Dülmener Heimatblätter

Herausgeber: Heimatverein Dülmen e. V.

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<< Heft 2, 2006

Wolfgang Werp

Neuerscheinungen

Anton Brieger, Clemens Brentano. Weg und Wandlung, Christiana-Verlag, Stein am Rhein 2006.

Das Buch ist ein Plädoyer für Clemens Brentano! Der um die Veröffentlichung von Emmerick-Literatur verdiente Schweizer Christiana-Verlag hat es mit diesem Werk unternommen, den nach seiner Auffassung bei der Seligsprechung der Anna Katharina Emmerick am 3. Oktober 2004 neben ihren Stigmata und ihrer Nahrungslosigkeit viel zu kurz gekommenen Aspekt, nämlich das zentrale Charisma ihrer Visionen, mehr in den Vordergrund der Betrachtung zu rücken.

Der Verleger Arnold Guillet trägt dazu vor, „dass der Emmerick nämlich mehrfach während der Visionen gesagt worden sei, dass es von zentraler Wichtigkeit sei, die ihr gewährten Schauungen der Mitwelt kundzutun“. Dem entsprechend wird in dem Werk von ihm und dem Verfasser der Richtigkeit der These nachgegangen, „ob A.K. Emmerick schon viel eher selig gesprochen worden wäre, wenn nicht Clemens Brentano gewesen wäre, der in seinen Berichten über die Visionen der Nonne von Dülmen viel eigenes Gedankengut mitverarbeitet habe. So wisse man nicht mit Sicherheit, was nun wirklich von A.K. Emmerick stamme und was nicht.“

Zunächst werden uns vom Verfasser die Lebensstationen Clemens-Brentanos erneut vorgestellt, um dann auf seine späten Lebensjahre und die Berufung als Schreiber der stigmatisierten A.K. Emmerick zu kommen. Hier bleibt zu erinnern, dass Brentano während fünfeinhalb Jahren mit akribischer Geduld am Krankenlager der Nonne sitzend nach ihrem Diktat 48 Folio-Bände mit ihren Visionen gefüllt hat.

Die immer schon heftig diskutierte Argumentation der Skeptiker, die Visionen seien ganz oder teilweise eine Erfindung Brentanos, wird als haltlose Vermutung zurückgewiesen. Insofern ist für den Autor von besonderer Bedeutung, dass die Emmerick ihre Visionen über die Heilsgeschichte nicht für sich selber, sondern zur Erbauung der Gläubigen erhalten habe und daher deren Verbreitung als Auftrag sah. Darüber hinaus habe sie Brentano bei seiner erstmalignen Ankunft in Dülmen mit den Worten „Ei, Gott grüß Sie!“ begrüßt und als jenen erkannt, der ihr schon lange vorangekündigt worden sei. Nach einigen Tagen soll sie angefügt haben: „Sie waren mir nicht fremd, ich kannte Sie, ehe Sie zu mir kamen. Oft ist mir ein Mann mit dunkler Gesichtsfarbe als bei mir schreibend gezeigt worden. Darum musste ich, als Sie das erstemal in meine Stube traten, denken: Ah, da ist er ja!“ Ob dies ein Zeichen göttlicher Fügung war, bleibt der Wertung des Lesers überlassen.

Jedenfalls hat Clemens Brentano seinen Lesern einen Schatz zugänglich gemacht, der mangels anderer geduldiger Chronisten sicher verloren gegangen wäre. Losgelöst von der Bedeutung der Visionen der A.K. Emmerick für das Seligsprechungsverfahren rechtfertigt schon dieser Gedanke eine Befassung mit der lesenswerten Materie, die von vielen Seiten beleuchtet wird.

Jahrbuch Westfalen 2007, hg. vom Westfälischen Heimatbund, Redaktion Peter Kracht, Münster 2006.

Zum Schwerpunktthema des Jahrbuchs „Musik in Westfalen“ haben sich Autoren aus den verschiedensten Musikrichtungen geäußert: Gesang- und Musikvereine sowie die heimischen Musikschulen melden sich zu Wort; die westfälische Orgellandschaft lädt zum Schwelgen; das Konzerthaus Dortmund, der Mondpalast in Wanne-Eickel oder das Rock’n’Pop-Museum in Gronau laden zu einem Hörgenuss ein. Weitere Rubriken „Westfalen einst und jetzt“, „Menschen in Westfalen“, „Museen in Westfalen“, „Kulturspiegel“ und schließlich „Orte in Westfalen“ verführen alljährlich zu einem abwechslungsreichen Spaziergang mit bunt gemischten unterhaltsamen wie lehrreichen Beiträgen.

Otto Kruck, Kindheit und Jugend in schwerer Zeit. 1935-1954, Selbstverlag Marl 2006.

Die Kriegs- und Nachkriegsbiographie meines ehemaligen Schulfreundes habe ich als Rezensent natürlich mit besonderer Aufmerksamkeit gelesen. Wir hatten uns nämlich in der früheren Josefschule hinter der Post, die ab 1939 offiziell nach einem NSDAP-Funktionär Hans-Schemm-Schule hieß, bei den Lehrern Bertling und Franke kennen gelernt. Im April 1947 trafen wir uns zur gemeinsamen Aufnahmeprüfung für die Sexta im notdürftig reparierten alten Gymnasium am Nonnenwall wieder. Mit etwa 60 weiteren Kandidaten erreichten wir die geforderten Noten zu „höheren Schülern“.

Hiervon berichtet Otto Kruck rund um Seite 62 seiner Chronik präzise und mit ironischem Blick auf Lehrer und Mitschüler. Natürlich ist auch mir unser „Ilschen“ in bester Erinnerung, wie auch die Rückschau auf Rektor „Väterchen“ H. Thiemanns Latein- und Religionsunterricht und Dr. „Fuddel“ Noltes mathematische Eskapaden lebendig bleiben werden.

In ähnlicher Präzision und bunter Lebhaftigkeit hat sich Otto Kruck locker fabulierend mit anderen Ereignissen der Jahre 1935 bis 1954 befasst und ein großes Bündel von Fakten über seine Kindheit in der Familie, mit den Nachbarn, den Kinderschützenfesten der oberen Münsterstraße, den Schul- und Lehrjahren, aber auch dem Bombenhagel auf den Dülmener Nord-Osten usw. vorgestellt. (Siehe auch den Beitrag von Otto Kruck „1945 - Dülmen vor 60 Jahren“ in: Dülmener Heimatblätter 52, 2005, S. 2-6.) Manche für den außerhalb der Familie stehenden Leser zu ausführliche Darstellungen lassen einen nahe liegenden Blick auf das Gesamtgeschehen in unserer Heimatstadt etwas zu kurz kommen. Dennoch erzählt die Chronik einer beschützten Jugend des Kriegskindes im Bombenhagel anschaulich über Dülmens Kriegs- und Nachkriegsgeschehen. Für den Verfasser beruhigend schloss sich im November 1954 nach dem Verlassen seiner hiesigen ungeliebten Lehr- und Arbeitsstelle mit der Vorfreude auf die zukünftige tägliche Pendelei „mit der Dampfeisenbahn“ von Dülmen ins benachbarte Recklinghausen ein neuer Lebensabschnitt an. Wir Leser dürfen also auf die Fortsetzung dieser Geschichte gespannt sein.

Otmar Steinbicker, Die schönsten Radtouren im Münsterland, Bielefeld 2006.

Die interessantesten Radwege im Münsterland sind in den letzten Jahren in vielen Schriften erläutert worden. Das vorliegende handliche, kartonierte Heft in der praktischen Spiralbindung stellt 13 radelnswerte Rundtouren vor. Jede Tour ist mit den notwendigen Streckeninformationen ausgestattet: Streckenklänge, Steigungen, Wegbeschaffenheit, Sehenswürdigkeiten und ergänzende Erläuterungen zu örtlichen Verkehrsvereinen und Infostellen sind beigefügt. Eine übersichtliche und auf den dazugehörigen Text verweisende Tourenkarte berichtet über das geographische Umfeld. So stellt dieses Büchlein für den im Münsterland noch nicht so kundigen Radler ein sehr brauchbares Angebot bei der Tourenauswahl dar und notiert ihm hilfreiche Einzelheiten. Trotz der starken Anlehnung an die etablierte 100-Schlösser-Route und einiger Fehler (S. 69: Wildpferdefang im Merfelder Bruch ist natürlich „bei Herzogswetter“ am letzten Samstag (!) im Mai.) eine feine Ergänzung für auswärtige Gäste, die die schönsten Ecken des Münsterlandes erkunden wollen.

100 Jahre + 1. Bürgerschreck und Hoffnungsträger. Hundert Jahre SPD in Dülmen, hg. von SPD-Ortsverein Dülmen 2006.

Nach dem Titel der Ausstellung und des Festaktes zum 100jährigen Jubiläum des Ortsvereins Dülmen hat die SPD ihre Broschüre über Ereignisse und Schwerpunkte ihrer Ortsgeschichte benannt, um auf hundert Jahre sozialdemokratische Politik vor Ort zurückzublicken. Nach einem langen Seufzer über zu heftigen Gegenwind von den Dülmener politischen Gegnern und der örtlichen Presse in den zurückliegenden ersten Jahrzehnten ihrer Arbeit gestehen die Chronisten Benno Biermann, Magdalene Nettekoven und Ortwin Bickhove-Swiderski ein verständnisvolleres Mit- und Gegeneinander der demokratischen Gruppen in Dülmen in neuerer Zeit jedoch zu. Die Verfolgungen und Drangsalierungen einiger Dülmener Sozialdemokraten in der NS-Zeit wie zum Beispiel von Wilhelm Brücher und Wilhelm Ricker werden in einem Beitrag umfassend vorgestellt. Weitere Kurzberichte beleuchten die Jugend-, Frauen- und Seniorenaktivitäten. Ein eingestreuter Bilderbogen mit lebendigen Fotos von Veranstaltungen, Festen und Ausstellungen mit einem Blick auf die aktuellen Arbeitsschwerpunkte rundet die Schrift ab.

Nordrhein-Westfalen. Handbuch der historischen Stätten, hg. von den Landschaftsverbänden Rheinland und Westfalen-Lippe, 3. Auflage, Stuttgart 2006.

Die dritte Auflage des völlig neu konzipierten bewährten Handbuches trägt der tief greifenden Umstrukturierung Nordrhein-Westfalens in den letzten Jahrzehnten Rechnung. So sind die 1.400 Ortsartikel nach den heutigen kommunalen Zugehörigkeiten sortiert, wobei alle Städte und Gemeinden des Landes vertreten sind. Erstmals wird auch der moderneren Forschung folgend wesentlich mehr als zuvor zu den politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklungen unseres Landes in den letzten beiden Jahrhunderten berichtet. 11 Karten und 34 Stadtpläne erleichtern den Überblick und vermitteln so einen vorzüglichen Gesamteindruck.

Stadtarchivar Dr. Friedrich-Wilhelm Hemann hat sich des Kapitels „Dülmen“ einschließlich seiner Ortsteile Buldern, Hausdülmen und Weddern angenommen (Seiten 268-271). Für die interessierte Öffentlichkeit und den Fachmann eine wahre Fundgrube.

Festschrift 125 Jahre Marienschule. 1881-2006, hg. von der Marienschule. Private bischöfliche Realschule für Mädchen und Jungen Dülmen, Dülmen 2006.

Reichlich kunterbunt geht es in dieser mit neun Grußworten überlasteten Festschrift der Marienschule zu. Da bleibt wenig Raum für einen ausführlichen Gang durch die Schulgeschichte, die immerhin die Zeit von 1881 bis 2006 umfasst und für viele Dülmener Schülerinnen einen wichtigen Lebensabschnitt begleitet hat. Viele Jahrzehnte werden dann auch in der Zeittafel nur gestreift oder mangels Materialien ganz übergangen. Selbst die Ära der „legendären“ Schwester „Mutter“ Alphonsa Horstmann (Schulleiterin von 1909-1955) wird nur in wenigen Aspekten angesprochen. Die eingestreuten Fotos, Dokumente und Erinnerungen einzelner Schülerinnen stellen das Schulgeschehen gestern und heute beispielhaft vor. Im zweiten Teil der Festschrift werden unter dem Motto „Marienschule – heute“ verschiedenste Aspekte des Schullebens, vom Foto der Kollegien über Patenschaften bis zu Berichten über Klassenfahrten, herausgegriffen. Zu guter Letzt schlägt dann dem unübersichtlichen Layout der Chronik folgend ein Foto der Schule auf der hinteren Umschlagseite einen Purzelbaum und steht (freiwillig oder) unfreiwillig auf dem Kopf. Im Interesse ihrer Leser hätte der Schrift etwas mehr Systematik gut getan. Dennoch frischt sie manche Erinnerung auf.

Alain Sartelet, Charleville au temps des Gonzague. Portrait d’une cité ducale 1606-1708, (Charleville zur Zeit der Gonzague. Porträt einer herzoglichen Stadt 1606-1708), hg. von Museum der Ardennen, Charleville-Mézières 1997.

Franz Bartelt, Thierry Chantegret, Jean-Marie Lecomte, Charleville-Mézières. „Absolument moderne…“, Editions Noires Terres, Louvergny 2006.

Empfehlend hingewiesen sei auf zwei gelungene Bildbände unserer befreundeten französischen Nachbarstadt: Zunächst ein Stadtporträt mit vielen Bildern und Grafiken, ausgehend von „Charles de Gonzague“, dem Gründer der Renaissance-Stadt Charleville (ursprünglich „La ville de Charles“ = „Karls Stadt“). Gezeigt wird ein plastisches Bild der Architektur und Geschichte dieser sehenswerten Residenz, in der nach dem Zeitalter der Befestigungen in Frankreich erstmals ein neuer Weg zur Urbanität versucht worden ist.

Im zweiten Werk liegt der Schwerpunkt weitgehend auf gelungenen Fotografien, eingerahmt von alten und neuen Texten Franz Bartelts, dem Autor von weit über dreißig Werken, darunter Romane, Novellen und Chroniken.

Für die Dülmener Freunde der Partnerstadt Charleville-Mézières und der französischen Sprache im Besonderen eine erfrischende „lecture“.

75 Jahre. 1931-2006. Freiwillige Feuerwehr Merfeld, Jubiläumsschrift hg. von der Freiwilligen Feuerwehr Dülmen, Löschzug Merfeld, Dülmen 2006.

Das Redaktionsteam hat sein im Vorwort verfolgtes Anliegen, „für die Bevölkerung von Merfeld und für seine Freunde und Gönner eine Dokumentation mit vielen Erinnerungen aus den 75 Jahren des Arbeits- und Kameradschaftslebens der Merfelder Feuerwehr zu gestalten“, bestens erreicht. Die schöne Schrift bündelt die zahllosen nennenswerten Ereignisse der vergangenen Jahrzehnte Wehrarbeit zu einer abgerundeten Chronik und stellt in der Jahresfolge wichtige Daten der 75-jährigen Geschichte vor. Darüber hinaus wird die Mitwirkung des Löschzuges bei vielen traditionellen und kulturellen Veranstaltungen rund um Merfeld herausgearbeitet. Schließlich werden die ehemaligen und aktiven Mannschaften mit ihren Führungsspitzen in Wort und Bild vorgestellt. Kurzum – eine gelungene Festschrift.

Geschichte und Geschichten vom Wildpferdefang, hg. von der Herzog von Croÿ’schen Verwaltung, Dülmen 2006.

Am 26. Mai 2007 findet der Wildpferdefang im Merfelder Bruch zum 100. Male statt. Zu Jubiläum hält die Herzog von Croÿ’sche Verwaltung in einer kleinen Broschüre Rückschau. In einer munteren Artikelfolge wird die Entwicklung vom Ponyverkauf am 19. August 1909 zum heutigen volksfestartigen Fangvergnügen geschildert. „Aus züchterischer Notwendigkeit entstanden, ist das Einfangen der Jährlingshengste ein faszinierendes Ereignis, das alljährlich Tausende von Besuchern und die Medien aus aller Welt anlockt“, schreibt der Erbprinz von Croÿ in seinem Vorwort. Erfahrene Fänger berichten, wie sich die Jungpferde in der Arena den Erhalt der Freiheit immer wieder verlängert und Käufer von Junghengsten schildern, was sie mit ihren Lieblingen erlebt haben.

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