Dülmener Heimatblätter

Herausgeber: Heimatverein Dülmen e. V.

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<< Heft 2, 2006

Erik Potthoff

Der Nonnenturm

Seit über zwanzig Jahren faszinieren mich die Ansichten und Fotografien der im zweiten Weltkrieg so sehr zerstörten Stadt Dülmen. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass nur wenig der ursprünglichen Bebauung unserer damaligen Ackerbürgerstadt am heutigen Stadtbild noch erkennbar ist. So macht es besonders viel Freude, die historischen Aufnahmen mit der heutigen Ansicht zu vergleichen. Der Dülmener Heimatverein widmet sich im Hinblick auf das Stadtjubiläum 2011 diesen Gegenüberstellungen und hält zugleich dadurch ein Bild unserer Stadt des frühen 21. Jahrhunderts fest.

Der mit Efeu überwucherte Nonnenturm aus der Zeit um 1900
Der mit Efeu überwucherte Nonnenturm aus der Zeit um 1900

Der heutige Beitrag beschäftigt sich mit einer Aufnahme des Nonnenturms aus der Zeit um 1900. Es wird angenommen, dass der Nonnenturm der älteste Turm der ehemaligen Stadtbefestigung ist und vermutlich zu Beginn des 16. Jahrhunderts erbaut wurde. Somit ist er ein Relikt aus der Zeit der zweiten Stadtbefestigung. Die ursprüngliche zuerst errichtete Umwallung wurde durch eine Mauer aus Bruchsteinen, ca. 75 cm breit und über 4 m hoch, ersetzt, die in Abständen durch Türme (Rondells) verstärkt wurde. Die Dülmener Stadtmauer wies insgesamt sechs Mauertürme auf, von denen jeweils drei in runder bzw. rechteckiger Form errichtet waren. Warum sich die runden Türme in der südlichen und die eckigen in der nördlichen Hälfte der Stadtmauer befanden, ist unklar.

Erst seit dem 18. Jahrhundert wird die Bezeichnung „Nonnenturm“ gebräuchlicher. Bis dahin bezog der Mauerturm seinen Namen aus der Tatsache, dass in ihm das Schießpulver für die Feuerwaffen der Bürgerwehr gelagert wurde. Für den Verteidigungsfall und weitaus häufiger für Übungsschießen wurde das Pulver aus Münster geholt und im Nonnenturm gelagert. Im Jahre 1457 wurde in Dülmen das Augustinerinnen-Kloster „Agnetenberg“ in unmittelbarer Nachbarschaft zum Nonnenturm gegründet. Seine größte Aufmerksamkeit erhielt das Kloster rückwirkend 1803 durch die Aufnahme der seligen Anna Katharina Emmerick. Im Zuge der Säkularisation wurde das Kloster 1812 aufgehoben. Ab Mitte des 17. Jahrhunderts verfiel die Stadtbefestigung zunehmend. Wegen Baufälligkeit wurden drei Türme und vier Tore abgebrochen. Um 1730 wechseln der „wüste Turm“ und kurz zuvor der „Wallgarten“ am Nonnenturm in Privatbesitz. Erster Eigentümer wird Amtsrentmeister Hermann Ignaz Galen († 1744). Seine Familie stellte in drei Generationen innerhalb des fürstbischöflichen Amtes Dülmen den Rentmeister und somit den höchsten Verwaltungsbeamten.

Der Turm wurde nach Umgestaltung durch den neuen Eigentümer als Gartenhaus genutzt. Er bekam einen zweiten Eingang und eine großzügige Freitreppe führte in den Garten. Die beiden oberen, mit Holzdecken abgeschlossenen und über eine Wendeltreppe erreichbaren Geschosse erhielten große in Sandstein gefasste Fenster. Zur 500-Jahrfeier der Pestprozession (1882) stiftete der Rentner Froning für die Türme Glocken, die in der Nacht während des Umzuges geläutet wurden. Bis um 1850 war der Nonnenturm bewohnt. Nachdem die letzte Familie aus dem Turm ausgezogen war, verfiel er wieder. Die der Glasscheiben beraubten großen Fensteröffnungen verschloss man mit Bretterläden. Mit Ausnahme einer kurzen Unterbrechung, in der die Stadt wieder Eigentümerin des Turmes war, blieb der Nonnenturm in Privatbesitz.

Nach schweren Kriegsschäden wurde 1953 mit der Restaurierung und Wiederherstellung des Turmes begonnen. Die größte Veränderung bedeutete die Reduzierung der Geschosshöhen. Hierdurch wurden im Turm anstelle der bisherigen drei Geschosse vier untergebracht. Dementsprechend verkleinerten sich die Fensteröffnungen. Zu Wohnzwecken wurde 1961 ein flacher Bungalow angebaut. Dabei wurde ein Stück von dem Rest der alten Stadtmauer bis auf den gesunden Kern abgebrochen. Den Restaurierungsmaßnahmen von 1982 folgte 1983 die Unterschutzstellung als Denkmal.

Literatur

Bielefeld, Ludwig, Der Pulver-(jetzt Nonnen-)Turm am Ostring, in: Heimatblätter [Dülmen] 1925.

Lewe, Ulrich /Potthoff, Erik, Unsere alte Tiberstadt, Dülmen 1986.

Menke, Annette, Dülmen in Westfalen, Dülmen 1991.

Schumacher-Haardt, Ursula, Profane Denkmäler in Dülmen, Dülmen 2000 (Dülmener Lesebuch, Bd. 5).

Weskamp, Albert, Geschichte der Stadt Dülmen, Dülmen 1911.

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