In der Gemeinde gab es viel zu tun, er packte es an. So wurde ein dringend benötigtes neues Pfarrheim mit Vorplatz errichtet, der Kirchplatz wurde neu gestaltet und die Kirchenfenster restauriert. Im Jahr 1986 beginnt offiziell die Partnerschaft mit Vitorino-Freire in Brasilien, entstanden durch die intensiven Bemühungen von Pater Franz und Pastor Rohlmann. Noch vorhandene Schäden am Kirchturm mussten dringend beseitigt werden. Das Turmkreuz und die Kugel werden abmontiert und erneuert. Das wiedergefundene wertvolle Relief „Der Pelikan“ wird in der Sakramentskapelle angebracht. Ein neuer Taufbrunnen ist ein Geschenk des Propstes August Pricking, der dem Pastor in der Seelsorge zur Seite stand. In seiner Zeit fanden auch einige Priesterjubiläen statt (Pfarrer Heeke, Pater Heribert Messing, Vikar Dönnebrink). Propst Paul Lappenküper kommt nach Buldern und unterstützt unseren Pastor in der Seelsorge. Ein weiterer Kindergarten und eine neue moderne Einsegnungshalle werden gebaut. Im Mittelfenster wird symbolisch das Weizenkorn dargestellt, im Außenfenster der Regenbogen. Den Einsegnungsraum schmückt der Lebensweg, das Kreuz, Ambo und Kerzenleuchter in Zusammenarbeit mit dem Kunstkreis Buldern. In der Pfarrkirche wird die neue Heintz-Orgel eingeweiht. Pfarrer Rohlmann wird zum Dechant ernannt und feiert sein 25-jähriges Priesterjubiläum mit der Gemeinde (Tafel 7).

Entstehung der Bildtafeln
Entstehung der Bildtafeln
Mitglieder des Kunst- und Kulturkreises Buldern gestalten die Bildtafeln und führten die Arbeiten aus (Joana Sadkiewicz, Pfarrer Aloys Rohlmann, Adolf Messing, Hans Streitenberger, Reinhard Homann, von links)

Materialbeschreibung und Werkstoffe der Bildtafeln

Die mit Leinwand bezogenen sieben Holztafeln haben eine Größe von 60 cm × 160 cm. Die plastisch aufgebrachten Darstellungen wurden teilweise mit Acryl, Ölfarbe und metallischen Farben, Blattgold, Silber und Kupfer belegt. Das Innenfeld wird mit Farblasuren veredelt. Die marmorartige, gewachste Umrandung ist aus einem veredelten italienischen Kalkmaterial (Rafaello) hergestellt.

Tafel 1

Planung und Baubeginn der neuen Pfarrkirche, Ansicht und Schnitt der Kirche im Neugotischen Stil.

Aus der alten Kirche übernommene Wandmalerei als Schablonierarbeit und die Bulderner Madonna aus dem 14. Jahrhundert, die zum Bau der Kirche veräußert werden musste.

Heute ist diese Holzfigur im Dortmunder Museum für Kunst- und Kulturgeschichte zu sehen.

Der wachsende Haselnusszweig gründet in der alten Pfarrkirche (Reis aus der Wurzel Jesse) und verbindet die einzelnen Tafeln und Zeitperioden miteinander.

Tafel 2

Tafel 2

Das Martinsfenster wurde beim Kegeln mit den Offizieren des preußischen Kürassier-Regimentes von Driesen vom Pfarrer Tellen erbettelt.

Ausstattung der Kirche mit Kunstwerken: Kreuzigungsgruppe, Tafelbilder und Wandteppiche. Von ihm wurde ein neues Saatgut mit mehr Ertrag

Tafel 3

Anschaffung des Tabernakels im Jahr 1940.

Die Tabernakeltür wurde vom Künstler Dahl aus gespendeten Silbermünzen geschaffen.

Pfarrer Deittert’s Patene und Kelch.

Am Karfreitag 1945 stand Buldern in Flammen. Der Kirchturm und die Kirche wurden schwer beschädigt.

Während des Krieges musste Pfarrer Deittert am Seitenaltar, dem Pankratiusaltar, die Messen lesen.

Tafel 4

Tafel 4

Die Behebung der Kriegsschäden wurde durch Dr. Ferdinand Zumegen kräftig in Angriff genommen.

Die neuen Glocken läuten das Jahr 1947 als Neuanfang ein.

Neugründung von kirchlichen Vereinen.

Abhaltung einer großen Mission, religiöser Wochen und von Einkehrtagen.

Tafel 5

Liturgische Änderungen auf Grund des Zweiten Vatikanischen Konzils.

Renovierung der Kirche.

Deckenausmalung vom süßlichen Stil in die Moderne. Umgestaltung des Chorraumes.

Der Pankratius-Altar wird versetzt und oberhalb des Haupteinganges angebracht. Figuren werden teilweise entfernt bzw. versetzt.

Priesterjubiläen sind als Stola symbolisiert.

Tafel 6

Tafel 6

Die Anbetungsengel aus dem Hochaltar.

Neugestaltung des Chorraumes auf Grund des Zweiten Vatikanischen Konzils.

„Zuerst wollen wir etwas tun für die Menschen, soweit das notwendig ist, und dann für unsere Kirche.“

Ferienwerk Ameland, Bücherei, Umbau Pfarrheim Kindergarten St. Josef, Menschengruppe, Friedensgruß. Teile seiner Stola.

Tafel 7

Neubau der Heintz-Orgel.

„Johannes der Täufer“-Motiv aus dem neuen Taufstein, Detail der Fenster in der Einsegnungshalle.

Die Partnergemeinde Vitorino-Freire in Brasilien.

Messgewand zu besonderen Anlässen, Priesterjubiläen.

Sein Kelch und Patene.

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