Dülmener Heimatblätter

Herausgeber: Heimatverein Dülmen e. V.

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<< Heft 2, 2006

Paul Gödde

De Kart(h)aus bie Dülmen

I. De Buorg to Weddern

Ji kennt de Kartaus in de Buerschopp Weddern tüsken Dülmen, Bullern un Rorup. Jau, ‘ne Buorg is dat maol west, ‘ne Waterbuorg van de Ridderslüde, wecke in‘t Woppen ‘n sülwern Schaopsbuck (Widder) met güllene Häörns föerden un de all üm 1170 harüm äs de Häerns van Wedderden uptratten.

Kennt Ji auk de Geschicht van dat Klauster Kartaus, dat sick „Marienburg“ nomde? 1420 kamm de Buorg düör Inhieraod an de Familge van Keppel un in dütt 15. Jaorhunnert fong auk de Geschicht van de „Marienburg“ an.

Daomaols wuende de rieke Gerhard van Keppel met Frau Hildegunde, Iärwsuon Hermann un drai Döchter up de Buorg Weddern. Gerhard was‘n wackern, düftigen Ridder un nich ümsüss Marschall van Kleve un met sienen büöwersten Dänst-Häern Heinrich van Schwarzburg, Bischup van Mönster (1466-1496), bestgued befröndet.

Rekonstruktion der Kartause Marienburg in Weddern
Rekonstruktion der Kartause Marienburg in Weddern
(Aquarellzeichnung von Carl Determeyer)

Kann ‘m sick vörstellen, dat so‘n gewölligen Häern äs düssen Gerhard den heelen Riekdoom, all sien Haw‘ un Goot, siene Buorg, de Wöller un Feller, de Büske un Ackers, de Kämpe un Wiesken, de Müelen un Dieke, de viellen Buernhüöwe un Kuotten, alle Mensken un Diers, üöwerhaups aals, wat em tobehäörde van eenen up den annern Dagg völaisen soll?

Nee, nich äs völaisen dai he sien Wiärks, he dai dat aals vöschenken!

Dat is nich licht to vöstaon un et was wane truerig, wat dütt Hanneln vüörruut gonk.

De Hertog Karl de Kühne van Burgund har 1474/75 de Stadt Neuss met siene Suldaoten insluotten. Dat konn sick Kaiser Friedrich III. (1440-1493) nich baiden laoten un he raip siene Vasallens bienene. Met enen daovan, den Bischup van Mönster trock auk de junge Hermann van Keppel loss. Bie de Slacht üm Neuss kreeg de Hertog swaorens wat up‘e Müsse, aower we daobie foll, dat was Hermann van Keppel!

De Lieknam wuor in Neuss biesatt un de Öllern häbbt up den Graffsteen schriewen laoten: „Hermann von Keppel, ein durch Herkunft, Tapferkeit und Reife hervorragender junger Mann, zog unter seinem Herrn, dem Bischof von Münster, Heinrich von Schwarzburg, gegen Karl, den Herzog von Burgund, der die Stadt Neuss in der Diözese Köln aufs heftigste belagerte, zu Felde. In einem blutigen Aufruhr wurde er durch Söldner grausam niedergestochen. Ihrem liebsten, einzigen Sohn setzten im Jahre 1475 die tief betrübten Eltern dieses Denkmal.“

Gerhard saog kienen Sinn mäer in sien Daosien. He wull dat heele Egendoom in een Klauster inbrängen, wao he sölws bes an sien Liäwensenne bliewen konn. Un wieldat he to de Tiet van den Kartäuser-Orden draimde, sollt de Kartäuser-Paoters aals häbben.

In‘t Jaor 1476 gaff de mönsterske Bischup siene Tostemmung. De Frau un de Döchter van Gerhard tratten in Nunnenklausters in. He kreeg ‘n Unnerdack bie de Paoters in de Marienburg bes an sienen Daut in‘t Jaor 1478.

De Kartäuser-Paoters häbbt Gerhard ümmer äs üören Klauster-Grünner in Ären hollen. So stait‘t in de Chronik van dat Klauster Marienburg.

De Marienburg, de deelwiese för 21 Paoters un ungetällde Bröers un Bedainte üöre Hemaot bedüden dai, har düör de Jaorhunnerte mankst wesselvulle Tieten to bestaon, denkt ‘m blaus an dän Spaansk-Nedderländsken (1566-1609) un dän Diärtigjäörigen Krieg (1618-1648).

In´t Jaor 1804 wuor dat Klauster Marienburg dänn uplichtet (aufgehoben).1

II. De Miär van de Üewelgünne

Dat historske Geschaien üm de Marienburg, üm Gerhard van Keppel un Suon Hermann hätt auk usse Vüöröllern wane beindrückt. Dat bewiest de Miär, wecke de Lüde baolle naodäm de Ridders van Keppel uutstuorwen sint, üm düsse Familge spunnen häbbt.

„Et was maol vüör lange, lange Tiet …“. So äs alle Miären fong auk düsse Miär an.

Apatt wi maakt dao wieder, wao Geschicht un Miär uuteneen gaot.

Äs Hermann van Keppel twee off drai Jaore is, dao spatseert an een Fröjaorsdagg dat Kinnerwicht Christina met em üöwer de Wiesken vüör de Buorg giensiets van de Gräwte.

Stina plückt Blömkes, binnt Arikelkes, Buotter- un Kiwitsblomen to Strüükskes bieneen un wiept ‘n Krans, wecken se Hiärmken äs ‘ne Kraune up‘t Köppken sett‘t.

Se singt Kinnerleedkes un Hiärm, van‘t Laupen un Hüppen möe, slöpp in‘t Gräss in.

Meteens klingt van‘n Buorghow Mussik harüöwer, de wunnerlick antehäören is.

Stina wätt niesgierig, will Hermann nich upmüntern un löpp alleen üöwer de Togbrügge un düör dat Paorthuus in de Vüörbuorg.

Up dat Gelänne tüsken Paorte, Bauhuus, Vehuus, Spieker, Schoppen un Schüern is ‘n bünt Gewööl van Buorgbewüeners un früemdländske Lüe.

Sigainers in üör viellfarwig Tüügs danst düörneen un spiellt up Vigelinen un Muultrummeln. Stina kiek de Lienendänsers to, de up dat tüsken Paorthuus un Buorgtaon strammspannte Seel harümlaupt. Daodrüöwer hätt dat Wicht dän lütten Buorghäern rats vögiätten.

Äs Stina hernocher wier in de Wieske kümp, üm Hiärm aftohalen, is nicks van em to sain.

Tonaigst denkt se, dat de Kleene sick vöstoppt hätt.

Se kiek ächter alle Strüük un krigg‘t met‘e Angst, se biäst vöstückert de Wai up un daal un röpp luut Hiärms Naomen. Van Hiärm is nicks to saien, nicks to häören.

Dao – Oguodoguod! – dao süüt se den Blomenkrans up de Gräwte swemmen!

Dat Wicht fäng an to kriesken, nu kümp auk enliks Hölpe, aower kieneen find Hiärm.

De Lüe mennt, de Keppelsuon wüör in‘t Water fallen un vödrunken.

Obschonst alle Buorgbewüeners, de Öllern, Ridders un Knappen, Miägte un Knächte, Dänstlüde un Küötterskinner Gräwte un Diek met Spillen un Staken afsöökt – se find‘t nicks.

Nich äs de Lieke van dat Kind könnt se updoon. Kien Jaommern helpt, kien Klaogen, kiene Gebiäde könnt batten! Hermann is vöswunnen un bliff vöswunnen.

De vötwiewelten Öllern denkt, üor Suon is daud un se truert üm Hermann.

Stina is gaans elennig. Se völüss düttwiägen Vöstand un Vönüll un söch üöwerall Hiärm. Uut wille Blomen wiept un binnt se Kränse un singt daobie Kinnerleedkes. So truerige Leedkes, dat de Lüde, wecke üör unnerwäggens begiegnet, methülen mött‘t.

Aower üörn Hiärm find Stina nich.

Kieneen kann wietten, dat ‘n jung Sigainerwiew, dat graod ‘ne Daudgebuort hat hätt, dat slaopende Jüngsken in de Wieske äs ‘ne Guodsgawe ansüüt un metnimp.

Se legg de falske Spuor un smitt den Blomenkrans in‘t Gräwtenwater.

Wieldat se sick denken kann, dat de Öllern ächter üör sint, hätt se sick vüörsichtig un ieligst up`n Wägg maakt. Se treckt van eene Stadt in de annere, ümmer wieder wägg van Weddern, dat dat früemde Frammensk nich äs van Naomen hiär kennt.

Se süüt Hiärm äs eegen Kind an. Dän Unnerholt biädelt se met Dansen un Singen bieneen.

So kuemt de Twee bes an den grauten Donaustroom.

De Sigainerin is malat un hänföllig un glüklick, äs de Slothärrin van Wildenstein üör ‘n Unnerkuemen anbaiden dööt.

Äs de Sigainerin an‘t Stiärwen kümp, bichtet se de Frau van Wildenstein, dat Hermann nich üör eegen Blood is, dat se em – se weet nich, wao – funnen hätt un wiest up den Woppenkring hän, wecken de Kleene an‘n Bändken üm dän Hals drägg.

Wied wägg in de Färne kennt natüürlick nüms dat Woppen de Häerns van Weddern.

Apatt de Slothärrin süüt daoan, dat Hermann ‘n Iedelmanssuon is, vöspriäkt, sick üm em to schiärn un lött em nao Ridder-Aort uutbellen.

Hiärm wäss baolle twintig Jaor in de Früemde up, bes eenen Dagg de Hänwies kümp, dütt Woppen stammt uut dat Bistum Mönster.

Hiärm will nao siene Öllern fuorsken un mäck sick met‘n Tropp Ridderslüde up‘n Wägg.

De Vüörsaiung will, dat Hiärm un siene Sellschopp in de Naigde van Köln ‘n arm Wiew in‘ne Möte löpp, dat klaogend an‘n Wägg sitt un üör truerig Leed singt:

„Sall‘k nich grienen, sall‘k nich hülen,
düör mien alleenig Vöschüllen
gonk he in‘t Water un is vöswunnen!
In‘n kaollen Diek ligg he an‘n Grunnen!

Mien laiwen Hiärm, dat sööte Kind,
dat ick nu nüms miär wier find!
He ligg in Muddel, he ligg in Müttkes,
de Fiske spiellt met siene Büttkes!“

Dat Leed gait Hermann to Hiärten un he küert fröndlick met‘e Biädlerske.

De Biädlerin – et is Stina, de tonaigst mennt, Gerhard van Keppel in siene jungen Jaore stait vüör üör. So gliek de Suon up sienen Vader! Patt up eenmaol kennt se Hiärm wier.

Dat is ‘ne graute Fraide un baide willt buts nao Huus, nao Weddern hän.

In Weddern is to düsse Tied ‘n Striet antogg tüsken Gerhard van Keppel un sein ‘n Naober, den Häern van Kückelsheim up Rorup. Düttwiägen kontrolleert Gerhard de Waaken up de Buorg an dän glieken Aomd, äs Hiärm met sienen Tropp in de Naigde van Weddern ankümp. Hermann stüörmt in‘t Dimsterlecht siene Sellschopp vüörruut un up de Buorg Weddern an.

„We kümp dao? Bliff staon!“ röpp em de Uppasser van Weddern engiegen. In sienen Iewer häört Hiärm nicks un galopeert wieders.

Gerhard befröchtet `n Üöwerfall van de Rorupsken, ritt de Paortwaak de Armbuorst van‘ne Schuller un tüert up den schienbäölicken Angrieper.

Ridder Gerhard tüert gued – un he dräpp gued!

De Bolten smitt Hermann üm. He föllt äs‘n Steen uut‘n Saddel un is faorts daud.

Stina, de ächter Hiärm hiärjagt, stüört sick üöwer dän Lieknam un lammenteert: „Häer van Keppel! Et is Hermann! Du häss dienen eegen Suon ümbracht!“

Gerhard hätt sienen Iärwen dat twedde Maol völuorn – aower düttmaol för alltiet!

Daoruphän hätt de heele Familge van Keppel met‘t Liäwen afsluoten.

Gerhards Frau un de drai Döchter wät‘t Nunnen un gaot in vöschaidene Klausters.

Gerhard Keppel geluowt, dat he Hawe un Goot an dän Klauster-Orden vömaken will, waovan em een Münk üöwer‘n Wägg löpp.

Nao ‘ne Tied begiegnet Gerhard buten in siene Feller twee Kartäuser-Münke.

Met de Kartäusers hätt he maol Striet hat un is nich bestguet up düssen Orden to spriäken. Aower Ridder Gerhard denkt an sien Gelüöwde un röpp vönienig: „Ju här‘k dat an‘t Üewelste günnt!“ Patt he höllt Waod un üöwerdrägg sien Eegen met Kap un Küegel an dän Kartäuser-Orden.

De Tiet van Ridders un Münke up Weddern is vögaon, van de Marienburg is nich mäer viell üöwrig, aower dat Kamp, wao de Kartäusers dän Häern van Keppel in de Möte laupen sint, dütt Kamp hett vandage no „De Üewelgünne“.2

Uut Göddes Wärkstiär

1. Carl Göllmann, Die Kartaus in Weddern bei Dülmen, Dülmen 1975 (Beiträge zur Landes- und Volkskunde des Kreises Coesfeld, Band 16).

2. [Max von Spiessen], De Uewelgünne. Sage unserer Heimat, in: Dülmener Heimatblätter Heft 4, 1957, S. 57-64.

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